Interessantes zu Theoretischer Physik


Kann Wissenschaft absolut objektiv beobachten?

In seinem Buch Sieben Experimente, die die Welt verändern könnten kommt der Biologe Rupert Sheldrake u.A. auch auf etwas zu sprechen, was man den Experimentatoreffekt nennt:

Die Unmöglichkeit objektiv zu beobachten, wo Beobachter die beobachteten Objekte — wie unbewusst auch immer — beinflussen.

Dieser Effekt — vor allem bekannt aus den am wenigsten exakten Wissenschaften (Medizin, Psychologie, etc.) verallgemeinert die aus der Quantenphysik wohlbekannte Tatsache, dass das Messergebnis einer quantenphysikalischen Messung keineswegs nur von beobachteten Objekt abhängt, sondern stets von einem Gesamtsystem, welches die Messappartur  u n d  die beobachteten Quanten umfasst, und ganz besonders auch von der  M e s s f r a g e , die man bentwortet haben möchte.

Man weiß heute auch, warum das so ist:

Genau besehen nämlich ist alle Materie ebenso wie alle nicht in materieller Form existierende Energie (z.B. Licht) Summe von Wellen, deren jede die Schwankung von Wirkpotential beschreibt (d.h. von drückender oder ziehender Kraft). Wo so eine Welle entsteht, breitet sie sich mit Lichtgeschwindigkeit kugelförmig aus, überlappt sich also praktisch sofort mit allen Wellen, deren Quelle nicht allzu weit entfernt wirkt (insbesondere mit den Wellen, die die eben beobachteten Quanten sind oder sich als Licht von ihnen trennen).

Wo Physiker z.B. das Elektron eines Wasserstoffatoms zu beobachten suchen, kann dieses, beim Zurück­fallen auf ein niedrigeres Energieniveau, Licht abgeben. Es kann aber auch mit einer den Beobachter dar­stellenden Welle interagieren, deren Energie reduzieren, sich selbst einverleiben, und so auf ein höheres Energieniveau gelangen.

Langer Rede kurzer Sinn: Da Beobachter und beobachteter Gegenstand Summe von Wellen gleicher Natur sind, verschmelzen sie zur Summe aller Wellen, aus denen sie beide insgesamt bestehen. Erst das so entstandene aufsummierte Gesamtpotential zeitigt jene Wirkung, die man das Messergebnis nennt.

Da makroskopische Objekte — Menschen, Tiere, Kristalle, chemische Stoffe — auf jeden Fall auch Quanten­systeme sind, ist klar, dass auch sie einander beeinflussen werden, sobald sie sich hinreichend nahe kommen.

Da Menschen wie Tiere Gehirnströme erzeugen, sollte klar sein, dass selbst noch diese elektromagne­tischen Wellen das jeweils andere Objekt beeinflussen.


Dieser Einfluss allerdings wird bis heute vernachlässigt,

da er nicht messbar erscheint und für extrem klein gehalten wird.


Sheldrake These ist, dass er groß genug sein kann, parapsychologische Effekte hervorzurufen, die zu untersuchen sich die meisten Wissenschaftler aber weigern, da sie befürchten, dann als Esoteriker ein­gestuft zu werden.

Morphische Resonanz im Sinne Sheldrakes würde bedeuten, dass jene Wellen einander nicht nur einzeln beinflussen, son­dern auch als Wellenpakete, die Gedanken und Gedächtnisinhalte darstellen.

Wer Sheldrake Bücher gelesen hat, wird zugeben: Er argumentiert absolut sachlich und stützt sich in allem, was er zitiert, fast ausschließlich auf Untersuchungen und Thesen, die sich in anerkannten, oft sogar recht renommierten wissen­schaftlichen Fachzeitschriften beschrieben finden.

Umso erstaunlicher ist,
  • dass was Sheldrake in seinem Buch an Beobachtungen über den Experimentatoreffekt gesammelt hat, uns hin und wieder richtig sprachlos macht
  • und dass dennoch bei der Durchführung von Experimenten der Einsatz von Blindverfahren — und erst recht der noch zuverlässigeren Doppel- und Dreifachbildverfahren — bisher nur in Psychologie, Parapsychologie und Medizin zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

    Sheldrake hat selbst Studien hierzu durchgeführt:
    • In Erhebung 1 ging es um Experimentalberichte, die in neueren Nummern führender Wissenschaftsjournale veröffentlicht wurden. Dabei fanden sich
      • bei Physikwissenschaften unter 237 Fachbeiträgen kein einziger mit Blindversuch,
      • bei Biowisschenschaften unter 914 Experimenten nur 7 mit Blindversuch,
      • bei Phsychologie und Verhaltensforschung unter 143 ebenfalls 7
      • bei Medizin unter 227 immerhin 55
      • bei Parapsychologie unter 27 aber 23 mit Blindverfahren.
    • In Erhebung 2 betrachtete Sheldrake naturwissenschaftliche Institue von insgesamt 11 britischen Universitäten. Auch hier zeigte sich, dass in den meisten Zweigen der Physik- und Biowisschenschaften kaum mit Blindverfahren gearbeitet wird:
      • In 22 von 23 physikalischen und chemischen Institute
      • sowie in 14 von 16 biochemischen und molekularbiologischen wurden sie weder angewandt noch gelehrt.
      • In 4 von 8 Genetik-Instituten sowie in 6 von 8 Psychologie-Instituten wurden Blind­verfahren angewandt und gelehrt, auch hier aber machte man nicht routinemäßig davon Gebrauch. In Vorlesungen wurde das Thema meist nur gestreift.
    • Einige der durch Sheldrake interviewten Wissenschaftler wussten mit dem Ausdruck » Blind­verfahren « nichts anzufangen; die meisten anderen kannten ihn zwar, waren aber der Mei­nung, er sei nur in klinischer Forschung oder Psychologie notwendig. Zudem dachten sie, dass Blindverfahren nur dazu da seien, möglicher Vereigenommenheit der Probanden zu begegnen (nicht aber auch der Versuchsleiter).
    • Physiker und Biologen waren fast alle der Meinung, dass Blindverfahren auf ihrem Gebiet über­flüssig seien, da die Natur selbst blind sei. Gerade das aber ist — wie oben die Argumen­tation aus Sicht der Quantenphysik zeigt — eben NICHT der Fall: Auch unbelebte Natur reagiert auf Beobachter, Messgerät und überhaupt alles in ihrer näheren Umgebung. Strittig ist nur, in welchem Ausmaß.

Sheldrakes Meinung (die ich als durchaus nachvollziehbar empfinde) ist:

Die von den meisten Vertretern der harten (exakten) Wissenschaften geteilte Meinung, Blind­verfahren seien dort nicht notwendig, ist von so grundlegender Natur, dass sie überprüft zu werden verdient. Sie sollte nicht weiter für selbstverständlich genommen werden. Der Glaube an die Objek­tivität der Naturwis­senschaften könnte sich als fehlgeleitet erweisen, sollte sich heraustellen, dass wissenschaftliche Befun­de keineswegs nur dort, wo die beobachteten Objekte Lebewesen sind, von den Erwartungen der Expe­rimentatoren und Versuchsleiter mit beeinflusst werden.

Den Experimentatoreffekt einfach nur auf unbewusste Weitergabe subtiler Fingerzeige zurückzuführen, scheint — so legen einige der von Sheldrake ausgegrabenen Beispiele uns nahe — wohl wirklich nur seiner aller­einfachsten Variante gerecht zu werden.

Wissenswertes zu "Wissenschaft, Objektivität, Experimentator Effekt" zusammengestellt durch Gebhard Greiter.
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