D i s k u s s i o n


 Beitrag 0-235
Gedanken und Körper — Wie sich Görnitz ihre Interaktion erklärt

 
 

 
Biologische Gehirne im Lichte der Quantenphysik


 
System-Isolation

 
und wie es kommen könnte, dass

 
Körper und Gedanken wechselwirken

 
 
Aus Sicht klassischer Physik sind Systeme nur dann isoliert, wenn sie sich räumlich nicht durchdringen, noch besser: wenn sie rämlichen Abstand von einander haben.
 
Ganz anders in der Quantenphysik: Hier gelten zwei Systeme als isoliert voneinander, wenn ihnen Wechselwirkung unmöglich (bzw. weitgehenst unmöglich) gemacht wurde. Dies kann auch dann der Fall sein, wenn sie sich räumlich durchdringen. Bestes Beispiel hierfür ist durch eine Glasfaser gesandtes Licht.
 
Nur isolierte Quantensysteme werden sich nicht miteinander verschränken, denn: Jede Wechselwirkung erzeugt Verschränkung.
 
Görnitz stellt fest: Messbar sind Hirnaktivitäten, nicht aber die Gedanken selbst. Dies bringt ihn zur Vermutung, dass Gedanken von der materiellen Welt isolierte Quantensysteme seien. Mich erinnert das ein bisschen an Sheldrake These morphogenetischer Felder.
 


Thomas und Brigitte Görnitz:
 
Auf jeden Fall kann davon ausgegangen werden, dass die im Bewusstein und auch die im Unterbewussten vorhandene Information sich mit den Zuständen des Körpers verschränkt.
 
Durch solche Wechselwirkung wird für das den Gedanken darstellende Quantensystem die Isolation vom Körper aufgehoben. Beider Zustände werden aneinander gekoppelt [zueinander korrelliert].
 
Betrachten wir z.B. die Sehwahrnehmung: Jedes einlaufende Photon bewirkt einen Quantenabsorptionsprozess im Sehpurpur der Netzhaut: eine irreversible Reaktion, die quantenphysikalischer Messprozess ist. Aufgrund durch ihn geschaffener Fakten werden Signale ins Gehirn gesandt, die dort Wirkungen auslösen, die selbst wieder Messprozesse sind und daher Fakten schaffen. Im dortigen Nervengewebe können so weitere Quantenzustände erzeugt werden, die z.B. mit anderen Zuständen aus dem Gedächtnis — mit Erinnerungen — abgeglichen werden.
 
Da jeder Gedanke (wenn er tatsächlich Quantensystem sein sollte) nicht nur lokal existiert, kann das zu Wechselwirkung zwischen ihm und anderen Teilen des Gehirns führen.
 
Mit entsprechend viel kleinerer Wahrscheinlichkeit sogar zu Wechselwirkung zwischen ihm und anderen Objekten unserer Welt (d.h. nicht nur mit solchen, die Teil des Körpers sind, von dessen Gehirn wir hier sprechen.
 
 
Lies auch: M. Spitzer: Ketchup und das kollektive Unbewusste, Schattauer (2001).

 


 
Quelle: Thomas & Brigitte Görnitz: Der krative Kosmos, Spektrum-Verlag (2002), Kap. 12.2


 

 Beitrag 0-238
Wie die Gehirne biologischer Lebewesen funktionieren

 
 

 
Wie unser Gedächtnis funktioniert

 
 
Wer Information aus einem Datenspeicher abruft, erhält sie in physikalisch klassischer Form, d.h. als Kopie des Originals, welches sich dadurch nicht verändert.
 
Wo nun aber Lebewesen aus ihrem Gedächtnis Information abrufen, wird sie als Zustand eines Quantensystems abgerufen, so dass — wie das No-Clonig Theorem zeigt — dass der abgerufene Gedächtnisinhalt, der uns dann als klassische Information bewusst wird, nicht mehr voll dem Original entspricht:
 
 
Was in unserem Bewusstsein ankommt, sind Fakten (Ergebnisse quantenphysikalischer Messprozesse im Gehirn).
 
 
Diese Fakten sind "Schatten" quantisierter Zustände des Gehirns.


Görnitz (2002):
 
Wo Information als Zustand eines Quantensystems abgerufen wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Abruf sie nicht verändert, praktisch Null.
 
In der Regel darf man dann erwarten, dass bei einer Wiedereinspeicherung diese Information in leicht veränderter Version ins Gedächtnis zurück gelangt.

 
Dies hat zur Folge, dass schon jeder Abruf einer Erinnerung einen Umbau der Gedächtnisinhalte zur Folge hat (der neurochemisch sogar nachweisbar ist).
 
Solch dynamische Bearbeitung und Veränderung unserer Gedächtnisinhalte findet ständig statt und zu großen Teilen unterbewusst.
 
Ein wichtiger Teil aller Traumarbeit dürfte darin bestehen, neu gewonnene Erfahrungen in schon vorliegende Gedächtnisinhalte zu integrieren und all das zu einem Gesamtgebilde zu verarbeiten.
 
Fazit also:
     
  • Jedes Aktivieren von Gedächtnisinhalten — auch unbewusstes — erlaubt deren Veränderung und so z.B. die Bearbeitung traumatischer Schädigungen: Durch vom Therapeuten provoziertes Sprechen über ein Problem wird die gespeicherte Information aktiviert. Sie zu formulieren und auszusprechen schafft Fakten, bedeutet also Messung. Da dies den quantenphysikalischen Zustand des Gedächtnisträgers verändert, geht manches verloren und wird anderes, nun neu bewertet, abgespeichert.
     
