Über Evolution

   





D i s k u s s i o n


 Beitrag 0-278
Evolution scheint mehr zu sein als nur blindes Experimentieren

 
 

 
Evolution dürfte mehr sein als nur Zufall und Auslese

 


Niels Bohr (etwa 1930, wie Heisenberg sich erinnert):
 
Die Darwinsche Theorie enthält zwei unabhängige Aussagen:
     
  • Die eine behauptet, dass im Prozess der Vererbung immer neue Formen ausprobiert werden, von denen die meisten äußerer Umstände wegen nicht überlebensfähig sind.
     
    Empirisch gesehen dürfte das richtig sein.
     
  • Es wird aber zweitens auch angenommen, dass die neuen Formen durch rein zufällige Störungen der Genstruktur zustande kommen.
     
    Diese zweite These ist — auch wenn wir uns nur schwer etwas anderes vorstellen können — eher problematisch:
     
    Es kann zwar über hinreichend lange Zeit alles Mögliche auch tatsächlich rein zufällig entstehen — doch ist diese Aussage nur richtig, wenn unbeschränkt viel Zeit zur Verfügung steht: weit mehr Zeit als die nur 15 Mrd. Jahre, die seit dem Urknall vergangen sind.
     


 
Der Mathematiker von Neumann dachte ähnlich: Einem Biologen, der überzeugter Anhänger des Darwinismus war, hat er es einmal klar zu machen versucht, indem er ihn an Fenster führte und sagte:
 
    Sehen Sie dort drüben auf dem Hügel das hübsche weiße Landhaus? Es ist durch Zufall entstanden: Im Lauf der Millionen Jahre hat sich geologischer Prozesse wegen der Hügel gebildet, Bäume sind gewachsen, morsch geworden, zerfallen und wieder gewachsen; der Wind hat gelegentlich die Spitze des Hügels mit Sand bedeckt, Steine sind – vielleicht durch einen vulkanischen Prozess – dorthin geschleudert worden, sind durch Zufall aufeinander liegen geblieben, usw.
     
    Natürlich ist im Laufe der Erdgeschichte meist irgend etwas anderes entstanden, aber einmal eben — nach langer, langer Zeit — auch das Landhaus.

Der Biologe war natürlich nicht sehr glücklich über diese Argumentation.
 
Sie zeigt, dass Zufall und Auslese allein wohl nicht ausreichen, in Milliarden kleinster Schritte zunehmend Sinnvolleres zu schaffen — und schon gar nicht ber Millionen von Jahre hinweg immer nur Veränderung in Richtung zunehmend  s i n n v o l l e r e r , stark anwachsender Komplexität bewirken können.

 
 
Bruno Martin, der uns in seinem Buch Intelligente Evolution (Ullstein, 2010) auf unglaublich viele, ganz erstaunliche Erfolge der Evolution aufmerksam macht, bringt es auf den Punkt, indem er schreibt:

Bruno Martin (S. 287):
 
Offenbar ist in der Evolution etwas angelegt, das mit Zielstrebigkeit und Absicht die Prozesse steuert, auch wenn der Ausgang ungewiss ist und die ursprüngliche Absicht verfehlt wird.
 
Ich jedenfalls kann mir mit all den Fakten, die wir bisher haben, keinen dawkinschen » blinden « Uhrmacher vorstellen, der nicht wüsste, wie die Rädchen zusammenpassen müssen, damit die Uhr funktioniert.
 


Letztlich also glaubt Bruno Martin (wie von Neumann), dass erfolgreiche Evolution teilweise auch gezieltes Experimentieren sein müsse:
 
Evolution  =  Intelligenz + Zufall + Selektion
 
Die Wurzel dieser Intelligenz allerdings hat bisher niemand entdeckt. Sie muss älter sein als biologisches Leben.


 

 Beitrag 0-295
Evolutionsgeschichte des Lebens auf der Erde

 
 

 
Evolutionsgeschichte des Lebens auf der Erde

 
 
Wenn wir die Evolutionsgeschichte des Lebens auf ein Jahr komprimieren und so vor unserem geistigen Auge ablaufen lassen, gilt:
     
  • Einzeller treten schon am ersten Tag des Jahres auf,
     
  • mehrzellige Organismen aber erst etwa Ende April.
     
