Wo unsere physikalische Welt nur Illusion ist

   


Wie real ist die Welt um uns herum?

   


Die großen Religionen dieser Welt

   


Ein recht naheliegendes Weltmodell

   





D i s k u s s i o n


 Beitrag 0-454
In welchem Ausmaß ist alles Weltgeschehen deterministisch?

 
 

 
Wie deterministisch entwickelt sich die Welt?

 
 
Wenn wir unter der Welt den Inhalt der Raumzeit aus Sicht der Physik verstehen, so lässt sich feststellen:
 
     
  • Die kleinsten Geschehnisse, die Physik kennt, sind Quantenfluktuationen. Ihr Ergebnis ist — nach allem, was man weiß — absolut zufällig.
     
  • Erst wo sich, aus welchen Gründen auch immer, mehr makroskopische Strukturen und Objekte bilden, verhalten die sich (nur aus makroskopischer Sicht heraus) zunehmend deterministisch.

 
Erst aus gröberer Sicht heraus also ergibt sich — gut korrespondierend mit der Größe Form schaffender Strukturen — zunehmend deterministischeres Verhalten. Auf Quantenebene aber, d.h. was Abänderung sämtlicher Objekte durch Geschehnisse kleinstmöglicher Wirkung betrifft, entwickeln auch große Objekte sich nicht-deterministisch: getrieben durch Quantenfluktuation verändert sich auf extrem kleiner Skala ständig was an ihnen.
 
Quantenfluktuation nagt an der Form aller Objekte ebenso, wie Wind und Wetter am Zustand nie renovierter Gebäude nagen und sie so schließlich zerfallen lassen.
 
 
Die Evolution (und Bewusstsein) — so scheint es — wirken zielgerichtet.
 
Quantenflunktuation aber will einfach nur Veränderung herbeiführen.


 

 Beitrag 0-428
Zur Physik der Welt aller Gedanken

 
 

 
Zur Physik der Welt aller Gedanken

 
 
Ideen entstehen als Gedanken. Dennoch kann jede Idee (z.B. in schriftlicher Form) länger existieren als sie gedacht wird. Idee und Gedanke können daher nicht ein und dasselbe sein.
 
Dass Ideen deutlich länger als ihre Urheber existieren können, ist auch offensichtlich: Sie überleben durch Überlieferung, und ein und dieselbe Idee kann mehrfach in unterschiedlicher Form gedacht werden. Sie zu denken erfordert ein denkendes Gehirn, aber aufbewahrt werden (= existieren) kann sie auch in Formen, die kein Gehirn mit involvieren: man denke an schriftliche oder elektronisch abgespeicherte Formen der Darstellung einer Idee.
 
Es macht also Sinn, zu definieren:

    Unter einem Gedanken sei
     
    jede von einem Gehirn direkt erzeugte physikalische Manifestation einer Idee verstanden:
     
    Es ist das stets ein die Idee darstellendes Wellenpaket im Feld der physikalischen Grundkräfte.

 
Wie lange aber existiert — aus naturwissenschaftlicher Sicht heraus — ein Gedanke in diesem Sinne? Stirbt er wirklich schon mit dem Gehirn, das ihn generiert hat? Und wenn nicht: Als was genau existiert die Welt der Gedanken, worunter wir die Summe aller je entstandenen, noch existierenden Gedanken verstehen wollen?
 
 
Die Antwort hierauf ist recht einfach:
 
So wie wir den Begriff » Gedanke « definiert haben, entsteht die Welt der Gedanken als materielles Produkt von Gehirntätigkeit, d.h. — wie Quantenphysik uns lehrt — als Summe harmonischer Wellen im Feld der physikalischen Grundkräfte.
 
Die in diesem Zusammenhand wohl weitaus wichtigste dieser Kräfte ist die elektromagnetische Kraft, und so nehmen wir zunächst mal stark vereinfachend an, dass jeder Gedanke eine elektromagnetische Welle sei, d.h. ein Paket harmonischer elektromagnetischer Wellen. Da sie einzeln aufhören zu existieren, und da sie sich — um Hindernisse herum gebeugt — mit Lichtgeschwindigkeit als Kugelwelle ausbreiten, ist offensichtlich, dass
     
  • jeder Gedanke deutlich länger und auch außerhalb des ihn erzeugenden Gehirn existieren kann
     
  • sich über die Zeit hinweg aber ständig abschwächen wird (er wird immer dann schwächer werden, wenn eine der ihn mit darstellenden harmonischen Wellen aufhört zu existieren).

Mit anderen Worten: Jeder Gedanke — jede Idee also, der ein Gehirn physikalische Existenz verschafft hat — ist ein Signal, das sich — um Hindernisse herum gebeugt und über die Zeit hinweg schwächer werdend — im Weltall ausbreitet ganz so wie sich in einem ruhenden Gewässer eine Welle ausbreitet, die entsteht, wenn ein Stein oder ein Regentropfen hineinfällt.
 
 
Wer nun denkt, es könne gut sein, dass alle durch unser Gehirn erzeugten Gedanken — als elektromagnetische Wellen — noch im Inneren unseres Schädels aufhören zu existieren der irrt, wie folgende Beobachtung zeigt:

     
    Wolf Singer, Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnpsychologie, hat schon Mitte der 1980-er Jahre zusammen mit dem amerikanischen Naturforscher Charles Gray entdeckt, dass ganze Bündel von Nervenzellen synchron im 40- bis 80-Hertz-Bereich Signale senden und dadurch ein orchesterartiges Zusammenspiel von Gehirnwellen ermöglichen.
     
    Allein schon ihrer Wellenlänge wegen, können solche Gehirnwellen nicht auf das Innere unseres Schädels beschränkt sein: Sie strahlen weit über ihn hinaus.
     
    Beim Versuch, diese "Orchestermusik" mathematisch zu analysieren, stößt man auf Probleme der mathematischen Chaostheorie, insbesondere auf sog. "chaotische Attraktoren" (es sind dies Zielgebiete von Handlungsabläufen, bei denen ein ganz beliebig kleiner äußerer Einfluss entscheiden kann, welches Ziel angenommen wird: Man spricht vom sog. "Schmetterlingseffekt", da man den ersten chaotischen Attraktor in der Wetterkunde gefunden hat, in einer Wettersituation, in der schon der Flügelschlag eines Schmetterlings darüber entscheiden kann, ob ein Orkan entsteht oder ausbleibt).
     
    Bei der Komplexität eines menschlichen Gehirns ist mit Millionen solch chaotischer Attraktoren zu rechnen, so dass man sich sehr gut vorstellen kann, dass Quantenprozessen eine Schlüsselfunktion zukommt, was Ergebnisse unseres Denkens betrifft. Woher Willensimpulse kommen, wird so zu einer Frage, die ohne Berücksichtungung quantenphysikalischer Gesetze ganz sicher nicht zuverlässig entschieden werden kann. Insbesondere ist demnach hirnbiologisch nicht mehr auszuschließen, dass sie mit auch durch aus fremden Gehirnen kommende Gedanken getriggert sein können.
     
    Der Bewusstseinsforscher Christof Koch gab Günter Ewald explizit recht, als er ihm diese Argumentation vortrug. Er schrieb ihm (Zitat, 2007): "Man kann damit rechnen, dass die anlaufende Erforschung nichtlinearer Hirnvorgänge, insbesondere eine Weiterentwicklung der 1987 entdeckten 40-Hertz-Schwingungen im Gehirn, über chaostheoretische Probleme oder auch direkt in quantenphysikalischen Überlegungen, insbesondere Quantenkohärenz und Nicht-Lokalität, hineinführen werden."
     
    Quelle: Günter Ewald: Auf den Spuren der Nahtoderfahrungen (2012), S. 126-128


 

 Beitrag 0-495
Wenig bekannte Ansätze für eine sog. Weltformel

 
 

 
Auf der Suche nach einer sog. » Weltformel «

 
 
Unter einer » Weltformel « versteht man ein physikalisches Modell, welches in der Lage ist, den gesamten Inhalt des Universums zu beschreiben unter Berücksichtigung sämtlicher Grundkräfte der Physik (und somit im Prinzip wenigstens auf jeder nur denkbaren Skala ohne jeden Verlust an Genauigkeit.
 
Mit anderen Worten: Man versteht darunter ein Modell, welches die Quantenphysik mit Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie zusammenzuführen gestattet.
     
  • Bekanntester Kandidat für so ein Modell ist Stringtheorie (deren Befürworter sich derzeit aber in einer Sackgasse sehen).
     
  • Ernst zu nehmen — aber weit weniger umfassend angelegt — ist die durch Carlo Rovelli und Lee Smolin vorgeschlagene Schleifenquanten-Gravitations-Theorie, auch » Loop Quantum Gravity « genannt.
     
  • Derzeit noch ignoriert scheint Felix Finsters Theorie der » kausalen Fermionensysteme « obgleich er doch behauptet, eine wirklich umfassende Lösung zu haben, die zudem noch mathematisch nicht besonders schwierig erscheint, da sie nur auf der Theorie der Hilberträume basiert.
     
  • Ein ganz besonders naheliegender Ansatz — der aber bisher auch nur ein Schattendasein führt — ist der von Xiao-Gang und seinen Schülern, welcher ausgeht von folgender Idee:
     
    Wie in der Quantenfeldtheorie wird alles, was Energie darstellt — Materie wie Strahlung — als Anregung des Feldes der physikalischen Grundkräfte betrachtet. Über Fourier-Entwicklung stellt sie sich dar als Summe abzählbar vieler harmonischer Wellen, deren jede genau ein QuBit darstellt. Damit ist der gesamte Inhalt des Universums als aus QuBits bestehend erkannt: Sie sind die "Körnchen", aus denen sich alles zusammensetzt.
     
    Ich weiß bisher nur von zwei Professoren der Physik, welche — von anderen Physikern scheinbar völlig ignoriert — unabhängig von einander diesen Ansatz verfolgen: Thomas Görnitz einerseits und Xiao-Gang andererseits.
     
     
     
    Die Teilchen des Standardmodells sind hiernach kollektive Bewegungen dieser QuBits,
     
    also noch lange nicht die wirklich unteilbaren Bausteine aller Materie.

     
     
    Nach einer Abschätzung von Thomas Görnitz besteht jedes Elektron aus grob 1030, jedes Proton sogar aus etwa 1040 QuBits.

     
     
     
    Xiao-Gang fand in seinem Ansatz — ganz so wie die Stringtheoretiker in ihrem — auch ein Quasiteilchen, welches alle Eigenschaften des Gravitons hat. De-facto also ist auch er auf der Jagd nach einer umfassenden "Theorie von Allem", obgleich er selbst — so denkt Sabine Hossenfelder auf Seite 251 ihres in 2018 erschienen Buches Das hässliche Universum — eigentlich nur die Mathematik des Standardmodells "von ihrem Schmutz befreien" möchte.
     
     
    Man erinnere sich: Die Stringtheorie erschien von Anfang an vor allem deswegen so interessant, da sie auch das Graviton kennt. Warum also wird Xiao-Gangs Modell, welches denselben Vorzug hat, bisher so gar nicht zur Kenntnis genommen?
     
    Wie Xiao-Gang betont,
       
    • braucht er im seiner Welt der QuBits keine Symmetrie, um bei niedriger Energie die Eichsymmetrien des Standardmodells zu bekommen: Sie ergeben sich dann von selbst durch Emergenz.
       
    • Zudem hätten er und seine Mitarbeiter Hinweise darauf, dass sein Modell auch die Allgemeine Relativit#ätstheorie enthalte, wobei er aber zugibt, dass sie in dieser Hinsicht noch keine endgültigen Schlüsse gezogen haben.
       
    • Um die Spezielle Relativitätstheorie zu bekommen, bedarf es einer Feinabstimmung der Parameter des Modells. Warum das so sein muss, weiß er derzeit nicht.

     
     
    Note: Physiker nennen eine Zahl, die eine Erklärung zu fordern scheint, eine » Feinabstimmung «. Als » natürlich « gilt jede Theorie, die ohne solche Zahlen auskommt.

     

  Beitrag 1924-1
Wie aus Platonischen Ideen (sämtliche) anfassbare Materie wird

 
 

Erst Platonische Ideen machen Energie zu anfassbarer Materie


In Anhang 14 seines Buches "Versteckte Wirklichkeit" erklärt Lothar Schäfer, wie es zum Pauli-Prinzip kommt:

Es ist Folge der Tatsache, dass Elementarteilchen gleichen Typs ununterscheidbar sind und ihre Wellenfunktion deswegen gewisse Symmetrie-Eigenschaften hat. [Es gibt für dieses Identitätsprinzip keinen Beweis, doch wird es als Axiom allgemein anerkannt.

Wie Schäfer durch recht einfache Argumente zeigt, folgt aus dem Identitätsprinzip, dass die Wellenfunktion eines Systems von N gleichen Teilchen beim Vertauschen von zwei Teilchenzuständen höchstens ihr Vorzeichen ändert, ansonsten aber gleich bleibt.

Je nachdem, ob Vertauschen zweier Teilchenzustände das Vorzeichen ändert oder nicht, nennt man die Wellenfunktion antisymmetrisch bzw. symmetrisch.
In der Natur beobachtet werden beide Fälle: Teilchen, deren Spin durch ganzzahlige Quantenzahlen bestimmt ist, haben symmetrische Wellenfunktion, alle anderen haben antisymmetrische.

Da nun aber jedes Quantum durch nur 4 Zahlen (n = Energie, l = Bahnelement, m = Richtung des Bahnelements, s = Richtung des Spinmoments) eindeutig charakterisiert ist, erkennt man: Jeder über so ein Quadrupel gegebene Zustand eines Elektrons kann durch ein Elektron besetzt sein oder nicht, kann aber nie mit mehr als nur einem besetzt sein.
    Beweis: Wenn nämlich zwei Elektronen denselben Zustand hätten, würde Zustandsvertauschung die Wellenfunktion nicht ändern im Gegensatz zur Tatsache, dass Elektronen (als Fermionen) antisymmetrische Wellenfunktion haben.

Aus verschiedenen Gründen, die Blochinzew in "Grundlagen der Quantenmechanik" (1963) erörtert hat, gilt diese Formulierung des Pauliprinzips nur näherungsweise: Der Begriff "Zustand eines einzelnen Elektrons in einem N-Elektronen-System" ist nämlich nur unscharf definiert, da ein Heraustrennen des Zustandes eines Elektrons ohne Änderung des Gesamtsystems unmöglich ist. Genauer formuliert sagt das Pauliprinzip: "Die Wahrscheinlichkeit, in einem System von Spin-1/2-Teilchen zwei zu finden, für die die Messergebnisse aller den Teilchenzustand charakterisierenden charakteristischen Größen gleich sind, ist null."

Für die Elektronen eines Atoms folgt daraus, dass sie nicht alle den energiemäßig vorteilhaftesten Zustand besetzen können, denn dieser Grundzustand (n,l,m) = (1,0,0) ist voll besetzt, sobald ihn zwei Elektronen mit unterschiedlichem Spinmoment eingenommen haben. Wenn ein Atom also mehr als nur 2 Elektronen hat, so müssen diese — wie auf einer Stufenleiter — energetisch immer höhere Zustände besetzen: (2,0,0), (2,1,0), (2,1,1), (3,0,0), usw.

Daraus resultiert eine elektronische Struktur, welche Grundlage des Periodensystems der Elemente ebenso wie aller chemischen Gesetze ist.

Wichtig ist nun (siehe H. Margenau in "The Miracle of Existence", 1963):

Die Vermeidung besetzter Zustände ist NICHT eine Folge elektrostatischer Abstoßung — wie man meinen könnte —
oder irgendeiner anderen mechanischen Eigenschaft,

sondern beruht lediglich auf der Antisymmetrie der Wellenfunktionen der Elektronen (!).


Wenn nun zwei Moleküle oder Gegenstände weit voneinander entfernt sind, kann man für alle praktischen Anwendungen davon ausgehen, dass ihre Wellenfunktionen ψA und ψB unabhängig voneinander sind.

Erst wenn diese Objekte einander sehr nahe kommen (ihr Abstand etwa die Größenordnung 10-10 m erreicht), kommt es zu nicht mehr vernachlässigbarer Interferenz beider Wahrscheinlichkeitswellen, so dass man dann nicht mehr von zwei getrennten Zuständen sprechen kann. Die durch diese neue Wellenfunktion definierten Zustände des Gesamtsystems können stabilisierende oder destabilisierende Wirkung haben. Auf jeden Fall entdecken die im System vorhandenen Elektronen sofort, wo sie sich auf Zustände höherer Energie zurückziehen müssen, weil vorteilhaftere schon besetzt sind.

Nach diesem Prinzip enstehen auch die abstoßenden Kräfte zwischen zwei Molekülen oder anderen Gegenständen, die sich hinreichend nahe kommen. Der einzig und allein aus der Symmetrie-Eigenschaften der Wellenfunktion kommende Zwang, besetzte Zustände zu meiden, ruft dann physische Kräfte hervor: Platonische Ideen — die Symmetriegesetze — erzeugen dann also fühlbare Kraft, und so entsteht aus etwas, das nur gedanklich existiert, in der Tat anfassbare Materie — z.B. der Stein, von dem in Beitrag 949-59 die Rede war.


Deswegen sage ich mir:

Die durch uns bisher übersehene, in der Raumzeit fehlende zusätzliche Dimension unserer Welt ist gar nicht wirklich transzendent — es ist eine rein geistige Dimension, die aus sämtlichen mathematischen Gesetzen besteht, deren einige man als Eigenschaften mathematischer Objekte gut kennt (z.B. die Symmetrie-Eigenschaften der Wellenfunktionen).