  • Die messbaren Impulse im Gehirn haben physikalisch alle gleiche Struktur und sind in gewissem Sinne ununterscheidbar. Ein und derselbe elektrische Impuls kann als optischer oder akustischer Reiz wahrgenommen werden. Hier wird deutlich, dass unser Bewusstsein abstrakte Information je nach Umgebung verschieden interpretiert.
     
  • Damit ist auch klar, dass ein EEG keine Gedanken lesen kann, sondern nur dokumentiert, zu welcher Zeit welche Bereiche des Gehirns deutlich aktiver als andere waren.

 


 
Quelle: Thomas & Brigitte Görnitz: Der krative Kosmos, Spektrum-Verlag (2002), S. 309-311


 

 Beitrag 0-288
Unsere unglaublich hohe Gehirnkapazität

 
 

 
Unsere unglaublich hohe Gehirnkapazität

 
 
Wir können versuchen, uns die Zahl möglicher Verknüpfungen von Nervenzellen in einem menschlichen Gehirn zu veranschaulichen:
     
  • Jede Nervenzelle unseres Gehirns kann mit etwa 10 000 anderen verknüpft sein.
     
  • Die Menge an Information, die durch ein System von N miteinander verknüpfter Zellen darstellbar ist, wird aus wenigstens M Bits bestehen, wo M die Zahl der unterschiedlichen Verknüpfungsvarianten dieser N Zellen ist.
     
    Leicht nachzurechnen ist:
     
    • Für N = 2 gibt es genau 2 unterschiedliche Verknüpfungsgeflechte.
       
    • Für N = 3 sind es 8 (denn zwischen 3 Punkten kann man auf 3 Arten 1 Linie ziehen, auf 3 Arten 2 Linien, und auf jeweils 1 Art 3 Linien oder gar keine).
       
    • Bei 4 Punkten kommen wir schon auf 64 Möglichkeiten,
       
    • bei 5 auf 1024,
       
    • bei N = 24 aber schon auf eine Anzahl, die größer ist als die Zahl aller Atome im beobachtbaren Universum.
       
    • Für N = 10 000 schließlich ist M von einer einfach nicht mehr vorstellbaren Größe.

     
    Nun enthält unser Gehirn aber nicht nur ein solches Geflecht, sondern bis zu 10 Millionen davon
     
    (denn es enthält zwischen 10 und 100 Milliarden Nervenzellen).

 
 
Obgleich nun aber hochentwickelte Gehirne die kompliziertesten und kunstvollsten Gebilde im gesamten Universum zu sein scheinen, scheint die Evolution — als dessen Ergebnis sich alles ergibt — doch nur von zwei recht einfachen Mechanismen gesteuert zu sein:
     
  • Der erste: Da hoch symmetrische Zustände oft instabil sind, kommt es ständig zum Zerfall stabiler, symmetrischer Konfigurationen des Universums in stabilere, dafür aber weniger symmetrische. Dies erklärt gut die ständig steigende Vielfalt unterschiedlicher Objektarten.
     
  • Der zweite: Was genau sich — ausgehend von einem bestimmten symmetrischen Zustand in einen weniger symmetrischen — als resultierende Form ergibt, wird durch Wahrscheinlichkeiten gesteuert. Die besonders wahrscheinlichen neuen Formen ergeben sich besonders häufig [was z.B. erklären könnte, dass alle Blätter eines Baumes i.W. gleiche Form bekommen].


 

  Beitrag 2073-10
Unser Gehirn — auch nur ein Computer?

 
 
Harti in 2073-9:
Grtgrt in 2073-8:
 
Auf jeden Fall ist Zeit nichts, mit dem irgend ein Beobachter interagieren könnte. Zeit ist, in welchem Kontext auch immer, ein Abstraktum.

Hallo Grtgrt,

könnte man die Vorstellung (den Begriff) "Zeit" auch als ein Gedankenkonstrukt bezeichnen ?
Oder in Anlehnung an einen Computer unser Gehirn als Hardware und die Vorstellung von Zeit als Software ?

Unsere Vorstellung (unser Gefühl von) Zeit wäre dann ein Programm unseres Gehirns, mit dem wir die Veränderungen in der Natur erfassen. Ein anderes Programm wäre die Vorstellung von Raum.
 


Nun, Harti,

so habe ich es noch nie gesehen — dennoch scheint mir das durchaus Sinn zu machen, denn:
  • ein Abstraktum ist etwas durch Gedanken Konstruiertes (ein Gedankenkonstrukt),
  • und unser Gehirn scheint mir schon mit einen Computer vergleichbar:
    • Gehirnmasse ist ganz klar Hardware.
       
    • Als seine Software würde ich darin gespeicherte Erfahrungen sehen,
       
    • wobei gedankliche Konstrukte — als Denkergebnisse — zunächst mal Rechenergebnissen entsprechen (die man natürlich selbst wieder als Erfahrung nutzen kann. Und tatsächlich: Auch bei einem normalen Computer kann Software ja in beiden Rollen auftreten: erst als Rechenergebnis eines Programmgenerators, später dann dann als Programm, welches etwas errechnet).

Denken und Rechnen könnten so tatsächlich von gleicher Qualität sein — wenn da nicht noch Kreativität wäre, von der wir nicht wissen, wie sie in unserem Kopf zustande kommt. Bis das geklärt ist, muss man wohl annehmen:

Denken   =   Rechnen (Regelabarbeitung)   +   Zulassen von Ergebnismutation (Kreativität)

 
Gruß, grtgrt