  • Erste Fische und Wirbeltiere gibt es ab Ende Mai.
     
  • Im August kriechen die ersten Amphibien an Land, und
     
  • Mitte September gibt es erste Reptilien.
     
  • Oktober und November gibt es Dinosaurier,
     
  • aber schon im November dann auch erste Säugetiere.
     
  • Erst um die Mittagszeit des letzten Tages im Jahr gibt es menschenartige Wesen in der afrikanischen Savanne.
     
  • Erst in der letzten Viertelstunde des Jahres entwickeln sich primitive Formen von Ackerbau.
     
  • Erst in der letzten Minute des Jahres entstehen komplexe menschliche Kulturen im Zweistromland, in Ägypten und Südostasien.
     
  • Die Zahl der Menschen auf der Erde betrug
       
    • Vor 10 000 Jahren etwa 2 Millionen
       
    • Um Christi Geburt etwa 200 Millionen
       
    • Im Hochmittelalter etwa 400 Millionen
       
    • 1950 schon 2,5 Milliarden,
       
    • 2017 schon 7,4 Milliarden ( wobei sie jetzt aber nur noch in Entwicklungsländern schnell wächst ).

 
Vielleicht muss man das für den Menschen charakteristische Wachsum seines Gehirns eher als Folgeerscheinung denn als Voraussetzung für seine Fähigkeit, Werkzeuge herzustellen, sehen.
 
So gesehen könnte der Menschen Drang nach Beschäftigung die eigentliche Anstoß für ihre schnelle intellektuelle Entwicklung sein.
 

 
 
Quelle: Johannes v. Butlar: RaumZeit, Provokation der Schöpfung (2009), S. 252-253


 

  Beitrag 1913-1
Wie Quantenmechanik und physikalische Chemie Darwin korrigieren

 
Auch Biologie ist nur Physik:

Wie Quantenmechanik und physikalische Chemie Darwin korrigieren


Nach Darwin bedeutet Evolution einfach nur zufällig eintretende Mutation gefolgt von natürlicher Auslese.

Heute wissen wir es genauer, denn unser Wissen über die allgemeinen Eigenschaften von Molekülen zeigt uns: Mutation ist letzlich der Übergang eines Quantensystems von Zustand A nach Zustand B, wobei dieser Zustandsübergang
  • entweder provoziert wurde (durch Zusammenstoß des Quantensystems mit einem Elementarteilchen, z.B. dem Zusammenstoß eines Lebewesens mit Röntgenstrahlung)

ABER: Ob ein Quantensprung von Zustand A nach Zustand B oder C führt, wird durch den Paaren ( A, B) und ( A, C) zugeordnete Übergangswahrscheinlichkeiten geregelt, die sich aus den Wellenfunktionen aller möglichen Zustände ergeben.

Daraus folgt: Auch spontan eintretende Mutation ist in aller Regel nicht ohne Richtung. Dies führt zu einer Art von Auslese, die noch  v o r  dem Prozess der natürlichen Auslese stattfindet und jene daher gewissermaßen kanalisiert (sog. Quantenauslese — durch Biologen in der Evolutionstheorie recht lange ignoriert).


Motor der Evolution ist eben diese, ständig stattfindende, Quantenauslese.

Natürliche Auslese kann nur das bewerten, was ihr von der Quantenauslese zur Bewertung vorgelegt wird.


Versteht man Evolution als einen Prozess von Übergängen zwischen virtuellen Quantenzuständen, wie es die Quantenbiologie heute zu Recht tut, so ergibt sich:

Die sich entwickelnde Komplexität der Lebensformen entsteht keineswegs aus dem Nichts und auch nicht aus dem Chaos, sondern über Quantensprünge, die einer kosmischen Ordnung gehorchen, welche unabhängig davon existiert, ob oder wie oft Quanten und Quantensysteme ihnen mögliche Zustände tatsächlich annehmen.