Neu ist das alles nicht, denn schon 1995 schrieb Hans-Peter Dürr, vormals Leiter des Max-Planck-Institutes für Physik und Astrophysik in München:

... An manchen Stellen verdickt sich der Geist, gerinnt, und wird zu dem, was wir die Materie nennen.
Materie ist geronnener Geist, ...


Nüchterner und genauer ausgedrückt:

Der physische Teil unserer Welt wird geschaffen, geformt, und regiert durch nur gedanklich Existierendes.


Gebhard Greiter (grtgrt)
einer Darstellung von Lothar Schäfer folgend

 

  Beitrag 1995-1
Inwiefern anfassbare Gegenstände nur Illusion sind

 
 

Wie es zur Illusion anfassbarer Gegenstände kommt


Jeder Gegenstand G, den man anfassen und fühlen kann, ist eine Konfiguration von Elementarteilchen.

Jedes dieser Teilchen existiert zunächst nur virtuell, d.h. noch nicht mal an einem genau definierten Ort: Es existiert nur als ein Energiepaket T, für das die Wellenfunktion ψ unseres Universums U zu jedem Punkt P der Raumzeit eine Wahrscheinlichkeit w( P,T ) dafür nennt, dass T in Punkt P als Teilchen beobachtbar wird. Wo solche Beobachtung dann tatsächlich stattfindet, bedeutet das, dass T mit wenigstens einem anderen Teilchen in dem Sinne kollidiert, dass beide miteinander verschmelzen und aus dieser Verschmelzung sehr oft neue Elementarteilchen entstehen.

Das Entstehen zweier Teilchen T aus dem Nichts ebenso wie die eben beschriebene Kollision von Elementarteilchen nennt man ein Elementarereignis E. Versteht man unter input( E) bzw. output( E) die Menge aller durch E vernichteten bzw. neu erzeugten Elementarteilchen, so kann maximal eine dieser beiden Mengen leer sein. Auf jeden Fall aber haben beide identischen Gesamtimpuls.

Der spontane, plötzliche Übergang von input( E) zu output( E) entspricht einer winzigen Äbänderung von G, die sich bemerkbar macht
  • einerseits durch aus G kommende Strahlung – Licht etwa –
  • und andererseits über eine leichte Abänderung der Kräfte, die zwischen den G darstellenden Elementarteilchen wirken in dem Sinne, dass Teilchen, die Ruhemasse haben, sich nicht beliebig nahe kommen können, dass es ihnen aber umgekehrt auch ziemlich schwer fällt, sich allzu weit voneinander zu entfernen.

Mit anderen Worten:

Ständig in G eindringende Strahlung (wenigstens die allgegenwärtige kosmische Hintergrundstrahlung) ist für die meisten in G stattfindenden Elementarereignisse E verantwortlich. Da für sehr viele der in G stattfindendes Elementarereignisse E die Menge output( E) Teilchen enthält, die aus G als Strahlung entweichen — sehr oft als sichtbares Licht —, wird G über sie durch unsere Sinne — entweder direkt oder über geeignet konstruierte Detektoren — beobachtbar.

Mehr noch: Die zwischen den G darstellenden Materieteilchen wirkenden Kräfte führen zu einem Kräftegleichgewicht, welches — da es ja durch jedes Elementarereignis nur ein klein wenig abgeändert wird — zur Folge hat, dass G seine Form i.A. nur langsam ändert (und dass Widerstand spürt, wer den Gegenstand G berührt oder gar versucht in wegzuschieben oder zusammenzudrücken).

Diese Sinneswahrnehmungen also sind es, die — aufsummiert durch unser Gehirn — zu dem führen, was wir als einen uns sichtbaren oder durch uns berührbaren Gegenstand begreifen.


Gebhard Greiter (grtgrt)
 

  Beitrag 1995-9
Leben wir als Teil einer nur errechneten (simulierten) Welt?

 
 
Zara.t. aus 1995-7:
Heute weiß man, dass die Leere des Vakuums alles andere als leer ist. Jeder Punkt der Raumzeit ist eine Überlagerung von möglichen Teilchen. Besser: von virtuellen Teilchen, die nicht direkt gemessen werden können und von Möglichkeiten "reale" Teilchen zu messen.

Hi Zara,

genau so hat es mein Beitrag 1995-1 ja auch beschrieben.


Zara.t. aus 1995-7:
 
Rutherford hat noch vollkommen klassisch gedacht. Dieses Atommodell konnte nicht funktionieren. Elektronen, die wie Planeten die Sonne, den Kern umkreisen müßten in den Kern stürzen. Auch aus diesem Problem heraus entwickelte sich die Quantenmechanik.


Natürlich: Rutherfords Atommodell war noch nicht so genau, wie wir es heute wissen. Dennoch erscheint mir sein Vergleich recht erhellend.

Deine Aussage aber, dass sich "aus diesem Problem" die Quantenmechanik entwickelt hätte, stimmt so nicht. Ursache ihres Entstehens war die Entdeckung des Wirkungsquantums durch Max Planck (1899, im Dez 1900 der Fachwelt verkündet).

Nebenbei: Anton Zeilinger vermutet, dass die Quantelung aller physikalischen Größen und Prozesse darauf zurückzuführen sein könnte, dass unsere ganze Welt letztlich nur aus Information besteht und die sich eben nur durch Bitfolgen kodieren lässt.

Hätte er recht (und in dem Fall wäre sogar Energie nur Illusion), wäre es gar nicht mehr so abwegig, auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass unser ganzes Universum — und damit sogar wir selbst — vielleicht nur Teil einer gigantisch angelegten Computer­simulation sein könnten (so wie Brian Greene das, als nicht wirklich ausschließbare Möglichkeit, allen E...es in Kap. 10 seines Buches "The Hidden Reality" ja auch schon diskutiert und auf Plausibilität hin zu durchdenken versucht).


Gruß, grtgrt


PS: Anton Zeilinger und Andreas Mücklich gehen noch weiter, indem sie vermuten, dass die Natur jedem physikalischen Objekt nur endlich viele Bits zugesteht, sich selbst zu beschreiben. Dies würde begründen, warum Heisenbergs Unschärfe-Relation gilt: Je genauer eine Eigenschaft des Objekts beschrieben ist, desto mehr jener Bits sind hierfür verbraucht, und desto weniger stehen zur Verfügung, dazu komplementäre Eigenschaften des Objekts wirklich genau zu beschreiben. Wenn das Objekt dann, wie durch Zeilinger vermutet, nur aus seiner Beschreibung besteht, ist klar, dass die Unschärfe in Wirklichkeit  U n b e s t i m m t h e i t  ist: Wirklich scharf also kann kein Objekt existieren.

Wäre unsere Welt nur eine simulierte (d.h. errechnete), müsste man jene begrenzt langen Bitfolgen als die Variablen sehen, die im simulierenden Programm das physikalische Objekt darzustellen haben. Dies würde erklären, warum sie begrenzt sind.


Nach Zeilinger lässt sich das keineswegs nur für Elementarteilchen so sehen, sondern auch für beliebig komplexe Objekte — beispielsweise für ganze Messapparaturen.
Er zeigt das am Beispiel solcher, die einen Mach-Zehnder-Interferometer nutzen, mit dem man für Photonen zwei Arten von Information sammeln kann — niemals aber Information beider Art zugleich: Diese Arten von Information sind zueinander komplementär im Sinne der Unbestimmtheitsrelation (wie Zeilinger auf Seite 202 seines Buches Einsteins Schleier recht überzeugend darlegt).

 

  Beitrag 1995-16
-

 
 
Zara.t. aus 1995-14:
Grtgrt aus 1995-1:
Jeder Gegenstand G, den man anfassen und fühlen kann, ist eine Konfiguration von Elementarteilchen.

Dieses Postulat müßte untersucht werden. Es ist auch als Lego-Weltbild bekannt. Und eigentlich als unhaltbar erkannt. Aber noch läßt sich darüber streiten.
Mein Postulat:

Ein Gegenstand kann nicht aus Quantenobjekten bestehen. Ein Gegenstand ist keine Ansammlung von Elementarteilchen.

Hi Zara,

du hast insofern recht, als dass ein Gegenstand, der aus Lego-Bausteinen zusammengesetzt ist, keinen dieser Steine verändert (bzw. seiner Gestalt nach irgendwie aufweicht).

Bei einer Quantenkonfiguration ist das anders: Hier ergibt sich tatsächlich eine Aufweichung, die dazu führt, dass jedes Teilsystem einer solchen Konfiguration einen Teil seiner Selbständigkeit und rollenspezifischen Identität aufgibt. Gutes Beispiel sind Moleküle, die aus mehr als nur einem Atom bestehen: Es gibt darin stets mindestens ein Elektron — und damit auch mindestens ein Orbital — welches sich NICHT mehr nur einem einzigen der jener Atome zuordnen lässt.

Mathematisch ausgedrückt: Die Wellenfunktion einer Quantenkonfiguration ist eben NICHT einfach die Summe der Wellenfunktionen, die sich ergäben, wenn man jedes Quant einzeln betrachtet als isoliertes System sehen würde.

Beste Grüße,
grtgrt
 

  Beitrag 1995-48
Klassische Existenz physikalischer Objekte ist eine Illusion

 
 
Stueps aus 1995-43:
 
Es ist meines Wissens nach unter Wissenschaftlern nicht die Frage, dass physikalische Systeme in klassischer Form existieren, sondern wann sie klassisch werden.

Hi Stueps,

physikalische Objekte existieren nicht in klassischer Form — sie  z e i g e n  sich nur in dieser Form (dann nämlich, wenn ein Elementarereignis passiert und zur Folge hat, dass aus dem Objekt Quanten in seine Umgebung entkommen. Sie sind es, was wir sehen bzw. registrieren, und so den Eindruck gewinnen, das Objekt selbst sei sichtbar und würde klassisch existieren).

Die Tatsache, dass pro Sekunde wahnsinnig viele solche Ereignisse passieren, suggeriert uns den Eindruck eines stehenden "Bildes" (eben ganz so, wie wir ja z.B. auch das durch eine gute Fernsehkamera erzeugte Bild eines sich gerade NICHT bewegenden Gegenstandes als stehend empfinden, obgleich doch in Wirklichkeit all die Pixel, aus denen es sich zusammensetzt, pro Sekunde öfters neu geschrieben werden als unsere Augen noch unterscheiden können).

Gruß, grtgrt
 

  Beitrag 2016-136
Welle oder Teilchen?

 
 
Henry aus 2016-132:
 
Es gibt keine Welle, die sich ausbreitet. Das Teilchen ist ein Teilchen, aber es zeigt bei entsprechenden Experimenten Auswirkungen, die eigentlich nur von Wellen kommen können, eben z. B. Interferenzen. Google einfach mal "Doppelspaltexperiment".


Diese Aussage scheint falsch. Richtig ist eher das Gegenteil, denn:

Feynman hat mal geschrieben (leider erinnere ich mich nicht mehr wo): Jedes Photon, das aus einer punktförmigen Lichtquelle kommt, ist eine Kugelwelle, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Erst wenn sie auf einem Detektor trifft, der sie registriert, suggeriert sie dem Beobachter, sie sei ein Teilchen.

Er schrieb weiter: Wenn im Raum um die Lichtquelle herum mehrere Detektoren aufgestellt werden, kann nicht vorausgesagt werden, mit welchem sie interagieren wird, d.h. an welcher Stelle das Photon sich als Teilchen zeigen wird.

Ein gewisser Heinz Heinzmann arbeitet gerade an einem Buch, in dem er der Welt klar zu machen versucht, dass die wahre Natur aller Quanten von der Art "stehende Welle" ist, und dass, was wir als "Teilchen" interpretieren, nur eine Stelle ist, an der sich so ein Wellenzustand umkonfiguriert. (Siehe etwa Seite 46 und 47 seines Papiers).

Heinzmanns Text finde ich nicht besonders klar, er hat mich aber sofort an Feynmans Aussage erinnert.

 

  Beitrag 2032-53
Teilchen erst durch Interaktion

 
 
Hans-m aus 2032-51:
Bauhof aus 2032-50:
 
Licht wird nicht als gleichförmiger Teilchenstrahl beschrieben, sondern als Schwingungsvorgang.

Licht kann sowohl als Welle als auch als Teilchen auftreten. es bewegt sich in beiden Erscheinungsformen gleichförmig mit 300 000 km/s
Das kann man messen.


Hallo Hans-m,

Licht bewegt sich keineswegs als Teilchen: Licht breitet sich stets nur als Welle aus.

Erst wo diese Welle mit anderen Wellen interagiert (und etwas entsteht, das eine Messapparatur aufzufangen in der Lage ist) stellt sich Licht auch als Teilchen dar.

Das einzusehen ist von fundamentaler Bedeutung, u.A. auch deswegen, weil so klar wird, dass sich Elementarteilchen (als Teilchen) nur mit gewisser Wahrscheinlichkeit an gewisser Stelle beobachten lassen.

Gruß, grtgrt

siehe auch Beitrag 2016-136.

 

  Beitrag 2039-1
Prä-Materie und Emergenz — Hans-Peter Dürrs Erkenntnisse (und sein Weltbild)

 
 
Wie es zur Illusion anfassbarer Objekte kommt, und wo der Anfang von Leben zu finden sein könnte, wurde hier im Forum schon mehrfach gefragt und zu beantworten versucht.

Eben aber finde ich in Hans-Peter Dürrs Buch "Geist, Kosmos und Physik" einige ganz besonders interessante Feststellungen dazu. Sie sind Kern seines modernen, holistischen Weltbildes, welches sich auf die Erkenntnisse der Quantenphysik gründet:


Zitat von Dürr (S. 36-37, etwas gekürzt):
 
Die neue Weltsicht ist im Grunde holistisch, nicht atomistisch: Es existiert eigentlich nur das Eine, das Ungetrennte, das Untrennbare. ...

Das untrennbare Eine ist Prozesshaftes, Potentialität, aber nicht nur Möglichkeit, sondern auch das Vermögen zur Schaffung von Realität und von greifbar Seiendem [bestehend aus anfassbaren Objekten].

Die zeitliche Evolution besteht in einem fortschreitenden Prozess der Differenzierung dieses Untrennbaren durch Errichtung von Grenzzäunen (physikalisch: auslöschende Überlagerung von Potentialwellen).

Man ist an Zellteilung erinnert, wo sich eine Zelle ja auch vermehrt durch Neubildung von Zellwänden.

Dies imitiert die Entstehung unabhängiger Subsysteme, die als Teile des Gesamtsystems fungieren und aus denen dieses Gesamtsystem "zusammengesetzt" erscheint. Dies ist aber nie der Fall, weil der Zusammenhang viel tiefer geht, so wie etwa die sichtbar getrennten weißen Schaumkronen auf stürmischer See ja auch nicht die Betrachtung rechtfertigen, das Meer sei aus Wellen und Schaumkronen zusammengesetzt.

Das Sinnstiftende im Zusammenwirken der Als-ob-Teile entsteht immer aus dem Ganzen, das sie einschließt. Dieses Ganze, Eine, ist immer da.

Auch wir, die wir alle hier im Raum leben, sollten uns nicht vorstellen, dass wir wirklich getrennte Teile dieser Wirklichkeit sind, lose zusammengehalten durch einige Licht-, Laut- und andere von der Physik identifizierbaren Signale, die wir uns zur Verständigung wechselseitig zuwerfen. Wir sind alle Teile dieses selben Einen, derselben Potentialität, und spüren das auch: Wie sonst nämlich könnten ein paar hingeworfene Worte und Sätze mit ihrem dürftigen, abzählbaren Informationsgehalt sich in unserem jeweiligen Bewusstsein so reich entfalten.
 


Hier wird ganz klar deutlich, dass alles materiell Existierende seiner wahren Natur nach nur Wellenpaket ist.

Und so schreibt Dürr denn auch:


Zitat von Dürr, S. 44:
Ich habe als Physiker 50 Jahre lang — mein ganzes Forscherleben — damit verbracht zu fragen, was eigentlich hinter der Materie steckt. Des Endergebnis ist ganz einfach:

Es gibt keine Materie!


Diese so provokativ klingende Aussage Dürrs soll aufrütteln und uns klar machen:

Was unsere Interpretation der Wirklichkeit als Materie kennt, kennt sie auch als Wellenpaket im Feld der 4 physikalischen Grundkräfte.



Interessant ist ferner wie sich Dürr vorstellt,
  • dass es zu Leben kam,
  • dass materielle Objekte, Lebewesen und Anderes, nur endlich langes Leben haben und
  • wie sich Emergenz erklärt (er benutzt dieses Wort nicht, erklärt ihr Zustandekommen aber wenigstens ansatzweise):


Zitat von Dürr, S. 39-42, einiger Kürzungen wegen nicht ganz wörtlich:
 
Unsere Mesowelt ist eine statistisch ausgemittelte Mikrowelt (vergleichbar einem Ameisenhaufen, der von Ferne wie ein statischer Hügel aussieht, der beim genauen Hinsehen aber ungeheuere Beweglichkeit zeigt: Dass sich dies Gewimmel nicht auch im Großen ausprägt, liegt daran, dass für jede Ameise, die in einer Richtung läuft, es immer auch eine andere gibt, die das Umgekehrte macht, weshalb dann im Durchschnitt keine Bewegung des Ganzen sichtbar ist).

Dass diese Ausmittelung so vollständig gelingt, liegt wesentlich am 2. Hauptsatz der Thermodynamik, welcher besagt, dass in einem sich selbst überlassenen System jede Besonderheit, jedes Ausgezeichnetsein, im Laufe der Zeit zerstört wird (man denke an einen Schreibtisch, der, wenn wir nicht aufräumen, immer unordentlicher wird).