Unter der Aktualisierung eines Quantenzustands versteht die physikalische Chemie das Springen des Quantensystems in eben diesen Zustand. So jedenfalls gebraucht Lothar Schäfer in seinem Buch "Versteckte Wirklichkeit" diesen Begriff. Er sagt:

In gewissem Sinne ist jeder von uns zu jedem Zeitpunkt Aktualisierung eines komplizierten Quantenzustandes, der schon lange vor unserer Geburt in der Quantenstruktur des Universums als Ordnungsmuster angelegt war, also existiert hat, und der auch lange nach unserem Tod als — dann wieder als nur virtueller (sprich: als gerade nicht durch ein Quanten­system angenommener) Zustand — weiter existieren wird.

Seine Aktualisierung durch uns
  • war möglich,
  • war keineswegs notwendig,
  • könnte sich aber wiederholen.
Wie groß die Wahrscheinlichkeit solcher Wiederholung ist, scheint eine eher nur untergeordnete Frage.

Wenn identische DNS-Moleküle aber nicht durch Kopieren entstehen, sondern durch wiederholtes Auftreten ein und desselben Quantenzustandes, erhält auch der Begriff der Abstammung eine etwas andere Bedeutung ...

grtgrt
 

  Beitrag 1913-3
Vorauswahl durch quantenphysikalischen Zufall

 
 
Hans-m aus 1913-2:
Du machst es (in Beitrag 1913-2) komplizierter, als es ist.

Nach Deiner Aussage würde jedes zufällige Ereignis in der Quantenphysik seine Ursache finden.
Wenn Du eine Münze oder einen Würfel wirfst oder eine Roulettekugel ihr Feld findet, jeder "Zufall" wäre ein Ergebnis der Quantenphysik.

Hallo Hans-m,

du scheinst mich gründlich missverstanden zu haben, denn ich behaupte keineswegs, dass jeder Zufall einzig und allein ein Ergebnis der Quantenphysik sei.

Meine Aussage ist: Der Weg hin zu einem neuen Lebewesen führt stets über eine sehr lange Kette von Zuständen, die  a b w e c h s e l n d  Ergebnis von physikalischem Zufall einerseits und Zufall im Sinne deiner Beispiele andererseits sind. Hierbei gilt:

Der quantenphysikalisch zufällige Schritt besteht im Kollabieren einer Wellenfunktion, sprich: im physikalisch zufälligen Reduzieren einer Menge möglicher Quanten­zustände auf genau einen, der zu materieller Wirklichkeit W führt. Erst in dieser Wirklichkeit wirkt dann Zufall im Sinne deiner Beispiele.

Damit ist klar: Die Wirklichkeit, in der Zufall im Sinne deiner Beispiele wirkt, hätte — falls der vorangehende quantenphysikalische Zufall sich anders entschieden hätte — in eben dieser Form W gar nicht erst existiert (jedenfalls nicht hinsichtlich aller nur denkbaren Details).

Beste Grüße,
grtgrt
 

  Beitrag 1913-4
Wie auch chemische Gesetze die Evolution steuern

 
 
Wie in Beitrag 1913-3 gezeigt, wird Evolution durch zweierlei Zufall gesteuert:
  • durch einen vordergründig wirkenden (das ist der, von dem Darwin und die Beispiele aus Beitrag 1913-2 sprechen),
  • daneben aber auch durch einen hintergründig wirkenden (das ist der quantenphysikalische).

Es ist wichtig, zu sehen, dass der hintergründige den vordergründigen kanalisiert, selbst aber auch kanalisiert wird durch die den Quanten zugeordneten Wahrschein­lichkeitswellen (durch das also, was Heisenberg als die der kosmischen Ordnung zugrundeliegenden " Tendenzen und Neigungen" nennt: siehe Beitrag 1915-5).


Da nun aber Wahrscheinlichkeiten nichts anderes als dimensionslose Zahlenverhältnisse sind, kommt man nicht umhin, feststellen zu müssen:

Zitat von Lothar Schäfer in: Versteckte Wirklichkeit, S. 47:
 
An der Wurzel der Wirklichkeit finden wir Zahlenverhältnisse — nichtmaterielle Prinzipien, auf denen die Ordnung dieser Welt gegründet ist.

Die Grundlage der materiellen Welt ist somit nichtmateriell.

 


Wem das zu abstrakt ist, der sollte sich vor Augen führen, dass man — ausgehend von der Kenntnis der den Quanten zugeordneten Wahrscheinlichkeitswellen — die Struktur von Molekülen berechnen kann, letztlich also die Gesetze der Chemie.

Wie weit man da heute schon ist, weiß ich nicht genau. Auf jeden Fall gilt:
  • Schon 1998 gelang es, die Struktur von Cambrin zu berechnen. Cambrin ist mit etwa 640 Atomen ein eher kleines Protein-Molekül. Über noch größere Erfolge berichten Treppen et al., 2002, J. Phys. Chem. A. 106; 5498-5503.
  • Insbesondere weiß man: Die Struktur selbst der größten röntgenographisch erforschten Proteine kann durch quanten-chemische Berechnungen ihrer Teile vorhergesagt werden (Jiang et al., 1995, Phys. Chem. 99:10521).
Solcher Erfolg der Quantenchemie bei der zuverlässigen Berechnung der Eigenschaften von Molekülen — unabhängig von ihrer Größe — beweist ganz klar:


Alle Moleküle, ob groß oder klein, sind Quantensysteme,

und so wirkt der quantenphysikalische Zufall hinein in sämtliche chemikalischen Vorgänge (!).


Das ist für die Evolution durchaus bedeutsam, wenn man sich vor Augen führt, dass quantenphysikalischer Zufall ja nur bezogen auf das Ergebnis je eines einzelnen Ereignisses absoluter Zufall zu sein scheint, statistisch gesehen aber, wie oben gerade erklärt, durchaus kanalisierend wirkt.

grtgrt

PS: Zur Terminologie, den Zufall betreffend, siehe Beitrag 1911-1.

 

  Beitrag 1926-57
Datenverarbeitung durch die Natur einerseits und den Menschen andererseits

 
 
E... aus 1926-55:
Grtgrt aus 1926-53:
 
Zeigt das nicht sehr deutlich, dass
  • der "Computer" der Natur den Code, den er abarbeitet (die DNS) ebenso wörtlich (und blind für Sinnhaftigkeit) interpretiert wie eine von Intel gebaute CPU


Hi E...,

durch Computer realisierte Datenverarbeitung wird realisiert durch ein Paar ( CPU, Programmcode ) derart dass die CPU, als Hardware, das Programm, welches Software darstellt, interpretiert und schließlich ein Ergebnis liefert.

Betrachtet man die Natur ebenfalls als Datenverarbeitungsanlage, so sieht man sie als Paar ( CDN, DNS ), wo CDN das ist, was ich den "Computer der Natur" nenne. Er interpretiert die DNS, die man in diesem Zusammenhang als Programmcode sehen muss.

Wie jeder Informatiker weiß, realisiert eine CPU relativ triviale Algorithmen. Die eigentliche Intelligenz der Datenverarbeitung steckt im Programmcode: in der Aufschreibung einer Rechenvorschrift also, die ein Programmierer entwickelt hat.

Bei der Natur ist es nicht anders: Die eigentliche Intelligenz steckt nicht in ihrem Computer CDN, sondern in den Programmen, die dieser Computer abarbeitet: den DNS-Molekülen. Die DNS-Moleküle aber — die Programme also, welche der Computer der Natur abarbeitet — haben sich über einige Jahr-Millionen hinweg entwickelt.

Kein Wunder also, dass die DNS, als Software gesehen, schon weit ausgefeilter ist als durch Menschen geschriebene Programme (an deren Entwicklung man ja bisher erst maximal 70 Jahre arbeiten konnte — vorher nämlich gab es keine Programmierer).


Vielleicht gibt es heute wirklich noch kein Programm, welches den Text in deinem Beitrag 1948-28 ebenso schnell verstehen kann wie wir Menschen. So ein Programm zu schreiben, wird aber spätestens in einigen Jahrzehnten eine leichte Übung sein.


Insgesamt bin ich davon überzeugt, dass durch den Menschen gebaute Datenverarbeitungsanlagen statt Jahr-Millionen nur Jahrzehnte (maximal 2 Jahrhunderte) benötigen werden bis sie den Datenverarbeitungsanlagen der Natur voll ebenbürtig sein werden.