Deshalb verstehen wir nicht, wie es in der Natur mit ihrem starken Hang zur Unordnung überhaupt dazu kommt, dass sich bei der Evolution hochdifferenzierter Systeme (wie uns Menschen etwa) Unordnung über lange Zeit hinweg hinweg nicht durchsetzen kann.

Was also ist da passiert? Hat die Natur für ihren lebendigen Teil nicht vielleicht doch bei einer höheren Instanz eine Ausnahmeregelung den Zweiten Hauptsatz betreffend erwirkt?

Nach heutiger Einsicht scheint es keine solche Ausnahmeregelung zu geben. Die unbelebte wie die belebte Natur basieren auf derselben Art von Prä-Materie, die im Grunde eigentlich keine Materie ist. Sie kann sich auf verschiedene Weise organisieren:
  • Einmal ungeordnet und unkorreliert. Dann wird das resultierende Gesamtsystem stumpf, langweilig, apathisch (und wir nennen es unbelebte Materie).
  • Prä-Materie kann sich aber auch auf differenziertere, raffiniertere Weise formieren. Es entstehen dann Stukturen, in denen das im Grunde embryonal Lebendige selbst noch in der Mesowelt zum Ausdruck kommt und so lebendiger Organismus wird. Die eingeprägte Potentialität wird makroskopisch sichtbar. Das Gesamtsystem muss dazu weit weg von seinem Gleichgewichtszustand sein, um ein Ausmitteln seiner inneren Lebendigkeit zu vermeiden.
    Stellen Sie sich ein physikalisches Pendel vor (als herabhängenden, beweglichen Stab mit einem Gewicht unten). Es pendelt beim Anstoßen vorhersehbar und berechenbar um seine unter stabile Gleichgewichtslage. Dreht man aber Stab und Gewicht weit weg von unteren, stabilen Gleichgewicht nach ganz oben, so gibt es dort eine weitere Gleichgewichtslage. Sie ist instabil, und so wissen wir nicht, ob das Pendel auf die eine oder die andere Seite fallen wird. In diesem Instabilitätspunkt wird die inhärente Lebendigkeit des Systems sichtbar, weil es von winzig kleinen Unterschieden abhängt, ob der Pendel zum einen oder zum anderen Bewegungsablauf veranlasst wird. Die Naturwissenschaft kennt viele Systeme mit solch eingeprägten, dynamischen Instabilitäten. Sie führen zu, wie man sagt, "chaotischem" Bewegungsverhalten: Kleine Veränderungen in den Ursachen bewirken extrem große Unterschiede in den Folgen: Der Schlag eines Schmetterlings kann einen Taifun auslösen.

Leben — belebte makroskopische Oranismen — erfordern Strukturen in der Nähe inhärenter Instabilitäten. Aber Instabilitäten kippen. Um sie also lange in der Balance zu halten, müssen sie dauernd nachjustiert werden durch etwas, das sie neu austariert (intelligente Zuführung von Energie).

Diese Situation steht nicht im Widerspruch zum 2. Hauptsatz der Thermodynamik (d.h. zur allgegenwärtigen, dominanten Tendenz zur Unordnung). Denn es ist ja auch unsere ordnende Hand, die unseren Schreibtisch immer wieder in Ordnung bringen kann. Sie darf dabei aber nicht nur werkeln; sie muss darauf achten, was sie tut: Sie muss intelligent sein, den sonst beschleunigt sie nur den Prozess hin zur Unordnung.

Lebendige Systeme brauchen deswegen ... Intelligenz, eine geistige Führung, die prinzipiell im immateriellen Form-Grund verankert ist und sich in der Milliarden Jahre langen Evolution des Biosystems durch ein Plus-Summen-Spiel in komplexen Verästelungen immer höher entwickelt hat.
 

 

  Beitrag 2039-11
Ein Gleichnis

 
 
Den teilweise recht emotionsgeladenen Bemerkungen von Stueps, Henry und E... möchte ich  folgendes Beispiel  entgegensetzen:

Wenn jemand eine Karnevalssitzung oder einen Faschingsball besucht und sich dort als Neptun verkleidet zeigt, bedeutet das noch lange nicht
  • dass der Meeresgott tatsächlich existiert
  • oder dass jene Person auch überall dort, wo sie sich sonst noch lebt und mit anderen interagiert, als Neptun eingestuft sein möchte.

Bei einem Paket von Potentialwellen ist es ebenso:

Es existiert im gesamten Raum, hat aber nur in einer ganz kleinen Teilregion davon (als ortsabhängige Funktion betrachtet) so großen Absolutwert, dass das Plancksche Wirkungsquantum ihm gestattet sich dort — und NUR dort — im "Faschingskostüm Materie" zu zeigen.

Das Schienbein, von dem Stueps spricht, ist also nur dort sichtbar und anfassbar, es zeigt sich nur dort verkleidet als Materie, wo das Wirkungsquantum ihm gestattet, mit seiner Umgebung zu interagieren (zu "wirken"). Solche Wirkung erzeugt Lichtwellen, die uns das Schienbein sichtbar machen, und erzeugt Kraft, die uns glauben macht, wir könnten es fühlen und anfassen.

Das Schienbein als Materie ist also nicht identisch mit dem Schienbein als Wellenpaket.
  • als Wellenpaket existiert jenes Schienbein praktisch im gesamten Universum,
  • als Materie aber ist es nur Anschein: Es will uns suggerieren, Neptun (= Materie) zu sein, Neptun aber existiert nur in des Betrachters Phantasie.
 

  Beitrag 2039-2
Unsere Welt als Wahrnehmung und als Wirklichkeit

 
 

Unsere Welt als Wahrnehmung und als Wirklichkeit



Dürr macht uns klar, dass wir nicht mehr umhin können,

die  w a h r g e n o m m e n e n  Welten von der  w i r k l i c h e n  zu unterscheiden:


Zitat von Dürr:
 
Wenn wir von der Welt sprechen, in sie hineinsehen, dann vergleichen wir unsere Bilder miteinander und sind oft verschiedener Meinung. Wir machen den Fehler zu glauben, dass das, was jeder von uns in dieser Welt sieht, dasselbe sei, das auch der andere sieht. Aber es ist durch unsere spezielle Wahrnehmung gefiltert und deformiert. Denn dort, wo wir sehr empfindlich sind, nehmen wir mehr wahr, und dort, wo wir unempfindlich sind, nehmen wir überhaupt nichts wahr.

Die wahrgenommene Welt ist demnach eine ganz andere als die da draußen (die wirkliche).


Ein Hauptstreit, den wir untereinander führen, kommt daher, dass wir nie in Betracht ziehen, dass wir verschiedene Dinge sehen, weil wir auf verschiedene Weise sensibilisiert sind. Es ist uns gar nicht bewusst, was wir weglassen, uns dazu denken, oder wirklich echt sehen.

Keiner von uns merkt z.B. dass wir in unserem Auge, in unserem Gesichtsfeld, einen schwarzen Fleck haben. Wir sind gewöhnt daran, ihn ohne Nachzudenken mit Erinnerungen oder Schlussfolgerung zu übermalen, mit dem, was da gar nicht hingehört. Wer wirklich einen schwarzen Fleck sieht, gehe besser zum Augenarzt, denn da ist irgendetwas nicht in Ordnung. Wir alle haben diesen schwarzen Fleck, aber niemand spricht davon, weil wir alle unbewusst gelernt haben, den Mangel an Sehfähigkeit — diesen schwarzen Fleck — durch gespeicherte Information zu kompensieren.


Und so kommt es dass, wo fast jeder Materie sieht, die Quantenphysiker nur Potenzialschwankungen sehen und zunehmend nur noch in Gleichnissen sprechen können.
Die wirkliche Welt zu sehen bedeutet, einzusehen, dass Materie nur in der wahrgenommen Welt existiert, in Wirklichkeit aber (als Erscheinung) Ausmittelung sich ständig auf- und abbauender Kräfte ist: sich ständig neu gestaltende strukturierte Form.


Zitat von Dürr:
 
Diese Gestalt hat keinen Ort, an dem sie sich befindet; sie ist sozusagen über die ganze Welt ausgebreitet. Es gibt überhaupt keine Auflösung in Teile. Auch ist in der Physik die Wirklichkeit nicht Realität, sondern Potentialität. Sie ist nur Möglichkeit, die sich energetisch und materiell irgendwo manifestieren kann, sozusagen etwas noch nicht Entschiedenes, Schwebendes. Und diese Potentialität ist räumlich nicht lokalisiert.

Das führt dazu, dass die ganze Welt keine Ränder hat. Es gibt nur das Eine, und wir könnten sagen, das Ganze. Das "Ganze" aber ist auch nicht das richtige Wort. Es wäre dann ja etwas, dem kein Teil fehlt. Aber wenn es gar keine Teile gibt, dann können wir es auch nicht das Ganze nennen.


Dürrs Einsicht:

Unsere Welt — dieses Eine (mit uns darin) — lässt sich ebenso wenig in Einzelteile zerlegen,

wie die wogende See sich in einzelne Wellen und Schaumkronen zerlegen lässt.


Zitat von Dürr:
 
Das hat fantastische Konsequenzen und heißt beispielsweise, dass wir alle, die wir hier im Raum sitzen, zwar unterschiedlich und unterscheidbar, aber nicht getrennt sind. Wir befinden uns sozusagen in dieser Gemeinsamkeit, und das ist eine wesentliche Voraussetzung, dass wir überhaupt miteinander kommunizieren können.


In der Summe, so Dürr, sei festzuhalten:
  • Materie ist im Grunde nicht Materie: Was wirklich existiert, ist nur Form (strukturierte Gestalt).
  • Diese Gestalt ist nicht lokalisiert — sie ist gleichermaßen überall und macht die Welt unteilbar. Wo wir sie beschädigen, beschädigen wir uns selbst (!).
  • Die Zukunft ist offen, aber dennoch nicht völlig beliebig (da vom Vorausgegangenen beinflusst).
  • Unsere Welt (die wirkliche) kennt echte Kreativität, denn aus Nichts kann etwas entstehen.
  • Was entstanden ist, kann auch wieder ins Nichts verschwinden.

 

 Beitrag 0-35
Realität ist eher nur selten Wirklichkeit

 
 

Schon Platons Höhlengleichnis hat versucht, zu erklären:

 
 
Realität ist etwas durch unseren Verstand Konstruiertes (etwas Subjektives).
 
Erst Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene: das tatsächlich Wirkende.

 
 
 
Realität ist keineswegs immer Wirklichkeit
 
Quelle: Christoph Hubig, FG Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur

 
 
 
Beispiele dafür, dass die Realität — als ein durch unser Gehirn gemaltes Bild der Wirklichkeit — hin und wieder ganz schön weit vom Wirklichen entfernt sein kann, finden sich im Video Realität ist oft nur Illusion.
 
 
 
Realität entsteht durch erst  I n t e r p r e t a t i o n  und dann  E x t r a p o l a t i o n  von Information,
 
die unsere Sinne empfangen und dem Gehirn zuleiten.

 
 
Sie ist nicht selten stark subjektiv geprägt, da wir oft nur erkennen, was wir erwarten.

 
Man kann es auch so ausdrücken:

 
Aller Sinn, den wir der Welt unterstellen, entsteht in uns selbst.
 
Die Wirklichkeit ist wie eine weiße Leinwand.
Wir bemalen sie selbst, und das so entstandene Bild ist die Realität, in der wir leben.

 
 
 
Und so hält jeder Mensch die Realität, in der er und andere leben, für am genauesten beschrieben durch
 
die Menge aller Aussagen, welche er selbst als wahr erachtet.

 
 
 
Warnung:
 
Leider benutzen selbst Wissenschaftler ein und dieselben Begriffe nicht immer in ein und derselben Bedeutung. Und so kommt es, dass, was oben » Realität « bzw. » Wirklichkeit « genannt wird, von Helmut Hille als » geistige Wirklichkeit « bzw. » außergeistige Realität « bezeichnet wird.
 
Selbst Philosophen (z.B. hier) verwenden oft das Wort "Wirklichkeit", wo sie über Realität sprechen. Das kann, wie etwa bei Markus Gabriel, recht verwirrend sein.
 
Solch unterschiedlicher Sprachgebrauch hat zur Folge, dass man schon wirklich sehr genau zuhören muss, um zu wissen, was Anton Zeilinger meint, wenn er sagt, Wirklichkeit und Information seien dasselbe, es sei aber Wirklichkeit doch nicht einfach  n u r  Information [siehe die Diskussion im Video "Information und Wirklichkeit" ab Minute 31:00 bis zum Schluss].
 
Insbesondere ist nicht klar, ob Helmut Hille Zeilinger richtig versteht.
 
Zeilinger jedenfalls denkt wie Niels Bohr, der ebenfalls unterschied zwischen
  • dem, was die Natur ist (und wie sie funktioniert)
  • dem, wie sie sich uns zeigt (Information im Sinne Zeilingers) und
  • dem, was unser Gehirn aus dieser Information macht: Unsere Realität.

 
Interessante Ergänzung:
 
Was für eine Person zur Realität wird, lässt sich sogar manipulieren. Dies zeigt ein Ergebnis Schweizer Neurologen aus 2002: Sie konnten bei einer Patientin gezielt sog. Out-of-Body-Erfahrungen hervorgerufen.
 
 
 
Hier noch eine ganz besonders interessante Frage:

 
 
Ist Geist der Wirklichkeit zuzurechnen?

 
Wenn Biologen — oder gelegentlich auch Quantenphysiker — von » Geist « sprechen, meinen sie damit etwas, das es definitiv gibt, das aber doch durch keinerlei Messgerät erfasst werden kann. Hieraus folgt: Auch Geist könnte einfach nur etwas durch unseren Verstand Konstruiertes sein.
 
Mathematische Gesetzmäßigkeiten aber sind eindeutig der  W i r k l i c h k e i t  (und NUR ihr) zuzuordnen: Sie nämlich existierten schon lange bevor es in unserem Universum Menschen oder andere biologische Wesen gab.
 
Alles Existierende scheint letztlich Energie in unterschiedlichster Form zu sein, diese Form allerdings wandelt sich — gesteuert durch mathematische Gesetze — ständig (ebenso wie die Form der Wellen im Ozean sich ständig wandelt).
 
FRAGE also: Besteht Wirklichkeit vielleicht NUR aus Energie und mathematischen Gesetzen?
 
Görnitz argumentiert: Alles Reale ist einfach nur Bedeutung. Die Wirklichkeit ist Geist.
 
 
Quantenphysiker sagen gelegentlich, alles in der Welt sei durch Information durch Form erzwingende Information mathematischer Art — gesteuerte Energie. Die Form aber ist ständig im Fluss.
 
 
Wäre Geist der Wirklichkeit zuzurechnen, könnte auch Energie nur Realität sein.
 
Im umgekehrten Fall aber wäre Geist nur Teil unseres Bildes der Wirklichkeit, der Energie also.
 
Das wiederum kann man nicht so recht glauben, obgleich es doch so scheint, als ob Bewusstsein – von Geist kaum zu unterscheiden – aus Energie emergiert.

 

 
 
 
Auf jeden Fall ist erstaunlich, wie Physiker und Philosophen nun schon 2600 Jahre lang
 
ständig neu zum selben Ergebnis kommen:
 
 
Zitat von N. Bohr:

 
Die Physik kann nicht ergründen, wie die Natur funktioniert.

Aufgabe der Physik ist lediglich, zu untersuchen, wie die Natur sich uns zeigt.

 

Zitat von I. Kant:
 
Es gibt die Dinge der Erscheinungen und die Dinge an sich.

Wir kennen die Dinge nur so, wie sie auf uns wirken.


 

Mehr zu Kants Philosophe ...

 

Lange vor Kant und Bohr vertrat diese Meinung auch schon Parmenides (geboren um 530 v.Chr.). Er schrieb:

Zitat von Parmenides:

 
Die Welt, in der wir zu leben glauben, ist die vermeintliche Welt der Sinneswahrnehmungen;
die Welt ist nur Meinung ...

 


Und genau das bestätigt uns im 20. Jahrhundert die Quantenphysik.



Steven Hawking (1993):

  Es hat keinen Zweck, sich auf die Wirklichkeit zu berufen, da wir kein modellunabhängiges Konzept der Wirklichkeit besitzen.

Nach meiner Meinung ist der unausgesprochene Glaube an eine modellunabhängige Wirklichkeit der tiefere Grund für die Schwierigkeiten, die Wissenschaftsphilosophen mit der Quantenmechanik und dem Unbestimmtheitsprinzip haben.

Quelle: Mein Standpunkt

|
 
Ich nehme den positivistischen Standpunkt ein, daß eine physikalische Theorie nur ein mathematisches Modell darstellt und daß es nicht sinnvoll ist, zu fragen, ob dieses der Realität entspricht. Man kann nur fragen, ob seine Vorhersagen mit den Beobachtungen in Einklang stehen.

 

 Beitrag 0-532
Lebewesen sind — noch unvollkommene — Sinnesorgane der Wirklichkeit

 
 

 
Lebewesen sind Sinnesorgane der Wirklichkeit,

mit denen sie sich selbst beobachtet

wie durch winzige schmutzige Fensterscheiben

 
 
Das einzige, von dem wir wissen können, dass es existiert — da wir ja damit umgehen — ist unsere Vorstellung von Wirklichkeit.
 
Ob diese Vorstellung nun aber uns selbst oder anderes so zeigt, wie wir oder es tatsächlich sind, ist keineswegs garantiert.
 
Jedes Lebewesen (jedes Gehirn) ist sozusagen Sinnesorgan der Wirklichkeit, mit dessen Hilfe sie sich selbst — in jeweils nur kleinen Ausschnitten — wahrnimmt.

    Etwas wahrzunehmen aber bedeutet, von ihm ausgesandte Signale zu empfangen und zu interpretieren.
     
    Wie zutreffend diese Interpretation ist, bleibt offen, wird aber mindestens davon abhängig sein, wie viele der ausgesandten Signale ein Sinnesorgan tatsächlich erreichen und von ihm zur Kenntnis genommen werden können: Meist ist das zur Kenntnis Genommene nur kleiner Prozentsatz aller tatsächlich ausgesandten Signale, so dass jedes Bild B(G), das ein Gehirn G sich von Teilen T der Wirklichkeit macht, immer nur grob zutreffend sein kann.
     
    Das gilt auch, wenn G selbst Teil von T ist (ein Lebewesen sich also selbst beobachtet).
     
    Hinzu kommt noch, dass nicht alle Gehirne gleich gut darin sind, empfangene Signale zutreffend genug zu interpretieren.

 
Fazit also:
 
Wir kennen die Welt nur über gedankliche Modelle, die wir selbst uns von ihr machen.

    Hawking schrieb: Wir haben kein modellunabhängiges Verständnis der Wirklichkeit.
     
    Er hat recht: Für uns existiert alles nur in Form der gedanklichen Modelle, welche Signalinterpretation uns nahe legt. Konkreter als diese gedanklichen Bilder existiert nur der Absender der Signale: eine uns unbekannte Wirklichkeit, von der wir einzig und allein wissen, dass wir selbst Teil davon sind und das einschließlich all unserer — nicht selten widersprüchlichen — Vorstellungen von ihr: Bilder, wie sie entstehen, da wir uns und unsere Umgebung nur an Hand unserer noch recht unvollkommenen Sinne (verschmutzten Spiegeln vergleichbar) betrachten und beobachten können.
     
    Diese Einsicht ist genau das Gegenteil von dem, was Markus Gabriel uns weis zu machen versucht in seinem Buch » Warum es die Welt nicht gibt (2013) «.


 

 Beitrag 0-437
Definition von: Leben, Wirklichkeit und Realität

 
 

 
Definition von

Leben, Wirklichkeit und Realität

 
 
Unter Berücksichtigung von dem, was in den  Notizen  zu
tags: stw2501E: Evolution+Bewusstsein+Quantenflunktuation+Veränderung
href='/zfo/Realismus.htm#msgnr0-35'>[Realismus] und [Information] gesagt wird, erscheint es sinnvoll zu definieren:
     
  • Leben ist, was die Fähigkeit hat, seiner Wirklichkeit Bedeutung zuzuordnen.
     
  • Die Wirklichkeit W(L,Z) eines Lebewesens L zum Zeitpunkt Z ist alles, was sich L spätestens zum Zeitpunkt Z bekannt gemacht haben kann. Es ist dies die Summe aller Signale, die L spätestens zum Zeitpunkt Z erreicht haben können.
     
  • Die Realität R(L,Z), in der ein Lebewesen zum Zeitpunkt Z lebt, ist seine — mehr oder weniger subjektive — Interpretation der Summe aller Signale, die L spätestens zum Zeitpunkt Z tatsächlich erreicht haben.

 
Wie Einsteins Relativitätstheorie uns klar macht, ist
 
— der Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit wegen —
 
W(L,Z) Funktion des Ortes, an dem L sich zum Zeitpunkt Z befindet.


 

 Beitrag 0-451
Metaphysik und Philosophie

 
 

 
Metaphysik als Philosophie

 
 
Metaphysik kann man als den Versuch definieren, eine Theorie des Weltganzen zu entwickeln. Sie soll beschreiben, wie die Welt wirklich ist (im Gegensatz dazu, wie sie uns vorkommt).
 
Auf diese Weise — so schreibt Markus Gabriel — habe die Metaphysik die Welt gewissermaßen erst erfunden: Wir meinen damit alles, was wirklich der Fall ist: die Wirklichkeit.
 
Um herauszufinden, wie die Welt wirklich ist, muss man alles Menschengemachte davon abziehen (es also zunächst mal identifizieren).
 
Die Postmoderne — die Markus Gabriel jetzt durch das Zeitalter des Neuen Realismus zu ersetzen gedenkt — hat den Standpunkt vertreten, dass es die Dinge nur gibt, wie sie uns erscheinen. Dahinter, so argumentiert sie, gäbe es nichts mehr: keine Wirklichkeit.
 
 
Die Postmoderne, so Gabriel, sei eine Variante der Metaphysik und als solche nur eine besonders allgemeine Form des Konstruktivismus.
 
Der Konstruktivismus nämliche basiert auf der Annahme, dass es überhaupt keine Tatsachen an sich gäbe, da wir sie als Tatsachen einfach nur durch unsere vielfältigen Diskurse (auch die wissenschaftlicher Art) konstruieren.
 
Wichtiger Gewährsmann dieser nun schon 2500 Jahre alten Denktradition ist Immanuel Kant. Er behauptet, dass wir die Welt, wie sie wirklich ist, nicht erkennen können: Was auch immer wir erkennen, sei irgendwie auch von Menschen gemacht.
 
 
 
Quelle: Markus Gabriel: Warum es die Welt nicht gibt, Ullstein 2013, S. 10-11


 

 Beitrag 0-429
Zur wahren Natur der Realität, in der wir leben

 
 

 
Zur Natur der Realität, in der wir leben

 
 
Die Realität, in der ein Mensch lebt, ist nichts anderes als die Summe aller Bedeutung, die sein Gehirn Nachrichten zuordnet, die ihm zugestellt werden.
 
Das Interessante dabei ist:
     
  • Nachrichten entstehen als Nachrichten der Wirklichkeit (d.h. als abstrakte Information),
     
  • wurden dann aber — auf dem Weg hin zu unserem Gehirn — oft schon durch viele andere Gehirne vorinterpretiert ( und teilweise auch uminterpretiert ).

Damit ist die Realität, in der ein Mensch lebt, nicht nur durch die Wirklichkeit bestimmt, sondern stets auch mit geprägt durch Gehirne, die nicht sein eigenes sind:
 
Die Realität, in der wir leben, gleicht demnach einem Ameisenhaufen, der ja auch nicht das Werk einer einzelnen Ameise ist, sondern das Werk der Gemeinschaft aller Ameisen, mit denen sie zusammenlebt.
 
Warum wird dann Rupert Sheldrake so stark angefeindet, wenn er die Frage in den Raum stellt, ob es nicht ein kollektives Gedächtnis gibt und unsere Gehirne lediglich die Werkzeuge sind, mit denen es aufgebaut, verwaltet, befragt und über den Tod einzelner Gehirne hinaus existent erhalten wird?

 

 Beitrag 0-448
Realität ist die Sprache, in der wir die Natur befragen

 
 

 
Realität — konstruiert durch unser Denken — ist die Sprache,

in der wir die Natur befragen

 


Ilya Prigogine (1980, 1986):
 
Es muss unterschieden werden zwischen
     
  • den unmittelbaren Eindrücken, die wir von der Außenwelt empfangen, und
     
  • der objektiven, » rationalen « Erkenntnis.

Letztere ist nicht passiv: Sie schafft sich ihre Gegenstände.
 
Wenn wir ein Phänomen zum Gegenstand der Erfahrung machen, nehmen wir a priori vor jeder wirklichen Erfahrung an, dass es einer Reihe von Prinzipien gehorcht (z.B. denen, die wir als Naturgesetze sehen).
 
Insofern das Phänomen als möglicher Erkenntnisgegenstand wahrgenommen wird, ist es Produkt der synthetischen Tätigkeit unseres Geistes.
 
Wir sind vor den Gegenständen unserer Erkenntnis da, und der Wissenschaftler ist selbst Quelle der universellen Gesetze, die er in der Natur entdeckt.
 
 
Die Natur insgesamt wird zu Recht jenen Gesetzen unterworfen, welche Wissenschaftler in ihr entziffern.
 
Die Wissenschaft wird zwar nicht immer dieselbe Antwort, aber doch immer die gleiche Form der Antwort erhalten.
 


 
Quelle: Ilya Prigogine, Isabelle Stengers: Dialog mit der Natur — Neue Wege naturwissenschaftlichen Denkens, Serie Piper, S. 93-96


 

 Beitrag 0-410
Wie weit kennen wir die Wirklichkeit?

 
 

 
Wie weit kennen wir die Wirklichkeit?

 
 
Realität ist meist nur etwas durch unseren Verstand Konstruiertes: etwas Subjektives, von dem wir nur  g l a u b e n , es sei objektiv genau so vorhanden.
 
Erst Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene: das tatsächlich Wirkende.
 
 
Wahrscheinlich sind  mathematische Wahrheiten  der einzige Teil der Wirklichkeit, den wir — wenn auch nur teilweise — kennen.

 

 Beitrag 0-269
Beispiele für die Unwirklichkeit aller Realität

 
 

 
Beispiele für die Unwirklichkeit von Realität

 
 
Der Neurowissenschaftler Karl Pribram argumentierte so:


Pribram (1989):
 
Die wahrnehmbare Glätte feinen Porzellans und das Gefühl des Sandstrands unter unseren nackten Füßen entstehen ebenso wie Phantomschmerz.
 
Dies bedeutet aber nicht, dass es da draußen keine Porzellantassen oder Sandkörner gäbe. Es bedeutet nur, dass eine Porzellantasse unter­schiedliche Wirklichkeitsaspekte hat:
     
  • Gefiltert durch das "Linsensystem" unseres Gehirns manifestiert sie sich als Tasse.
     
  • Könnten wir uns aber von diesem Linsensystem befreien, würden wir sie als Interferenzmuster wahrnehmen [ gegeben
    als Summe aller Feldanregungen, die Elementarteilchen darstellen ].

Welche dieser beiden Gestalten ist real und welche nur Illusion? Für mich sind beide real oder, wenn Sie so wollen, keine von beiden.
 


Die Erkenntnis, dass erst unser Gehirn Objekte konstruiert — im oben erklärten Sinne — verblasst neben einer Schlussfolgerung, die der Quantenphysiker Bohm gezogen hat: Er nämlich ist davon überzeugt, dass wir sogar Raum und Zeit konstruieren. Die Relativität beider scheint das zu bestätigen.

 
 
Quelle: M Talbot: Das holographische Universum (1992), S. 65-66


 

 Beitrag 0-483
Physikalischer Antirealismus, wie Bohr und Heisenberg ihn erklären

 
 

 
Antirealismus begründet durch

Bohr und Heisenberg

 


Werner Heisenberg (gekürzt, aber wörtlich, wo kursiv gedruckt):
 
... man kann gar nicht mehr vom Teilchen losgelöst vom Beobachtungsvorgang sprechen.
 
Das hat zur Folge, daß die Naturgesetze, die wir in der Quantentheorie mathematisch formulieren, nicht mehr von den Elementarteilchen handeln, sondern
[nur] von unserer Kenntnis der Elemetarteilchen [ gemeint ist: von der Kenntnis ihrer durch uns beobachtbaren Reaktionen auf Messfragen ].
 
Die Frage, ob diese Teilchen » an sich « in Raum und Zeit existieren, kann deswegen in dieser Form gar nicht gestellt werden.
 
 
Wenn von einem Naturbild der exakten Naturwissenschaften in unserer Zeit gesprochen werden kann, so handelt es sich eigentlich nicht um ein Bild der Natur, sondern nur um ein Bild unserer Beziehungen zur Natur
[ will heißen: unsere Schlussfolgerung daraus, wie die Natur auf durch unsere Messgeräte gestellte Fragen antwortet ].
 
... Die Naturwissenschaft steht nicht mehr als Beschauer vor der Natur, sondern erkennt sich selbst als Teil dieses Wechselspiels zwischen Mensch und Natur. ...
 
 
Verschiedene anschauliche Bilder, mit denen wir atomare Systeme beschreiben, sind zwar für bestimmte Experimente angemessen, aber schließen sich
[ nicht selten ] doch gegenseitig aus. ...
 
Diese verschiedenen Bilder sind richtig, wenn man sie an der richtigen Stelle verwendet, aber sie widersprechen einander, und man bezeichnet sie daher als komplementär zu einander.

 


 
Bohrs Standpunkt war fast noch radikaler, denn im zufolge ...

Niels Bohr (gekürzt, aber wörtlich, wo kursiv gedruckt):
 
... kann unabhängige Wirklichkeit im gewöhnlichen physikalischen Sinne [...] weder den Phänomenen, noch den Beabachtungsmitteln zugeschrieben werden.
 
... Jede vollständige Erhellung ein und desselben Gegenstandes kann unterschiedliche Gesichtspunkte erfordern, welche eine einzige Beschreibung in Frage stellen.

 


 
 
Quelle: Lee Smolin: Quantenwelt, 2019, S. 135-136
 
basierend auf:
 
Werner Heisenberg: Das Naturbild der heutigen Physik, Rohwolt 1955, S. 12, 21
Niels Bohr (1934) zitiert nach Max Jammer aus: The Philosophy of Quantum Mechanics in Historical Perspective, John Wiley and Sons, 1974, S. 103


 

  Beitrag 1896-52
Unsere Welt — auch die der Physik — ist nur unser Bild von der Wirklichkeit

 
 

Schon erstaunlich, wie Physiker und Philosphen zum selben Ergebnis kommen:

Zitat von N. Bohr:

 
Die Physik kann nicht ergründen, wie die Natur funktioniert.

Aufgabe der Physik ist lediglich, zu untersuchen, wie die Natur sich uns zeigt.

 

Zitat von I. Kant:
 
Es gibt die Dinge der Erscheinungen und die Dinge an sich.

Wir kennen die Dinge nur so, wie sie auf uns wirken.


 

Mehr zu Kants Philosophe ...

 

Interessant auch: Weit vor den beiden vertrat diese Meinung auch schon Parmenides (geboren um 530 v.Chr.). Er schrieb:

Zitat von Parmenides:

 
Die Welt, in der wir zu leben glauben, ist die vermeintliche Welt der Sinneswahrnehmungen;
die Welt ist nur Meinung ...

 


Und genau das bestätigt uns im 20. Jahrhundert die Quantenphysik.



Steven Hawking (1993):

  Es hat keinen Zweck, sich auf die Wirklichkeit zu berufen, da wir kein modellunabhängiges Konzept der Wirklichkeit besitzen.

Nach meiner Meinung ist der unausgesprochene Glaube an eine modellunabhängige Wirklichkeit der tiefere Grund für die Schwierigkeiten, die Wissenschaftsphilosophen mit der Quantenmechanik und dem Unbestimmtheitsprinzip haben.

Quelle: Mein Standpunkt


 

 Beitrag 0-21
Das Wesen physikalischer Realität

 
 

 
Zum Wesen physikalischer Realität

 
 
John Archibald Wheeler — ein besonders visionärer Vertreter der Theoretischen Physik im 20. Jahrhundert — war der Meinung, eines Tages würde sich die gesamte Physik in der Sprache der Information verstehen lassen.
 
 
Das durch ihn geprägte Schlagwort » It from Bit « steht für die Idee, dass jeder Gegenstand der physikalischen Welt an seiner Basis eine nicht-materielle Quelle und Erklärung hat. Was wir Realität nennen entstehe letztlich aus Ja-Nein-Fragen und dem Glauben an die Richtigkeit der von der Natur darauf erhaltenen Antworten.
 
Auf dieses Weise, so Wheeler, seien alle physikalischen Dinge ihrem Ursprung nach informationstheoretischer Art und das in einen partizipatorischen Universum (womit er eine Welt meint, die nicht nur uns hervorbringt und formt, sondern die umgekehrt auch wir hervorbringen und mit gestalten).
 
Anton Zeilinger — der mit Sicherheit erfolg­reichste und produktivste Quantenphysiker der Gegenwart — konkretisiert diesen Gedanken, indem er sagt
 
» Jedes der elementarsten Systeme trägt genau ein Bit an Information «.

 
Mit anderen Worten:

 
Was wir als die reale Welt erleben, in der wir leben, ist nichts anderes als durch uns als wahr eingestufte Information.
 
Wir erhalten sie als
 
 u n s e r e  Interpretation von Nachrichten (= Bitfolgen),
 
deren jede die Natur uns als Antwort zustellt, wenn wir sie beobachten, d.h. ihr eine Ja-Nein-Frage stellen.
 
Jedes dieser Bits entsteht durch Kollabieren eines QuBits, so dass sein Wert sich zufällig,
aber doch unter Verträglichkeit mit gewissen Wahrscheinlichkeiten ergibt:
Zu Realität wird genau eine von zwei durch unsere Frage noch offen gelassener Möglichkeiten.

 
 
Man könnte es auch so sagen:
 
 
Was wir als Realität empfinden, ist eine Menge mit JA oder NEIN beantworteter Fragen.

 


Der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr schrieb:
 
Alles, was wir durch Beobachtungen oder durch Abstraktion unserer Wahrnehmungen als Wirklichkeit betrachten und in der Naturwissenschaft als (stoffliche) Realität beschreiben, darf in dieser Form nicht mit der eigentlichen Wirklichkeit gleichgesetzt werden.
 



 

 Beitrag 0-37
Zeit, Mathematik und Realität

 
 

 
Zeit, Mathematik und Realität



Harti in 2155-13
 
Hallo Okotombrok und Hans-m
 
Man kann natürlich den 2.Haupsatz der Thermodynamik (Entropiesatz) zum Inhalt des Begriffs der Zeit machen; dann hat die Zeit eine Richtung in dem Sinn, dass sie sich in Richtung Zunahme der Entropie bewegt. Dies ist aber nicht besonders praktisch und spielt wohl bei der Bestimmung von "vorher" (Vergangenheit) und "nachher" (Zukunft) normalerweise keine Rolle. "Vorher" und "Nachher" ( Richtung der Zeit) werden im allgemeinsprachlichen Verständnis allein durch die kausalen Geschehensabläufe bestimmt. Die Kindheit eines Menschen ist "vorher" und das Erwachsenenalter "nachher".
 