Gruß, grtgrt
 

  Beitrag 1929-26
Evolution = Zufall + Selektion

 
 
Stueps aus 1929-14:
 
Grtgrt aus 1929-12:
Freiraum dieser Art existiert doch mindestens dort, wo absoluter Zufall regiert — etwa beim Kollabieren der Wellenfunktion, wo die Naturgesetze NICHT festlegen, in welch realen Zustand genau das betroffene Quantenobjekt denn nun zu kommen hat.

Interessant ist, dass du dann an anderer Stelle schon mein Argument, dass dieser absolute Zufall weder durch belebte noch durch unbelebte Materie nutzbar ist, ignoriert hast. Und an anderer Stelle wieder damit argumentierst.

Hi Stueps,

deine Meinung, dass der beim Zusammenbruch der Wellenfunktion waltende Zufall weder durch belebte noch durch unbelebte Materie "nutzbar" ist, teile ich nicht.

Begründung:

Evolution = Zufall + Selektion



Das Stichwort "Selektion" steht hier für die Tatsache, dass, wo immer ein Prozess zu einem nur durch Zufall bestimmten Ergebnis führt, dieses Ergebnis mehr oder weniger stabil sein kann als andere Ergebnisse, die statt seiner hätten eintreten können. Wählt der Zufall nun also ein ganz besonders stabiles Ergebnis aus, so kann das durchaus Konsequenzen haben, die auf Basis eines weniger stabilen, aber ebenso wahrscheinlichen Ergebnisses weniger wahrscheinlich oder sogar undenkbar gewesen wären.

Diese Überlegung gilt für sämtliche Prozesse mit zufälligem Ergebnis, also auch für Elementarereignisse.

Mit anderen Worten: Ich könnte deine Meinung nur dann als zutreffend einstufen, wenn wir wüssten, dass jeder Zusammenbruch einer Wellenfunktion nur zu Zuständen führen kann, die sämtlich exakt gleich stabile Nachfolgekonfiguration (des betroffenen Quantensystems) schaffen würden, wenn sie denn einträten.

Nichts spricht dafür, dass diese Bedingung tatsächlich für jedes nur denkbare Elementarereignis erfüllt ist.

Gruß, grtgrt
 

  Beitrag 1948-18
Über Zerfall und Evolution

 
 

Über Zerfall und Evolution


Sei S ein in sich abgeschlossenes, sich selbst überlassenes System, welches von einem Zustand z1 in einen Zustand z2 gerät.

Nehmen wir an, dieser Zustandsübergang sei atomar, seine Ursache also ein Elementarereignis (d.h. das spontane Entstehen eines Paares virtueller Elementarteilchen bzw. Kollision und Neuaufteilung von Elementarteilchen).

Nach Beitrag 1948-15 ist jeder Zustand z von S eine Mischung aus

  • Ordnung einerseits (Synonym: z.O = Form = kybernetischer Informationsgehalt) und
  • Unordnung andererseits (Synonym: z.U = Entropie = nachrichtentechnische Informationsdichte).

Den Fall z1.O = 0 mal ausgenommen, gibt es stets sehr viel mehr Zustände des Systems, die ungeordneter sind als Zustand z1. Da zudem jedes Elementarereignis absolut zufälliges Ergebnis hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem weniger geordneten Zustand z2 führt größer als die, dass z2 geordneter als z1 ist.

Mit anderen Worten:

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Zustandsübergang Zerfall bewirkt, ist größer als die, dass er evolutionär wirkt (d.h. zu mehr Form bzw Ordnung führt).


Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Evolution zur Folge hat eben NICHT Null.


 

  Beitrag 1948-21
Warum Evolution nicht ständig schon im Keim erstickt wird

 
 
Henry aus 1948-19:
 
Du musst etwas ganz Entscheidendes berücksichtigen, denn die Beschreibung rein thermodynamisch ist nur die halbe Miete:
Die Gravitation! Sie wirkt dem "allgemeinen Zerfall" entgegen.

Hi Henry,

die rein thermodynamische Sicht ist tatsächlich nur die halbe Miete, das aber keineswegs der Gravitation wegen:

Die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Zustand z per Elementarereignis Nachfolgezustand von z1 wird ist nämlich nur in sehr geringem Maße dadurch gegeben, um wieviel mehr oder weniger er geordnet ist als z1. Wesentlich entscheidender ist, wie unterschiedlich z von z1 ist.