Die Vorstellung von Zeit hat sich derartig verselbständigt, dass uns nicht bewußt ist, dass wir Vergangenheit und Zukunft im Prinzip über kausales Geschehen definieren. Dies ist allgemeinsprachlich kein Problem, führt aber naturwissenschaftlich zu Verwunderung, indem man nicht versteht, warum die mathematisch formulierten Naturgesetze "zeitinvariant" sind. Die Zeit hat in diesen Naturgesetzen eben keine Richtung. Richtiger müsste es deshalb heißen:
 
Die Naturgesetze sind kausalitätsinvariant. Sie schließen z.B. prinzipiell nicht aus, dass die zerbrochene Tasse sich wieder zusammensetzt und auf den Tisch springt.
 



Kletzenbauer darauf in 2155-14
 
Eher ist die Mathematik kausalitätsinvariant und realitätsinvariant. Wenn sich nämlich in einem Raum 3 Leute aufhalten, und 5 Leute verlassen ihn, dann müssen 2 Leute reingehen, damit der Raum leer ist.
 



Stueps darauf in 2155-15
 
Mathematik hat mit Realität fast nichts zu tun. Das wird jeder Informatiker unterschreiben.
 


 
Stueps liegt da aber falsch, denn ich — der ich ja Informatiker und Mathematiker bin — weiß, dass mathematische Gesetze uns Wirkliches beschreiben:
Wir sind gewohnt, durch sie beschriebene Wirklichkeit als Realität anzuerkennen ( wohingegen wir wissen, dass i.A. Reales eben  n i c h t  auch Wirkliches ist ).
 
Mein Verdacht:
 
Mathematische Gesetze könnten die einzigen Naturgesetze sein
 
( oder wenigstens die einzigen, die uns Wirkliches als Realität zu zeigen in der Lage sind ).


 

 Beitrag 0-528
Warum jeder eben doch nur in seiner eigenen Welt lebt

 
 

 
Wie sich Realitäten in uns unbekannte Wirklichkeit (den Kosmos) einbetten

 
Jedes denkende Wesen lebt in einem nicht allzu klaren, persönlichen Spigelbild eines kleinen Teiles der Wirklichkeit
 
Spiegel in diesem Sinne ist das Gehirn des Lebewsens

 
 
Wisse: Es gibt einen Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit:
 
Die Wirklichkeit kennen wir nur über von ihr erzeugte Signale, die unsere Sinne empfangen. Unser Gehirn erzeugt daraus unsere Vorstellung, wie die Wirklichkeit denn wohl sein müsse. Nennen wir es: Unser Modell der Wirklichkeit.
 
Man nennt es die Realität, in der wir leben. Wir synchronisieren es (teilweise) mit der Realität, in der andere leben, indem wir mit ihnen kommunizieren.
 
Hat man nun aber zwei biologische Wesen, Menschen etwa (oder z.B. einen Mensch und seinen Hund), so kann deren Modell der Wirklichkeit nicht genau das gleiche sein sein, da ihrer beider Sinne ja so gut wie nie genau dieselbe Menge von Signalen aufgefangen haben (und auch nicht alle Gehirne gleich leistungsfähig sind).
 
Da wir mit unserem jeweiligen gedanklichen Bild der Wirklichkeit nun aber selbst auch ein Teil der Wirklichkeit sind, ist jede Realität, in der einer von uns lebt, nur kleiner Teil der Wirklichkeit insgesamt: Unser oft subjektiv geprägtes Bild (= Verständnis) des Teiles der Wirklichkeit, der mit uns — direkt oder indirekt — kommuniziert. Empirie und alles rationale Denken eines Gehirns kann sich direkt stets nur auf eines dieser Modelle beziehen: auf das von diesem Gehirn selbst erzeugte.
 
Steven Hawking hat das so ausgedrückt:
 
Wir haben kein modellunabhängiges Verständnis der Wirklichkeit.
 
Konsequenz daraus:
 
Weite Teile der Wirklichkeit sind uns empirisch nicht einsehbar.
 
Über sie können wir nur spekulieren. Sie haben auf jeden Fall auch eine geistige Dimension.


 

 Beitrag 0-5
Es gibt mathematischen, aber sicher keinen physikalischen Realismus

 
 


Rebecca Goldstein
 
Gödels Auffassung, dass die mathematische Wirklichkeit objektiv existiert, wird als Begriffsrealismus, als
 
 
Mathematischer Realismus

 
oder mathematischer Platonismus bezeichnet.
 
Viele Mathematiker sind mathematische Realisten gewesen, und selbst jene, die sich nicht als solche bezeichnen, bekennen sich implizit zum Realismus, indem sie ihre Arbeiten als » Entdeckungen « beschreiben.
 
Der hoch angesehene Mathematiker G.H. Hardy (1877-1947) formulierte seine platonische Überzeugung in seinem Klassiker A Mathematician's Apology sehr deutlich so:


G.H. Hardy
 
Ich glaube, dass die methematische Wirklichkeit außerhalb unseres Geistes existiert, dass es unsere Aufgabe ist, sie zu entdecken bzw. zu beobachten, und dass die Theoreme, die wir beweisen und hochtrabend unsere » Entdeckungen « nennen, schlicht Aufzeichnungen unserer Beobachtungen sind. ...
 
Diese realistische Anschauung ist für die mathematische Wirklichkeit viel plausibler als für die physikalische, da bei mathematischen Objekten Schein und Sein weitgehend zusammenfallen:
  • Ein Stuhl oder ein Stern sind nicht im mindesten, was sie zu sein scheinen: Je gründlicher wir darüber nachdenken, um so verschwommener werden ihre Konturen im Dunstschleier der Sinnesempfindungen, der sie einhüllt.
  • Aber » 2 « oder » 317 « haben nichts mit Empfindungen zu tun; Ihre Eigenschaften treten um so deutlicher hervor, je gründlicher wir sie untersuchen. 317 ist eine Primzahl, nicht weil wir das meinen oder weil dies den Strukturen unseres Denkens entspräche, sondern weil es so ist, weil mathematische Wirklichkeit nun einmal so beschaffen ist.
     


Ein Mathematiker nach dem anderen hat — wie Hardy — seine platonische Auffassung bekräftigt, wonach mathematische Wahrheiten entdeckt und nicht erfunden werden ...
 
Gödels metamathematische Anschauung, sein fester Glaube an die objektive, vom menschlichen Denken unabhängige Existenz der mathematischen Wirklichkeit, stellt vielleicht die Qintessenz seine Lebenswerkes dar ...
 

Quelle: Rebecca Goldsteins Gödel-Biographie ( Piper Taschenbuch 2005, S. 43-46 )

 
 
 
 
Es gibt keinen physikalischen Realismus (!)

 
 
Dass zu dieser Überzeugung zunächst Parmenides, später aber auch Kant und Niels Bohr kamen, wusste ich. Gerade eben aber lese ich bei Josef Honerkamp, dass es auch auch Hawking so sieht und Honerkamp — selbst ein Physiker — derselben Meinung ist:

Honerkamp (2010)
 
Ein wichtiger Punkt, den Hawking in aller Klarheit betont, ist der, dass es seiner Meinung nach keinen theorieunabhängigen Realitätsbegriff gibt.
 
Diese Aussage beschreibt genau das, was Physiker im Umgang mit den physikalischen Theorien immer wieder erfahren.
 


Note: Honerkamp ist emeritierter Professor für Theoretische Physik und Autor einiger sehr lesenswerter Bücher.
Für jeden verständlich ist mindestens Die Entdeckung des Unvorstellbaren: Einblicke in die Physik und ihre Methode (2010).


 

 Beitrag 0-424
Wie sich Realität von Wirklichkeit unterscheidet — 2 Beispiele

 
 

 
Die Realität, in der wir leben ...
 
... ist die Summe aller Bedeutung, die wir Signalen zuordnen, die uns erreichen.

 
 
Wie wenig wir in wirklicher Welt leben zeigen folgende Beobachtungen:
     
  • Farbe das beste Beispiel dafür, dass wir die Welt eben NICHT so wahrnehmen, wie sie ist:
     
     
    Was unser Auge erreicht, ist elektromagnetische Strahlung gewisser Wellenlänge.
     
    Erst unser Gehirn setzt die ankommende Wellenlänge um in einen Farbeindruck.

     

     
  • Materie das andere wichtige Beispiel: Wie die Quantenphysik zeigt, existiert z.B. jeder Stein (und auch jeder Beobachter des Steins) physisch nur als unglaublich kompliziertes Paket harmonischer Wellen im Feld der physikalischen Grundkräfte. Hans Peter Dürr hat das auf den Punkt gebracht, indem er schrieb:
     
     
      Ich habe als Physiker 50 Jahre lang — mein ganzes Forscherleben — damit verbracht zu fragen, was eigentlich hinter der Materie steckt.
       
      Des Endergebnis ist ganz einfach:
       
      Es gibt keine Materie!

     
    Gemeint damit hat er natürlich:
     
    Was ihr als Materie wahrzunehmen glaubt, ist etwas ganz anderes, als ihr denkt:
     
     
    Jedes Stück Materie ist einfach nur ein hoch kompliziertes Feld physikalischer Kräfte.

     
    Lies mehr dazu in: Warum Hans-Peter Dürr zu Unrecht der Esoterik verdächtigt wurde.


 

 Beitrag 0-246
Was ist Religion?

 
 

 
Was ist Religion?
 
 
Religion ist der — stets individuell geprägte — Versuch,
 
selbst dort noch Antworten zu finden, wo Wissenschaft und nackte Logik sie ganz prinzipiell nicht geben können.


 

 Beitrag 0-273
Wie sich — nach Heisenberg und Planck — Religion von Naturwissenschaft unterscheidet

 
 

 
Was Religion von Naturwissenschaft unterscheidet

 
 
Auf der Solvay-Konferenz 1927 — so erinnert sich Heisenberg — wurde er einmal von gleichaltrigen Kollegen gefragt:
 
Es gibt doch Äußerungen von Planck über das Verhältnis von Religion und Naturwissenschaft, in denen er die Ansicht vertritt, dass es keinen Widerspruch zwischen beiden gebe — sie also sehr wohl miteinander vergleichbar seinen.
 
Heisenberg erinnert sich, darauf in etwa wie folgt geantwortet zu haben:


Werner Heisenberg:
 
Ich vermute, dass für Planck Religion und Naturwissenschaft deswegen vereinbar sind, weil sie, wie er voraussetzt, sich auf ganz verschiedene Bereiche der Wirklichkeit beziehen:
     
  • Die Naturwissenschaft handelt von der objektiven materiellen Welt. Sie stellt uns vor die Aufgabe, richtige Aussagen über die objektive Wirklichkeit zu machen und ihre Zusammenhänge zu verstehen.
     
  • Die Religion aber handelt von der Welt der Werte. Hier wird von dem gesprochen, was sein soll, was wir tun sollen, nicht von dem, was ist.

 
In der Naturwissenschaft geht es um richtig oder falsch,
 
in der Religion aber um gut oder böse, um wertvoll oder wertlos.

 
 
Die Naturwissenschaft ist die Grundlage des technisch zweckmäßigen Handelns, die Religion aber die Grundlage der Ethik.

 


 
Quelle: Werner Heisenberg: Der Teil und das Ganze (1969), S. 116-117.


 

 Beitrag 0-274
Objektiv, subjektiv, und Religion: Wie Niels Bohr darüber dachte

 
 

 
Niels Bohr über

objektiv, subjektiv und Religion

 
 
Bohr warnte davor, der Wissenschaft absolute Objektivität zu bescheinigen oder — umgekehrt — religiöse Darstellungen als Märchen abzutun:

 


Niels Bohr ( 1927 in einem Gepräch mit Heisenberg nach dessen Erinnerung ):
 
Man muss sich vor allem darüber klar sein, dass in der Religion die Sprache in einer ganz anderen Weise gebraucht wird als in der Wissenschaft. Die Sprache der Religion ist mit der Sprache der Dichtung näher verwandt als mit der Sprache der Wissenschaft.
 
Man ist zwar zunächst geneigt zu denken, in der Wissenschaft handle es sich um Informationen über objektive Sachverhalte, in der Dichtung um das Erwecken subjektiver Gefühle. In der Religion ist objektive Wahrheit gemeint, also sollte sie den Wahrheitskriterien der Wissenschaft unterworfen sein. Aber mir scheint die ganze Einteilung in die objektive und die subjektive Seite der Welt hier viel zu gewaltsam.
 
Wenn in den Religionen aller Zeiten in Bildern, Gleichnissen und Paradoxien gesprochen wird, so kann das kaum etwas anderes bedeuten, als dass es eben keine anderen Möglichkeiten gibt, die Wirklichkeit, die damit gemeint ist, zu ergreifen.
 
Aber das heißt nicht, dass sie keine echte Wirklichkeit sei.
 
Mit einer Zerlegung dieser Wirklichkeit in eine objektive und eine subjektive Seite wird man nicht weit kommen.
 
Daher empfinde ich es als eine Befreiung unseres Denkens, dass wir aus der Entwicklung der Physik zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelernt haben, wie problematisch die Begriffe » objektiv « und » subjektiv « sind.
 
Das hat ja schon mit der Relativitätstheorie angefangen: Früher galt die Aussage, dass zwei Ereignisse gleichzeitig seien, als objektive Feststellung. Heute aber wissen wir, dass zwei Ereignisse, die in den Augen eines Beobachters gleichzeitig stattfinden, für zu ihm bewegte Beobachter keineswegs gleichzeitig stattfinden müssen.
 
Und doch ist die relativistische Beschreibung insofern objektiv, als jeder Beobachter durch Umrechnung ermitteln kann, was ein anderer Beobachter wahrnehmen wird bzw. wahrgenommen hat.
 
Immerhin, vom Ideal einer objektiven Beschreibung im Sinne der klassischen Physik, ist das ja nun schon ein Stück weit entfernt.
 
 
Die objektive Welt der Naturwissenschaft vor 1900 war — wie wir jetzt wissen — ein idealer Grenzbegriff, aber nicht Wirklichkeit.
 
Es wird zwar auch in Zukunft bei jeder Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit notwendig sein, die objektive und die subjektive Sicht zu unterscheiden, d.h. einen Schnitt zwischen beiden Seiten zu machen. Aber die Lage dieses Schnittes kann von der Betrachtungsweise abhängen und kann bis zu einem gewissen Grad willkürlich gewählt werden.
 
Daher scheint es mir auch durchaus begreiflich, dass über den Inhalt von Religion nicht in einer objektivierenden Sprache gesprochen werden kann. Die Tatsache, dass verschiedene Religionen solchen Inhalt in unterschiedlichen geistigen Formen zu gestalten versuchen, bedeutet keinen Einwand gegen den wirklichen Kern der Religion.
 
Es sind eher komplementäre Betrachtungsweisen, die — wenn wörtlich genommen — einander ausschließen, die aber doch erst in ihrer Gesamtheit einen Eindruck vom Reichtum vermitteln, der von der Beziehung der Menschen zu einem größeren Zusammenhang ausgeht.

 


 
Quelle: Werner Heisenberg: Der Teil und das Ganze (1969), S. 122-124.

 
 
Note: Bohr hat — wie Einstein auch — an keinen persönlichen Gott geglaubt. Umso erstaunlicher ist, dass er — im Gegensatz zu Atheisten — religiöse Aussagen nicht grundsätzlich als sinnlos verwarf. Er glaubte an einen umfassenden Sinnzusammenhang, der sich in solchen Aussagen äußern könne.
 
Konkret hat er das (1927, Heisenberg gegenüber) ausgedrückt wie folgt:
 
    "Von jeder bewusst vollzogenen Entscheidung geht für den Einzelnen eine Kraft aus, die ihn in seinem Handeln leitet, ihm über Unsicherheiten hinweghilft und ihm, wenn er leiden muss, den Trost spendet, den das Geborgensein in dem großen Zusammenhang gewähren kann. So trägt die Religion zur Harmonisierung des Lebens in der Gemeinschaft bei, und es gehört zu ihren wichtigsten Aufgaben, in ihrer Sprache der Bilder und Gleichnisse an den großen Zusammenhang zu erinnern." ( S. 117)
     
    "Auch dieser Sinnzusammenhang gehört zur Wirklichkeit, ebenso wie die naturwissenschaftliche Bedingtheit, und es wäre wohl eine viel zu grobe Vereinfachung, wenn man ihn ausschließlich der subjektiven Seite der Wirklichkeit zurechnen wollte."
    (S. 118)


 

 Beitrag 0-276
Die Metaphysik des Niels Bohr (auch anwendbar auf religiöse Aussagen)

 
 

 
Zur Metaphysik des Niels Bohr

 
 
Niels Bohr — Mitbegründer der Quantenphysik — liebte besonders den Schluss von Schillers Gedicht » Spruch des Konfuzius «, der da lautet:
 
 
» Nur die Fülle führt zur Klarheit, und im Abgrund wohnt die Wahrheit. «

 
 
Bohr erklärte wie folgt, warum der diesen Spruch so treffend findet:


Niels Bohr (1952, wie Heisenberg sich erinnert):
 
Die Fülle ist hier die Fülle der Erfahrung, aber auch die Fülle der Begriffe, die wir verwenden, um quantenphysikalische Phänomene zu beschreiben und zu deuten:
 
Nur dadurch, dass man über die merkwürdigen Beziehungen zwischen den formalen Gesetzen der Quantentheorie und den beobachteten Phänomenen immer wieder mit verschiedenen Begriffen spricht, sie von allen Seiten beleuchtet, ihre scheinbaren inneren Widersprüche sich bewusst macht, kann die Änderung in der Struktur des Denkens bewirkt werden, die Voraussetzung für ein Verständnis der Quantentheorie ist.
 
Es wird doch z.B. immer wieder gesagt, dass die Quantentheorie unbefriedingend sei, weil sie nur gestattet, Quanten anhand der sich doch eigentlich ausschließenden Begriffen » Welle « und » Teilchen « zu beschreiben.
 
Und so ist die Quantentheorie Beispiel dafür, dass man einen Sachverhalt in völliger Klarheit verstanden haben kann und gleichzeitig doch weiß, dass man nur in Bildern und Gleichnissen von ihm reden kann.
 
Die Bilder und Gleichnisse sind — im Fall der Quantentheorie — klassische Begriffe wie etwa » Welle « und » Korpuskel «. Sie passen nicht genau und widersprechen einander. Und trotzdem kann man, da man bei der Beschreibung der Phänomene im Raum der natürlichen Sprache bleiben muss, sich nur mit diesen Bildern dem wahren Sachverhalt nähern.
 
Wahrscheinlich ist es bei anderen Problemen der Philosopie ganz ähnlich:
 
Wir sind gezwungen, in Bildern und Gleichnissen zu sprechen, die nicht genau das treffen, was wir meinen. Wir können gelegentlich sogar Widersprüche nicht vermeiden, aber wir können uns doch mit diesen Bildern dem wirklichen Sachverhalt nähern: Der Wahrheit, die im Abgrund wohnt [wie im unendlich tiefen Trichter eines Schwarzen Lochs].
 


 
Quelle: Werner Heisenberg: Der Teil und das Ganze (1969), S. 284-285.


 

 Beitrag 0-302
Was Wissenschaft über Religion zu sagen weiß (bzw. heute sagt)

 
 

 
Was Wissenschaft über Religion zu sagen weiß

 
 
Einige Gelehrte behaupten, schon in den ersten Anfängen des Judentums habe man Gott vorrangig als zukünftiges Sein betrachtet. Dies ginge zurück auf die Stelle in der Bibel, in der Gott aus dem brennenden Dornbusch zu Moses sprach und der ihn nach seinem Namen fragte. Die in Hebräisch formulierte Antwort Gottes soll gelautet haben: » Ehyeh Asher ehyeh. « (wörtlich ins Deutsche übersetzt: ICH WERDE SEIN, DER ICH SEIN WERDE) und weiter: » So sollst du zu den Iraeliten sagen: Der ICH WERDE SEIN hat mich zu euch gesandt. «
 
Der deutsch-jüdische Philosoph Ernst Bloch ebenso wie der katholische Schweizer Theologe Hans Küng wiesen beide darauf hin, dass dies die korrekte Übersetzung darstellt und der Gott Mose somit als "End- und Omega-Gott" aufzufassen sei.
 
Heutige Theologen neigen zur Ansicht, die Physik könne sich nur mit endlich absehbarer Realität befassen, während die endgültige Realität — sollen wir sagen die Wirklichkeit? — ihrem Wesen nach unendlich sei (vergleichbar dem Grenzwert einer konvergenten unendlichen Reihe von Zahlen).
 
 
Frank J. Tipler ist einer der ganz wenigen Physiker, die dies nicht gelten lassen wollen und glauben, dass die Physik sich durchaus ebenfalls mit dem Unendlichen — d.h. dem Grenzwert von allem, was absehbar ist, befassen könne.
 
Die Mehrzahl zeitgenössischer Naturwissenschaftler aber möchte sich auf so eine Diskussion gar nicht erst einlassen, wie sich recht deutlich daran zeigt, dass das Council of the US National Academy of Sciences in einer Resolution vom 25.8.1981 festhielt:

 
 
» Religion und Wissenschaft sind getrennte, einander ausschließende Bereiche des menschlichen Denkens,
 
deren Darstellung in ein und demselben Zusammenhang zu einem falschen Verständnis
 
sowohl der wissenschaftlichen Theorie als auch des religiösen Glaubens führt. «

 
 
Tipler unterstellt Wissenschaftlern, die sich zu dieser Aussage bekennen, sie würden Religion als Gefühlsduselei einordnen, die bei so manchem einfach nur Ausdruck seiner Furcht vor dem Tode sei. [ Meiner Ansicht nach geht Tipler mit diesem Vorwurf zu weit — es gibt ja schließlich auch tief religiöse Naturwissenschaftler, die aber dennoch nicht glauben, dass religiöse und naturwissenschaftliche Aussagen von vergleichbarer Qualität seien.]
 
 
Dennoch scheint mir, dass Tipler Recht haben könnte mit seiner Ansicht, dass auch dieser Beschluss der Akademie sich als eine Theorie erweisen könnte, die irgendwann — und dann auch aus gutem Grunde — aufgegeben werden muss.
 
Er weist ganz richtig darauf hin, dass Antworten, die die Wissenschaft gibt, immer nur wahrscheinlich wahr sind.
     
  • Das bekannteste Beispiel ist die heliozentrische Theorie des Sonnensystems: Erstmals in der Antike vom griechischen Astronomen Aristarchos von Samos entwickelt, wurde sie zu Beginn der christlichen Epoche zugunsten des geozentrischen Modells des Ptolemäus verworfen — bis Nikolaus Kopernikus (1543) sie dann doch wieder als die richtige erkannte.
     
  • Ein weiteres Beispiel liefert die Medizin des 19. Jahrhunderts: Sie hat eine ältere Theorie — wie man damals dachte für alle Zeiten — verworfen; eine Theorie der Entstehung von Entzündungen, deren Ächtung der Chirurgie in ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts massive Rückschläge beschert hat. Die postoperative Sterblichkeitsrate stieg sprunghaft an, nachdem man Ausbrennen der Wunden mit dem Brenneisen oder Desinfektion mit kochenden Flüssigkeiten als Irrweg erkannt zu haben glaubte. Erst Pasteur, Lister und andere griffen schließlich wieder auf die ältere, richtigere Theorie zurück.

 
Ob nun allerdings Tiplers Versuch, eine Physik der Unsterblichkeit zu begründen, Sinn macht, scheint mir mehr als fraglich: Immerhin denkt Tipler, seine — wie er glaubt rein physikalische — Theorie würde implizieren, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass Er, Gott, existiert (als Grenzwert der Evolution des Universums), wir einen freien Willen haben und Er uns ewiges Leben nach dem Tode schenken könne.
 
Sein Buch: Frank J. Tipler: The Physics of Immortality (1994), in Deutsch: Die Physik der Unsterblichkeit, DTV (1995).
 
 
Note: Tipler ist ein durchaus anerkannter Physiker und Kosmologe. Seine Vorhersagen über der Menschen Möglichkeit, das gesamte Universum zu besiedeln, scheinen mir dennoch mehr Science Fiction denn ernsthafte Wissenschaft. Er scheint theoretische Konstrukte wie die Von-Neumann-Sonde — eine von John v. Neumann erdachte, hypothetische Maschine, die jede andere Maschine, auch weitere von-Neumann-Sonden, ohne fremde Hilfe nur aus im All vorgefundenen Rohstoffen herstellen kann — für etwas noch im 21. Jahrhundert wirklich Realisierbares zu halten (und das sogar noch in Form von Nanotechnologie).
 
Diese Vision beschreibt er ab S. 73 der deutschen Ausgabe seines Buches.
 


 

 Beitrag 0-452
Religion — Wie Markus Gabriel sie erklärt

 
 

 
Religion — Wie Markus Gabriel sie erklärt

 
 
Ohne die Religion wäre es niemals zur Metaphysik, ohne die Metaphysik niemals zur Wissenschaft und ohne die Wissenschaft niemals zur Mehrzahl aller Erkenntnisse gekommen, die wir heute formulieren können.
 
Was sich in diesem Prozess ereignet, ist nicht einfach nur als Aufklärung einzuordnen:

 
Die Moderne ist nicht durch einen Abbau von Religion gekennzeichnet, sondern durch eine Erweiterung unseres Freiheitsverständnisses:
 
Es ist dem Menschen in der Moderne aufgegangen, dass dass er Geist ist und dass dieser Geist eine Geschichte hat.

 
 
Diese Dimension war ihm vorher verborgen oder nur ansatzweise zugänglich.
 
Deswegen darf man die Anerkennung des Geistes und seiner Geschichte auch nicht als prä-modern oder gar als Rückschritt denunzieren. Schon Religion beruht auf einer Anerkennung des Geistes.
 
 
Natürlich gibt es unsinnige Formen von Religion, bloßen Aberglauben und manipulative Sekten. Es gibt aber auch defiziente Formen der Wissenschaft, wissenschaftlichen Irrtum, ohne den es keinen wissenschaftlichen Fortschritt gäbe.
 
Nur weil eine menschliche Haltung davon bedroht ist, Pathologien auszubilden, folgt daraus nicht, dass man sie abschaffen sollte.
 
Denn die Eliminierung des Geistes wäre selbst Geist in seiner schlechtesten Form — Geist in der Form seiner eigenen Verleugnung.
 
Die Frage, ob es Gott gibt, muss man daher sehr viel umsichtiger angehen, als plumpe Sekten oder Neoatheisten es tun.

 
Wer sich mit der Gottesfrage unabhängig von der Geschichtlichkeit des Geistes befasst,
 
verfehlt die Frage eigentlich schon.

 
In der Religion geht es um den Menschen und um seine Verortung in einen Sinnzusammenhang.

 
 
 
Quelle: Markus Gabriel: Warum es die Welt nicht gibt, Ullstein 2013, S. 212-213

 

 Beitrag 0-507
Quantenphysikalische Unschärfe: Warum jede Messfrage mit über unsere Zukunft entscheidet

 
 

 
Quantenphysikalische Unschärfe

Definition und Konsequenz

 
 
Unter quantenphysikalischer Unschärfe versteht man keineswegs nur Heisenbergs Unschärferelation, sondern zudem noch die Tatsache, dass
     
  • wir von der Natur auf jede unserer Fragen stets nur ein JA oder ein NEIN erhalten,
     
  • zu jedem Zeitpunkt stets nur eine Frage stellen können (z.B. niemals gleichzeitig nach Ort und Impuls eines Teilchens fragen können)
     
  • und zudem die Natur auf den Inhalt jeder Messfrage so reagieren wird, dass sie sich in einen Zustand versetzt, der dem JA oder dem NEIN, das wir als Antwort bekommen, Sinn gibt.
     
    Mit anderen Worten: Die Antwort, welche wir bekommen, wird sich stets auf den Zustand der Natur unmittelbar NACH ihrer Antwort beziehen. Nie aber wird sie uns ihren Zustand unmittelbar VOR unserer Messfrage beschreiben.
     
     
     
    All das hat zur Folge, dass sogar noch der Inhalt jeder Messfrage
     
    mit über unsere Zukunft bestimmt


     

 Beitrag 0-186
Was gilt heute als Materie?

 
 

 
Was gilt heute als Materie?

 
 
Heute gilt als Materie tatsächlich alles, was Energieträger ist — sogar das Licht.
 
Das war nicht immer so, doch wie es dazu kam, erklärt der Physiker Prof. em. Josef Hohnerkamp so:
 


Hohnerkamp (2013, stark gekürzt):
 
Der englische Naturforscher Isaac Newton stellte fest, dass es bei verschiedenen Körpern auch einer verschiedenen Kraftanstrengung bedarf, ihre Bewegung zu ändern. Er führte als Maß für solche Trägheit den Begriff Masse ein und postulierte auch gleich, dass jene Masse dafür verantwortlich sei, dass Körper sich gegenseitig anziehen. Fortan galt die Eigenschaft, Masse zu besitzen, als Spezifikum materieller Objekte (und auch heute findet man das oft so formuliert, z.B. in Wikipedia).
 
Materielle Objekte sind danach alle Objekte, die Masse besitzen und daher Trägheit bei Bewegungsänderung zeigen sowie von anderen Objekten gleicher Art angezogen werden.
 
Erst Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie mache uns klar, dass dazu auch Licht gehört und man das Wort » Masse « besser durch » Energie « ersetzt, da ja Masse im Sinne Newtons nicht notwendig Ruhemasse ist.
 
 
Was aber wurde nun aus dem Begriff » Materie « ?
 
Offensichtlich bestehen alle Objekte, die man vor Einstein als materiell bezeichnet hatte, aus Elementarteilchen, d.h. aus Quanten. Auch das Licht — sich uns als Welle eines elektromagnetischen Feldes zeigend — ist auf mikroskopischer Ebene ein Strom von Quanten.
 
Somit musste man sich neu überlegen, was denn nun das Spezifikum eines materiellen Objekts sein solle.
 
 
Mit Hilfe der Relativitätstheorien und der Quantenphysik ist leicht einzusehen, wie die Definition des Begriffs » Materie « abzuwandeln ist, um diesen neuen Einsichten Rechnung zu tragen:
 
 
Was ein materielles Objekt kennzeichnet, ist nicht die Eigenschaft (Ruhe-) Masse zu haben,
 
sondern die Eigenschaft Energieträger zu sein.

 
 
Aber nicht nur das: Wer die Spezielle Relativitätstheorie kennt, der weiß, dass die Energie immer zusammen mit einem Impuls auftritt, diese beiden Größen also ebensowenig von einander trennbar sind wie Zeit von Raum.
 
Demnach sagt die Physik heute:
 
Materielle Objekte sind alle,
 
denen sich ein Energie-Impuls-Vektor zuordnen lässt.

 
 
Note: Da sich die neue Sprechweise noch nicht überall durchgesetzt hat — und alte Schriften ohnehin nicht abänderbar sind — wird häufig noch von Masse gesprochen, wo eigentlich Materie bzw. die sie darstellende Energie gemeint sind.

 
Sie ist relativ, d.h. aus der jeweils subjektiven Sicht unterschiedlicher, relativ zueinander bewegter Bezugssysteme heraus unterschiedlich groß.
 


 
Quelle: Josef Hohnerkamp: Was können wir wissen? (Springer, 2013), S. 53-59

 
 
 
Nicht-Pysiker verstehen unter Materie deutlich weniger: Für sie ist Materie nur das, was Summe von Elementarteilchen ist, die Ruhemasse haben (sich also nicht mit Lichtgeschwindigkeit bewegen können).

 

 Beitrag 0-338
Warum Dürr kein Esoteriker war und es tatsächlich Materie nur als Illusion gibt

 
 

 
Wie berechtigt ist Kritik an H. P. Dürrs Argumentation?

 
 
Im Buch Relativer Quantenquark von Holm Gero Hümmler werden auch einige Aussagen von Hans-Peter Dürr als Esoterik eingeordnet — meiner Ansicht nach aber völlig unberechtigt. Dürrs Aussage etwa » Es gibt keine Materie « darf nicht so verstanden werden, dass es Materie — als Begriff — nicht gäbe.
 
Dürr wollte lediglich darauf hinweisen, dass mit Materie nur der Eindruck gemeint ist, den gewisse physikalische Kraftfelder in uns hervorrufen. Was ich damit meine, wird verstehen, wer sich vor Augen führt, was Farbe denn nun eigentlich ist: Farbe ist ein in unserem Bewusstsein entstehender Eindruck, den elektromagnetische Wellen in uns hinterlassen: Eine bestimmte Farbe entspricht einer bestimmten Wellenlänge elektromagnetischer Strahlung. Niemand wird das heute noch bezweifeln wollen, aber ganz Ähnliches gilt für Materie.
 
 
Lies hierzu auch: Schon Max Planck hat festgestellt: Es gibt keine Materie.
 
 
Klar sein sollte auch: Wenn tatsächliche Esoteriker — Leute also, die wissenschaftliche Aussagen nicht wirklich verstehen, sich aber dennoch in irreführender Weise auf sie berufen —, so diskrediert das nicht die Wissenschaft. Dürr jedenfalls war durch und durch Wissenschaftler. Eben das haben Leute wie Holm Gero Hümmler so gar nicht verstanden.
 
 
 
Thomas Görnitz — ein in der Tradition von C.F. v. Weizäcker denkender theoretischer Physiker — schrieb (siehe z.B. sein Buch Quanten sind anders, S. 237):


Thomas Görnitz (1999, 2011):
 
"Die Meinung, dass wir verstünden, was Materie ist, kann zur Zeit wohl nur schwerlich ernsthaft vertreten werden.
 
In den naturwissenschaftlich orientierten Teilen der Biowissenschaften und Medizin wird noch vielfach ein historisch gewachsener und heute überholter Materiebegriff verwendet.
"
 
Er kann als Verfeinerung dessen angesehen werden, was wir im Alltagsleben unter Materi verstehen: Etwas, das feiner sein kann als Sand, aber doch nicht wesentlich verschieden davon.
 
Dieser [naive] Materiebegriff erfasst aber nur klassische Eigenschaften.
 
Es gibt sie selbstverständlich schon an kleinen Molekülen, und nur mittels dieser klassischen Eigenschaften werden heute biologische Vorgänge erklärt.
 
"Für den Teil der biologischen Probleme aber, für welche die Erklärungskraft dieser einfachen Modelle nicht ausreicht, konnte ich bei vielen Kontakten selten Bereitschaft erkennen, sich die Beschränktheit der klassischen Erklärungsmuster zu verdeutlichen."
 