Schließlich und endlich kann ein Elementarereignis den Systemzustand ja nur marginal abändern!


Beste Grüße,
grtgrt
 

  Beitrag 2039-1
Prä-Materie und Emergenz — Hans-Peter Dürrs Erkenntnisse (und sein Weltbild)

 
 
Wie es zur Illusion anfassbarer Objekte kommt, und wo der Anfang von Leben zu finden sein könnte, wurde hier im Forum schon mehrfach gefragt und zu beantworten versucht.

Eben aber finde ich in Hans-Peter Dürrs Buch "Geist, Kosmos und Physik" einige ganz besonders interessante Feststellungen dazu. Sie sind Kern seines modernen, holistischen Weltbildes, welches sich auf die Erkenntnisse der Quantenphysik gründet:


Zitat von Dürr (S. 36-37, etwas gekürzt):
 
Die neue Weltsicht ist im Grunde holistisch, nicht atomistisch: Es existiert eigentlich nur das Eine, das Ungetrennte, das Untrennbare. ...

Das untrennbare Eine ist Prozesshaftes, Potentialität, aber nicht nur Möglichkeit, sondern auch das Vermögen zur Schaffung von Realität und von greifbar Seiendem [bestehend aus anfassbaren Objekten].

Die zeitliche Evolution besteht in einem fortschreitenden Prozess der Differenzierung dieses Untrennbaren durch Errichtung von Grenzzäunen (physikalisch: auslöschende Überlagerung von Potentialwellen).

Man ist an Zellteilung erinnert, wo sich eine Zelle ja auch vermehrt durch Neubildung von Zellwänden.

Dies imitiert die Entstehung unabhängiger Subsysteme, die als Teile des Gesamtsystems fungieren und aus denen dieses Gesamtsystem "zusammengesetzt" erscheint. Dies ist aber nie der Fall, weil der Zusammenhang viel tiefer geht, so wie etwa die sichtbar getrennten weißen Schaumkronen auf stürmischer See ja auch nicht die Betrachtung rechtfertigen, das Meer sei aus Wellen und Schaumkronen zusammengesetzt.

Das Sinnstiftende im Zusammenwirken der Als-ob-Teile entsteht immer aus dem Ganzen, das sie einschließt. Dieses Ganze, Eine, ist immer da.

Auch wir, die wir alle hier im Raum leben, sollten uns nicht vorstellen, dass wir wirklich getrennte Teile dieser Wirklichkeit sind, lose zusammengehalten durch einige Licht-, Laut- und andere von der Physik identifizierbaren Signale, die wir uns zur Verständigung wechselseitig zuwerfen. Wir sind alle Teile dieses selben Einen, derselben Potentialität, und spüren das auch: Wie sonst nämlich könnten ein paar hingeworfene Worte und Sätze mit ihrem dürftigen, abzählbaren Informationsgehalt sich in unserem jeweiligen Bewusstsein so reich entfalten.
 


Hier wird ganz klar deutlich, dass alles materiell Existierende seiner wahren Natur nach nur Wellenpaket ist.

Und so schreibt Dürr denn auch:


Zitat von Dürr, S. 44:
Ich habe als Physiker 50 Jahre lang — mein ganzes Forscherleben — damit verbracht zu fragen, was eigentlich hinter der Materie steckt. Des Endergebnis ist ganz einfach:

Es gibt keine Materie!

 


Interessant ist ferner wie sich Dürr vorstellt,
  • dass es zu Leben kam,
  • dass materielle Objekte, Lebewesen und Anderes, nur endlich langes Leben haben und
  • wie sich Emergenz erklärt (er benutzt dieses Wort nicht, erklärt ihr Zustandekommen aber wenigstens ansatzweise):


Zitat von Dürr, S. 39-42, einiger Kürzungen wegen nicht ganz wörtlich:
 
Unsere Mesowelt ist eine statistisch ausgemittelte Mikrowelt (vergleichbar einem Ameisenhaufen, der von Ferne wie ein statischer Hügel aussieht, der beim genauen Hinsehen aber ungeheuere Beweglichkeit zeigt: Dass sich dies Gewimmel nicht auch im Großen ausprägt, liegt daran, dass für jede Ameise, die in einer Richtung läuft, es immer auch eine andere gibt, die das Umgekehrte macht, weshalb dann im Durchschnitt keine Bewegung des Ganzen sichtbar ist).