 
Thomas Görnitz ist einer der (noch) wenigen Naturwissenschaftler, der — wie auch Rupert Sheldrake — immer wieder auf die zunehmend offensichtlicher werdende Tatsache hinweist, dass unser materialistisches, noch ausschließlich an den Prinzipien der klassischen Physik orientiertes Weltbild ausgedient hat. Man lese dazu sein neuestes Buch Thomas & Brigitte Görnitz: Von der Quantenphysik zum Bewusstsein: Kosmos, Geist und Materie (Springer 2016).

 

 Beitrag 0-388
Reduktionismus ist zu ungenau: Das holistische Weltbild kommt der Wahrheit näher

 
 

 
Das holistische Weltbild kommt der Wahrheit näher

 
 
Der Holismus vertritt die Auffassung, dass ein System als Ganzes mehr ist als die Summe seiner Teile und daher viele seiner Eigenschaften nur aus einer ganzheitlichen Sicht heraus verstanden werden können.
 
Dass dem wirklich so ist, hat erst die Quantenphysik (genauer: die Quantenfeldtheorie) uns klar gemacht.


Der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr (1997, wörtlich zitiert):
 
"Astrophysiker neigen meist dazu, immer noch im Rahmen von klassischen Systemen wechselwirkender Teilchen zu denken.
 
 
Ein Quantenphysiker aber fängt mit dem zusammenhängenden, nicht auftrennbaren, ganzheitlichen » Einen « an.
 
Für den Quantenphysiker besteht weniger ein Problem darin, wie die Teile im Ganzen zusammenwirken, als vielmehr das umgekehrte Problem, wie eine Differenzierung des Ganzen, dieses » Einen « erfolgen kann, so dass es erscheint, als bestünde das Ganze aus wechselwirkenden Teilchen.

 
 
So ist etwa das elektromagnetische Feld ein unendlich ausgebreitetes Energiefeld. Mit geeigneter Überlagerung von elektromagnetischen Wellen lässt sich ein lokalisiertes Wellenpaket erzeugen, das wie ein Lichtteilchen » ein Photon « aussieht.
 
Der Differenzierungsprozess des » Einen « ist die Folge einer Selbstorganisation der Wellen: Die Erzeugung von Grenzflächen in dem » Einen « und nicht die Bildung von Gesamtsystemen aus zunächst » Getrennten «.
 
Die gesamte Evolution [ des Universums ] erscheint als Differenzierungsprozess mit einer wachsenden Zahl von näherungsweisen Trennungen, wodurch sich Unterbereiche in gewissem Umfang verselbständigen.
 
Das Hamiltonsche Prinzip der kleinsten Wirkung bedeutet aus dieser Sichtweise, dass hierbei unendlich viele Teilwellen [ gemeint sind sinusförmige, d.h. unteilbare Wellen ] miteinander spielen, so dass sie sich praktisch überall im Raum wechselseitig auslöschen ... Die klassische Bahn von Teilchen ist eine Folge dieses Prinzips."
 


 
Quelle: Hans-Peter Dürr & Franz-Theo Gottwald: Rupert Sheldrake in der Diskussion — Das Wagnis einer neuen Wissenschaft des Lebens (1997), S. 271-272.


 

  Beitrag 1915-1
Die (nicht widerlegbare) logische Struktur unserer Welt

 
 

Über die Welt, in der wir leben


Meine These 1:
  • Das Universum ist ein Quantensystem definiert durch seine Wellenfunktion.
  • Die Wellenfunktion jedes Quantensystems ist Summe der Wellenfunktionen einzelner Quanten.
  • Die Wellenfunktion jedes Quantums Q ist eine Summe von Wellenfunktionen, deren jede genau einen Zustand darstellt, in dem sich Q zeigen kann (jede dieser Wellenfunktionen nenne ich eine atomare Zustandswelle).
  • Wo Q einen Punkt der Raumzeit betritt oder verlässt, zeigt Q sich in genau einem dieser Zustände.
  • Jedes Elementarereignis erzeugt und/oder vernichtet Zustandswellen.
  • Ganz offensichtlich gilt: Je größer die Zahl der Quanten ist, aus der ein Quantensystem QS besteht, desto weniger wird ein einzelnes Elementarereignis den Gesamtzustand von QS abändern.
  • Kein Wunder also, dass
      uns ein Quantensystem umso konkreter erscheint, je größer es ist (seine Größe definiert als Zahl der seine Zustandswelle darstellenden atomaren Zustandswellen)
      und dass es sich — aus nicht allzu mikroskopischer Sicht — stetig zu entwickeln scheint, d.h. kontinuierlich in kleinsten Schritten.

Meine These 2:
  • Es kann mir niemand beweisen, dass diese Sicht falsch ist.


grtgrt, Gebhard Greiter

Wo oben von einer "Summe" der Wellenfunktionen gesprochen wird, darf man das nicht ganz wörtlich nehmen. In Wirklichkeit ist die Situation etwas komplexer: Jene "Summe" ist Lösung eines Eigenwertproblems, in dessen Zentrum die Schrödingergleichung des jeweils betrachteten Quantensystems steht.

 

  Beitrag 1915-3
Wie sich Dekohärenzprozesse einordnen

 
 
E... aus 1915-2:
Welche Rolle spielen bei Deinem Weltmodell die Dekohärenzprozesse?

Hallo E...,

sie sind im Modell durchaus berücksichtigt, denn:


Nach These 1 ist unsere Welt eine Konfiguration M verschieden wahrscheinlicher Möglichkeiten, gewisse Form anzunehmen. Jedes Elementarereignis E = E( M) ist eines der von M als möglich eingestuften. Sein Eintreten ersetzt M durch eine neue Version M( E). Auf diese Weise konkretisiert und generiert unsere Welt sich ständig neu.

Ein Elementarereignis E kann eintreten
  • entweder spontan (so dass ohne jede erkennbare Ursache ein Paar virtueller Teilchen entsteht oder vergeht)
  • oder durch Kollision existierender Teilchen (Dekohärenz): Zusammenstoßende Quanten nehmen einander wahr und führen so zum Kollabieren ihrer Wahrscheinlichskeitswelle).


Beste Grüße,
grtgrt
 

  Beitrag 1915-5
Der Heisenberg-Zustand des Universums

 
 
H... aus 1915-4:
Grtgrt aus 1915-1:
Das Universum ist ein Quantensystem definiert durch seine Wellenfunktion.

Hier wäre ich etwas zurückhaltender in der Formulierung. Klar ist, dass ein quantenmechanisches S. durch seine Wellenfunktion (die übrigens empirisch gewonnen wurde, nicht durch Herleitung! Und die man bestimmen muss.) vollständig beschrieben wird (das ist ein Grundpostulat der QM). Aber hier geht z.B. keine Gravi ein. Schrödinger hat damals versucht, die RT einfliessen zu lassen, was er aber aufgegeben hat.

Hi H...,

viel von dem, was ich heute glaube, geht zurück auf meine Lektüre des wunderbaren Buches von Lothar Schäfer: Versteckte Wirklichkeit (Hirzel 2004).

Er schreibt da z.B. auf Seite 51:

Zitat von Lothar Schäfer :
 
... der wellenartige Zustand der Wirklichkeit ... von Heisenberg (1958) auch "Wahrscheinlichkeitsfunktion" genannt. Stapp (1993) verallgemeinert diesen Begriff, indem er ihn den "Heisenberg-Zustand des Universums" nennt [und beschreibt wie folgt:
 
Zitat von Stapp aus: Mind, Matter, and Quantum Mechanics (1993):
In Heisenbergs Modell ... wird die klassische Welt der Materieteilchen ... durch den Heisenberg-Zustand des Universums ersetzt. Diesen Zustand kann man sich als komplizierte Welle vorstellen, die sich ... in Übereinstimmung mit örtlich-deterministischen Bewegungsgesetzen entfaltet.

Doch dieser Heisenberg-Zustand stellt nicht das tatsächliche physikalische Universum selbst im üblichen Sinne dar, sondern nur eine Menge " objektiver Tendenzen" oder " Neigungen", die mit einem bevorstehenden tatsächlichen Ereignis verbunden sind: Für jede von den einander ausschließenden möglichen Formen, die das tatsächliche Ereignis annehmen könnte, bestimmt der Heisenberg-Zustand eine Neigung oder Tendenz für das Ereignis, eben diese Form anzunehmen.

Die Wahl zwischen den einander ausschließenden möglichen Formen wird dabei als völlig vom "reinen Zufall bestimmt" gedacht, der durch jene Tendenzen beeinflusst wird.

Gruß, grtgrt
 

  Beitrag 1915-6
Definition des Begriffes "atomare Zustandswelle"

 
 
H... in 1915-4:
Grtgrt in 1915-1:
[/list
  • Die Wellenfunktion jedes Quantensystems ist Summe der Wellenfunktionen einzelner Quanten.
Superposition? d'Accor

Grtgrt in 1915-1:
  • Die Wellenfunktion jedes Quantums Q ist eine Summe von Wellenfunktionen, deren jede genau einen Zustand darstellt, in dem sich Q zeigen kann (jede dieser Wellenfunktionen nenne ich eine atomare Zustandswelle).

Hm, was meinst du? Ich versuche es mal mit dem (etwas verkürzten) 1x1 der QM:
sein F der zu einer phys. G. gehörige Operator, φ der Zustandsv. (Wellenfkt.), dann bekommt man scharfe Werte, wenn
gilt (F - F) φ = 0 (falls mittl. qu. Abw. der Zustände 0). D.h. die Eigenfunktionen φ des Operators sind die messbaren
Zustände, die man messen kann, nicht muss (und genau die und keine anderen!!!).

Hi H...,

vielen Dank für diese Klarstellung.

Sie zeigt mir, dass das, was ich eine atomare Zustandswelle nenne, in Wirklichkeit eine jener Eigenfunktionen ist.

Beste Grüße,
grtgrt
 

  Beitrag 1915-7
Erklärung der transzendenten Dimensionen unserer Welt

 
 
H... aus 1915-4:
Grtgrt aus 1915-1:
[/list
  • Wo Q einen Punkt der Raumzeit betritt oder verlässt, zeigt Q sich in genau einem dieser Zustände.
  • Jedes Elementarereignis erzeugt und/oder vernichtet Zustandswellen.

Hier wäre interessant, was betreten heisst und von WO kommt Q?

Es gibt ja eigentlich nichts weiter ausser der Raumzeit. Diese ist durch gewisse Energiezustände charakterisiert.
Nun kann es durch wohlbeschreibbare Fluktuationen passieren, dass ein Teil der vorhandenen Energie sich in ein Partikel/Antipartikel formt
und sofort wieder zerstrahlt. Casimir hat dies ja sogar exp. dingfest gemacht.

Hi H...,

mein Wort betreten steht für das Kollabieren der Wahrscheinlichkeitswelle und soll daran erinnern, dass man hier die transzendente Welt möglicher Alternativen verlässt und so hineintritt in die materielle Wirklichkeit des (durch die Raumzeit modellierten) Universums.

Die Frage, woher das Quantum Q kommt, ist die eigentlich interessante — ich beantworte sie wie folgt:
  • Das Universum scheint über die 4 uns bekannten Dimensionen hinaus weitere, rein konzeptuelle Dimensionen zu haben (in denen dann die durch Heisenberg so bezeichneten " Neigungen" und " Tendenzen" als transzendente Größen existieren).
  • Das Betreten der materiellen Wirklichkeit des Universums entpräche dann dem Projezieren der 4+N-dimensionalen Gesamtwelt auf einen der Raumzeit ent­sprechenden 4-dimensionalen Raum, den man zu sehen hätte als jene Teilmenge der Menge aller Punkte der Gesamtwelt, die in Dimension 5 bis 4+N identischen Koordinatenwert haben — eben jenen Wert, welcher dem Zustand entspricht, zu dem hin die Wahrscheinlichkeitswelle kollabiert (und der das Quantum Q enthält).
  • Jede Projektion in diesem Sinne ließe sich auffassen als genau eine der Welten des Hugh Everett III.

Beste Grüße,
grtgrt

PS: Die Dimensionen 5 bis 4+N sollte man als die transzendenten Dimensionen unserer Welt bezeichnen. Sie scheinen rein konzeptueller Art zu sein (und sind wohl das, was wir als mathematische Gesetzmäßigkeiten kennen, genauer: z.T. kennen).

 

  Beitrag 1942-30
Die Natur als Materie erschaffender Computer

 
 
Irena aus 1942-29:
 
wenn man beginnt, sich mit der Deutung der Information zu beschäftigen, kommt man zum Schluss, dass die Erklärung der Information als alleinigen Gründer der Materie unsinnig ist. Weil die Information immer mit einer Deutung komplementär ist.

Hallo Irena,

im Grunde genommen, muss man die folgenden 4 Begriffe nebeneinander stellen:
  • Daten (als Form, in der uns Information — irgendwie kodiert — erreicht),
  • diese Information selbst,
  • ihre Deutung
  • und die aufgrund der Deutung erfolgende Reaktion auf jene Information.

Zunächst ist festzustellen:
  • Ein und dieselbe Information kann in Form verschiedener Daten vorliegen (kann also verschieden kodiert und transportiert sein).
  • Geeignetes Abstrahieren von diesen Formen liefert uns die Information selbst (sofern wir beim Dekodieren keinen Fehler machen).
  • Jene Information zu deuten bedeutet dann nichts anderes, als zu versuchen, sich all ihre Konsequenzen auszumalen (formal gesprochen: Deutung = Übergang zur transitiven Hülle). Da jenen Übergang zu finden, schwierig sein kann, wird man dabei i.A. Fehler machen — und wenn es nur der Fehler ist, einige Konsequenzen schlichtweg zu übersehen.
  • Der Wissensstand, bei dem man so angelangt ist, triggert dann eine Reaktion, die die Realität verändert und so zu neuen Daten führt.

Diesen Zyklus immer und immer wieder zu gehen, bezeichnet man als Informationsverarbeitung — was nichts anderes als ein Prozess ist, der schrittweise Daten entgegennimmt und schrittweise Reaktion darauf erzeugt.

Der den Prozess treibende Mechanismus — ein Mensch, oder die Natur selbst — funktioniert nicht voll deterministisch.

Das wiederum hat zur Folge, dass die Reaktion durch die eingehenden Daten nicht wirklich eindeutig definiert ist (als Mensch macht man Fehler, als Natur funktioniert man im Kleinsten absolut zufällig, liefert also für unteilbare Ereignisse zufällige Reaktion, die statistisch gesehen aber dennoch wieder durch existierende Information ψ beschrieben ist).

Der Korridor der Möglichkeiten, die so zu Realität werden können und teilweise auch werden, ist demnach durch ψ — die Wellenfunktion des Universums — beschrieben und eingegrenzt.

Die Natur — als der Mechanismus, der den Prozess abarbeitet — ist gegeben durch die 4 Grundkräfte. Sie, so vermutet man heute, könnten auf eine einzige Kraft zurückführbar sein, die man dann — so meine ich — gut als den "Geist" der Natur sehen könnte.

Materie wird dann also letztlich — so wie in Beitrag 1924-1 beschrieben — durch jenen "Geist" geschaffen.


Gruß, grtgrt
 

  Beitrag 1917-1
Lothar Schäfers Weltmodell (und sein entscheidender Schritt)

 
 

Wie uns Philosophie hilft, den Kosmos zu verstehen


Was ich als philosophische Erkenntnis bezeichne ist eine Meinung, die sich über lange Zeit hinweg mindestens einer Person mehr und mehr aufgedrängt hat, die mindestens eine Person immer wieder erwogen, mit Hilfe streng logischer Argumentation kritisch überdacht, mit anderen Meinungen verglichen, dann aber doch als einzig plausiblen Standpunkt eingestuft hat.

Eine so entstandene Überzeugung ist deutlich mehr als nur eine Meinung unter vielen: Sie ist wenigstens diesem Menschen eine Art Erleuchtung, obgleich auch er sie nicht wirklich beweisen kann.


Wer philosophische Erkenntnisse ignoriert, ist selten gut beraten.

Ein uns alle angehendes Beispiel ist Kants Überzeugung, dass der Mensch Zweck an sich ist (und daher nie nur als Mittel zum Zweck benutzt werden darf):

Zitat von Kant (1785):
 
Jeder Mensch, und überhaupt jedes vernünftige Wesen,
existiert als Zweck an sich
und keineswegs nur als Mittel zum beliebigen Gebrauche für diesen oder jenen Willen.

 

Zitat von Kant:
 
Handle so, dass du die Menschheit — sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen — jederzeit zugleich als Zweck,
niemals [aber bloß als Mittel brauchest.

 

Zitat von Lothar Schäfer (2004):
 
Kants Imperativ enthüllt die akute Immoralität unseres heutigen Gesellschaftsystems. Wir stehen dauernd unter dem Druck der Verderber: im Geschäftsleben wie in der Politik sind wir ständig gefordert, Menschen nur als Mittel zum Zweck zu betrachten.
 


Dass philosophische Erkenntnisse sehr wertvoll sein können (wie dieses Beispiel zeigt), ist eine Sache.

Eine ganz andere aber ist, dass – wo es um Naturwissenschaft geht – oft völlig unklar bleibt, wie man der Philosophen Aussage zu interpretieren hat, damit sie uns zur Erleuchtung wird.

Schlimmer noch: selbst der Philosoph selbst, weiß das oft nicht wirklich. Es scheint vielmehr so zu sein, dass besonders tiefe Wahrheiten sich auch ihm nur einen kurzen Augenblick lang offenbaren. Er kann so eine Wahrheit dann nicht mehr vergessen, weiß jetzt, dass sie existiert, kann sie aber doch nicht weiter greifbar machen.


Gutes Beispiel dafür mag George Berkely’s Erkenntnis sein:

esse est percipi   ( zu sein bedeutet wahrgenommen zu werden ).


Wie einige andere Philosophen sein Werk in allzu vielen Worten interpretieren, geht meiner Meinung nach völlig an dem vorbei, was sich ihm da einen kurzen Moment lang als tiefe Wahrheit gezeigt haben mag. Treffender zu interpretieren scheint ihn Lothar Schäfer, der denkt:


Berkely ist der Meinung, dass alles, was wirklich existiert, eine Art Bewusstsein hat.

Damit sagt er umgekehrt, dass wo immer wir ein Ding wahrnehmen, welches KEIN Bewusstsein zu haben scheint,
wir es in seiner wirklichen Existenz noch gar nicht gesehen, geschweige denn begriffen haben.


Nehmen wir also mal an, das betrachtete Ding sei der Stuhl, auf dem ich eben sitze. Hat der ein Bewusstsein? Wohl nicht (würden wir meinen). Also, so sagt Berkely, ist das, was ich sehe, wenn ich ihn fühle, greife, betrachte nur eine durch mich selbst produzierte Illusion — eine Art Abstraktion könnte man sagen. Sie zeigt ihn nur projeziert in meine eigene gedankliche Welt.

Und tatsächlich: Ein Physiker wie Heisenberg etwa, sieht jeden Stuhl ganz sicher auch als ein Quantensystem, woraus ihm dann sofort klar wird, dass der Stuhl eine wesentlich weniger materielle Existenz hat als er sie in den Augen dessen hat, der ihn gerade als Sitzgelegenheit benützt. Kann man sich dann aber nicht mit Recht fragen, ob nicht vielleicht auch Heisenbergs Vorstellung von der Natur der Existenz des Stuhls noch sehr weit von der entfernt ist, die des Stuhles wirklich wahre ist — jene also, in der er dann tatsächlich Bewusstsein haben könnte?


Hier angekommen, wird so mancher versucht sein zu sagen: Wenn wir nicht wissen, was eine ganz bestimmte Aussage eines Philosophen denn nun genau bedeutet — und wenn er selbst noch damit kämpft, sie zu verstehen — mache es wohl keinen Sinn, sich länger damit zu befassen.

So zu denken aber wäre falsch, wie uns gleich drei Beispiele zeigen:

  • Chemiker und Physiker des 19. Jahrhunderts haben Demokrits Atomtheorie – sie geht eigentlich zurück auf seinen Lehrer Leukippos (etwa 500 v.Chr.) – neu ausgegraben und konnten sie erstaunlich genau bestätigen. Wer mir das nicht glaubt, der wird es sicher Heisenberg glauben.
  • Und Heisenberg gibt gleich noch ein zweites Beispiel: "Die Wahrscheinlichkeitswelle von Bohr, Kramer und Slater ... bedeutete so etwas wie eine Tendenz zu einem bestimmten Geschehen. Sie bedeutete die quantitative Fassung des alten Begriffes der » Potentia« in der Philosophie des Aristoteles."
  • Noch erstaunlicher: Parmenides (geboren um 530 v.Chr.) lehrte: "Die Welt, in der wir zu leben glauben, ist die vermeintliche Welt der Sinneswahrnehmungen; die Welt ist nur Meinung ...". Und genau das bestätigt uns im 20. Jahrhundert der Physiker Niels Bohr.

Wir sehen: Die moderne Physik bestätigt mehr und mehr die schon recht alte Erkenntnis, dass

wir die Welt und deren Bedeutung noch gar nicht kennen,
sondern dass ALLES um uns herum nur Vorstellung und Illusion ist.


Wo aber stehen wir dann? Sind wir beim Versuch, die Welt zu verstehen, in eine Sackgasse gelangt? Es sieht nicht so aus:


Der Astrophysiker und Mathematiker Sir James Jeans (1877-1946) schrieb 1931:

Zitat:
 
Man kann sich das Universum am besten ... als aus einem reinen Gedanken bestehend vorstellen, wobei wir den Gedanken woran, mangels eines umfassenden Wortes, als den eines mathematischen Denkers beschreiben müssen ...

Das Universum sieht immer mehr wie ein großer Gedanke aus als wie eine große Maschine. Geist erscheint nicht mehr wie ein zufälliger Eindringling in das Reich der Materie, sondern wir fangen an, Verdacht zu schöpfen, dass Geist Schöpfer und Herrscher im Reich der Materie ist — natürlich nicht unser eigener individueller Geist, sondern der, in dem die Atome als Gedanken existieren, aus denen unser eigenes Bewusstsein gewachsen ist ...

Wir entdecken, dass das Universum Hinweise auf eine planende und kontrollierende Kraft offenbart, die etwas mit unserem individuellen Geist gemein hat.
 

Ist Jeans dann aber mit diesem Verdacht nicht schon ganz nahe an dem, was George Berkely mit seinem esse est percipi wohl erahnt hat?


Meiner Ansicht nach, könnte der nächste große Schritt, den Philosophen und Physiker sich wünschen gehen zu können, sehr wohl über das Weltbild des Lothar Schäfer führen. Wenn ich ihn richtig verstehe, lässt es sich so zusammenfassen:



Lothar Schäfers philosophische Meinung


Schäfer, ein Professor für Physik in Arizona, nicht der gleichnamige Philosoph, sieht drei Wurzeln unseres Wissens:
  • das Erfahren, Beobachten und Interpretieren der raumzeitlichen Wirklichkeit,
  • den gezielten Gebrauch unserer Vernunft in Übereinstimmung mit jedem anerkannten Gesetz logischen Denkens,
  • daneben aber auch die epistemischen Prinzipien des sich selbst bewussten Geistes (der mindestens uns, möglichwerweise aber sogar dem gesamten Kosmos Bewusstsein verleiht).
    Man beachte: Schäfer spricht hier von epistemischen (nicht aber von epistomologischen) Prinzipien. Was er als dritte Quelle unseres Wissens sieht, ist demnach all das, was logische Konsequenz dessen ist, was unser "sich selbst bewusster Geist" als "ganz offensichtlich wahr" einstuft.

Schöpfend aus diesen 3 Quellen des Wissens kommt Schäfer zu einem Weltbild, welches das von Bohr und Heisenberg um einen, wenn er denn richtig sein sollte, ganz entscheidenden Schritt weiter denkt (in Punkt 3):
  • Die Grundlagen der materiellen Welt sind nicht-materiell.
  • Fast alle Dinge sind aufgebaut aus Dingen, die weit weniger konkret sind als sie selbst.
  • Über quanten-physikalische Experimente haben wir Zugang zu einer anderen Wirklichkeit gefunden: Sie könnte die Welt der platonischen Ideen sein.
    Hinweis: Die platonische Idee — das sollte man wissen — bezeichnet kein mentales Erzeugnis, keinen Einfall oder Gedanken. Platon geht davon aus, dass die Welt, wie sie vom Menschen sinnlich wahrgenommen wird, einem eigenständig existierenden Reich sog. Ideen nachgeordnet ist, welches einen Teil unserer Welt darstellt, den man nur auf geistigem Weg erkennen und erforschen kann, da alles dort Existierende sinnlicher Wahrnehmung entzogen sei [also nicht Gegenstand der Experimentalphysik sein kann .

Schäfers gedanklicher Weg ist bemerkenswert, da er uns hin zu einem Punkt führt, an dem man nicht mehr wirklich ausschließen kann, dass unser Universum — eher noch der gesamte Kosmos — eine überaus wichtige transzendente Dimension hat, die
  • Ideen ( Konzeption) im Sinne Platons darstellt
  • und vielleicht sogar dem gesamten Kosmos wirklich eine Art Bewusstsein gibt.

Schäfer meint: Die Annahme, das das menschliche Bewusstsein einfach nur Fortsetzung eines kosmischen Bewusstseins sein könnte, würde einige Rätsel erklären, darunter z.B.

Wenn, wie Schäfer da vermutet, der menschliche Geist tatsächlich Teil eines kosmischen Bewusstsein sein sollte, so würde das erklären, warum gewisse Denkergebnisse griechischer Philosophen sich zwei Jahrtausende später als so erstaunlich richtig erwiesen.


Gebhard Greiter (grtgrt)

PS: Ich würde mich freuen, wenn gerade zu diesem Thema hier im Forum eine wirklich lebhafte Diskussion entstünde.

 

  Beitrag 1992-1
Die Welt besteht aus Vergangenheit, Gegenwart und Varianten möglicher Zukunft

 
 
Anton Zeilingers Buch "Einsteins Schleier" endet mit folgendem Argument (hier gekürzt wiedergegeben):

    Ludwig Wittgenstein beginnt seinen berühmten Tractatus Logico Philosophicus mit der Aussage:
     
    Zitat von Wittgenstein:
     
    Die Welt ist alles, was der Fall ist.
     
      Nun kann man aber in der Quantenmechanik nicht nur Aussagen darüber treffen, was der Fall ist, sondern auch Aussagen darüber, was der Fall sein kann, genauer: was der Fall sein könnte. Selbstverständlich sind diese Aussagen auch Teil der Welt.
        Daher ist die Welt mehr, als was Wittgenstein meint, und so beendet Zeilinger sein Buch mit der Wittgenstein korrigierenden Aussage:  
         
        Zitat von Zeilinger:
         
        Die Welt ist alles, was der Fall ist, und auch alles, was der Fall sein kann.

      Damit aber — so lese ich das — sagt Zeilinger schon fast dasselbe wie Hugh Everett III mit seiner Viele-Welten-Theorie.

      Beide schießen damit weit übers Ziel hinaus, denn es gilt ja ganz offensichtlich:


        Die Welt besteht aus Vergangenheit, Gegenwart, und Varianten möglicher Zukunft.
        • ein Teil der Gegenwart zu weiterer Vergangenheit wird,
        • ein winziger Teil der möglichen Zukunft — eine unter mehrereren Alternativen — diesen Teil der Gegenwart ersetzt,
        • und die Varianten möglicher Zukunft sofort entsprechend neu konzipiert sind.


      Nach Everett wäre die Welt einem Baum vergleichbar, bei dem aus jeder Knospe schließlich ein Ast wird. Tatsächlich aber ist unsere Welt einem Baum vergleichbar, bei dem ein Gärtner dafür sorgt, dass nur einem ganz kleinen Teil aller möglichen Zweige und Äste gestattet wird, tatsächlich Wirklichkeit zu werden: Vergangenheit und Gegenwart sind genau eine, sich ständig erweiternde Version des Baumes, alles sonst ist nur sich ständig neu definierende  P o t e n t i a  (im Sinne Heisenbergs).

      Man sollte sich darüber klar sein, dass der Teil unserer Welt, der aus Zukunftskonzeption besteht, vergleichsweise klein ist: Er besteht nur aus dem Überlagerungszustand, den die Gegenwart kennt, d.h. aus dem Wissen, das die eben gültige Wellenfunktion unseres Universum darstellt (wenn wir es als Quantensystem betrachten). Wir alle wissen, wie schnell dieses Wissen veraltet. Es beschreibt letzlich nur  v o r h e r s e h b a r e  Alternativen unmittelbar bevorstehender Zukunft.


      Gebhard Greiter (grtgrt)


      PS: Das Bild von den » Varianten möglicher Zukunft «, die durch Elementarereignisse real, obsolet, und fortgeschrieben werden, scheint mir klarer und hilfreicher als die ent­sprechenden Bilder von Niels Bohr und C.F. v. Weizsäcker, die Thomas Görnitz auf Seite 117 seines Buches "Die Evolution des Geistigen" so charakterisiert:


      Zitat von Görnitz:
       
      Bohr hatte vollkommen zutreffend erkannt, dass die Quantentheorie kein Entstehen von Fakten — und somit auch kein Messergebnis — beschreiben kann. Das macht aus seiner Sicht die Beteiligung eines klassischen Systems am Messvorgang zwingend erforderlich. Da wir Menschen uns normalerweise als faktisch existent erleben, wählte Bohr den "Beobachter" als das klassische System, das die Fakten erzeugen kann.

      Die Quantenmöglichkeiten werden als  m ö g l i c h e s  W i s s e n  verstanden, und beim Erwerb von neuem Wissen [ der mögliches Wissen zu faktischem Wissen macht, ] ändert sich das vorherige Wissen sofort.

      Zitat von Görnitz:
       
      Weizsäcker betonte die Quantentheorie als Theorie  m ö g l i c h e n  Wissens, das durch eine Kenntnisnahme (Messung) sofort verändert wird.


      Zitat von Gebhard Greiter:
       
      Neben Beobachter und Messung stets auch den Begriff Elementarereignis parat zu haben, macht es leicht, durch Menschen wahrnehmbare Objekte ganz klar als das zu erkennen, was sie sind: eine Art Film:

      Physikalische Objekte existieren nicht in klassischer Form — sie  z e i g e n  sich nur in dieser Form (dann nämlich, wenn ein Elementarereignis passiert und zur Folge hat, dass aus dem Objekt Quanten in seine Umgebung entkommen. Sie sind es, was wir sehen bzw. registrieren, und so den Eindruck gewinnen, das Objekt selbst sei sichtbar und würde klassisch existieren).

      Die Tatsache, dass pro Sekunde wahnsinnig viele solche Ereignisse passieren, suggeriert uns den Eindruck eines stehenden "Bildes" (eben ganz so, wie wir ja z.B. auch das durch eine gute Fernsehkamera erzeugte Bild eines sich gerade NICHT bewegenden Gegenstandes als stehend empfinden, obgleich doch in Wirklichkeit all die Pixel, aus denen es sich zusammensetzt, pro Sekunde öfters neu geschrieben werden als unsere Augen noch unterscheiden können).
       

       

        Beitrag 1972-87
      Was ist ein Elementarereignis?

       
       

      Was man unter der Kollision zweier Elementarteilchen versteht


      Genau dann, wenn zwei Elementarteilchen einander zwingen, gemeinsam dekohärent zu werden
      ( d.h. zu verschmelzen und sich neu aufzuteilen )
      sagt man, sie kollidieren.



      Siehe auch: Lebenszyklus eines Elementarteilchens

       

        Beitrag 1986-1
      Lebenszyklus eines Elementarteilchens

       
       

      Zum Lebenszyklus von Elementarteilchen

      und

      wie makroskopische Objekte dekohärent werden (und sich so fortentwickeln)



      Es ist vernünftig, sich vorzustellen, dass jedes Elementarteilchen
      • durch ein Elementarereignis erzeugt wird
      • und im nächsten Elementarereignis, an dem es beteiligt ist, stirbt.

      Ein Elementarereignis in diesem Sinne ist ein Ereignis E, welches
      • zwei virtuelle Teilchen (solche mit extrem kurzer Lebensdauer und entgegengesetzter Ladung) aus dem Nichts entstehen lässt
      • oder Kollision von Elementarteilchen (sein Input ist dann eine Menge sich allzu nahe kommender Elementarteilchen, sein Output ist eine andere Menge von Elementarteilchen).

      Mit anderen Worten:

      Jedes Elementarereignis E ersetzt eine Menge von Elementarteilchen durch eine andere.

      Eine – und nur eine – dieser beiden Mengen kann leer sein (recht oft aber sind beide nicht leer).


      Obgleich die Teilchen in Output( E ) denen in Input( E ) oft recht ähnlich sind, sollte man sie dennoch als neue Teilchen begreifen, die als Ersatz der alten ins Leben gerufen werden.

      Alle Elemente von Output( E ) existieren zunächst in einem Überlagerungszustand. Erst wenn so ein Teilchen mit anderen kollidiert, — interagiert —, konkretisiert sich sein Zustand (die Kopenhagener Deutung nennt das den Zusammenbruch der Wellenfunktion des Teilchens, in modernerer Sprache sagt man stattdessen auch, das Teilchen werde dekohärent). Der Wert der Eigenschaften, die so als einziger und zugleich letzter Zustand des Teilchen dem Beobachter erfahrbar werden, sind sozusagen die einzige Äußerung, mit der das Teilchen sich seiner Umgebung mitteilt.


      Makroskopische physikalische Objekte O, solche also, die aus mehr als nur einem Elementarteilchen bestehen, werden schrittweise und ständig neu dekohärent. Jeder solche Schritt besteht darin, dass ein zu O gehörendes Elementarteilchen dekohärent wird (sich also ersetzt durch andere bzw. durch ein anderes, ihm sehr ähnliches).

      Beispiel: Wenn ein Elektron eine Moleküls mit einem daherkommenden Photon hinreichend hoher Energie kollidiert, kann es vorkommen, dass das Elektron ersetzt wird durch eines in einem höheren, also energiereicheren Orbital des Moleküls (oder Atoms). Das Photon hört auf zu existieren oder wird ersetzt durch ein weniger energiereiches.


      Aus ein und demselbem Elemetarereignis hervorgehende Elementarteilchen e1 und e2 werden oft (aber – wie man heute erkannt zu haben glaubt – nicht immer) miteinander verschränkt sein. Verschränkung ist eine Art Verwandtschaftsbeziehung, die bewirkt, dass, wenn e1 dekohärent wird, e2 ohne jede Verzögerung in einen Zustand gerät, der bewirkt, dass wenn e2 irgendwann auch dekohärent wird, der Wert des Zustandes, in dem es sich e2 dann zeigt, korrelliert ist zu dem, in dem sich vormals e1 gezeigt hat.

      Man könnte also sagen: Sind e1 und e2 miteinander verschränkte Elementarteilchen, und wird e1 dekohärent, so wird e2 virtuell dekohärent, existiert aber weiter (virtuell, d.h. immer noch in einem Überlagerungszustand). Dies gilt unabhängig davon, wie weit e1 und e2 von einander entfernt waren, als e1 dekohärent wurde (und so seine Existenz beendet hat).


      Gebhard Greiter (grtgrt)