Dass diese Ausmittelung so vollständig gelingt, liegt wesentlich am 2. Hauptsatz der Thermodynamik, welcher besagt, dass in einem sich selbst überlassenen System jede Besonderheit, jedes Ausgezeichnetsein, im Laufe der Zeit zerstört wird (man denke an einen Schreibtisch, der, wenn wir nicht aufräumen, immer unordentlicher wird).

Deshalb verstehen wir nicht, wie es in der Natur mit ihrem starken Hang zur Unordnung überhaupt dazu kommt, dass sich bei der Evolution hochdifferenzierter Systeme (wie uns Menschen etwa) Unordnung über lange Zeit hinweg hinweg nicht durchsetzen kann.

Was also ist da passiert? Hat die Natur für ihren lebendigen Teil nicht vielleicht doch bei einer höheren Instanz eine Ausnahmeregelung den Zweiten Hauptsatz betreffend erwirkt?

Nach heutiger Einsicht scheint es keine solche Ausnahmeregelung zu geben. Die unbelebte wie die belebte Natur basieren auf derselben Art von Prä-Materie, die im Grunde eigentlich keine Materie ist. Sie kann sich auf verschiedene Weise organisieren:
  • Einmal ungeordnet und unkorreliert. Dann wird das resultierende Gesamtsystem stumpf, langweilig, apathisch (und wir nennen es unbelebte Materie).
  • Prä-Materie kann sich aber auch auf differenziertere, raffiniertere Weise formieren. Es entstehen dann Stukturen, in denen das im Grunde embryonal Lebendige selbst noch in der Mesowelt zum Ausdruck kommt und so lebendiger Organismus wird. Die eingeprägte Potentialität wird makroskopisch sichtbar. Das Gesamtsystem muss dazu weit weg von seinem Gleichgewichtszustand sein, um ein Ausmitteln seiner inneren Lebendigkeit zu vermeiden.
    Stellen Sie sich ein physikalisches Pendel vor (als herabhängenden, beweglichen Stab mit einem Gewicht unten). Es pendelt beim Anstoßen vorhersehbar und berechenbar um seine unter stabile Gleichgewichtslage. Dreht man aber Stab und Gewicht weit weg von unteren, stabilen Gleichgewicht nach ganz oben, so gibt es dort eine weitere Gleichgewichtslage. Sie ist instabil, und so wissen wir nicht, ob das Pendel auf die eine oder die andere Seite fallen wird. In diesem Instabilitätspunkt wird die inhärente Lebendigkeit des Systems sichtbar, weil es von winzig kleinen Unterschieden abhängt, ob der Pendel zum einen oder zum anderen Bewegungsablauf veranlasst wird. Die Naturwissenschaft kennt viele Systeme mit solch eingeprägten, dynamischen Instabilitäten. Sie führen zu, wie man sagt, "chaotischem" Bewegungsverhalten: Kleine Veränderungen in den Ursachen bewirken extrem große Unterschiede in den Folgen: Der Schlag eines Schmetterlings kann einen Taifun auslösen.

Leben — belebte makroskopische Oranismen — erfordern Strukturen in der Nähe inhärenter Instabilitäten. Aber Instabilitäten kippen. Um sie also lange in der Balance zu halten, müssen sie dauernd nachjustiert werden durch etwas, das sie neu austariert (intelligente Zuführung von Energie).

Diese Situation steht nicht im Widerspruch zum 2. Hauptsatz der Thermodynamik (d.h. zur allgegenwärtigen, dominanten Tendenz zur Unordnung). Denn es ist ja auch unsere ordnende Hand, die unseren Schreibtisch immer wieder in Ordnung bringen kann. Sie darf dabei aber nicht nur werkeln; sie muss darauf achten, was sie tut: Sie muss intelligent sein, den sonst beschleunigt sie nur den Prozess hin zur Unordnung.

Lebendige Systeme brauchen deswegen ... Intelligenz, eine geistige Führung, die prinzipiell im immateriellen Form-Grund verankert ist und sich in der Milliarden Jahre langen Evolution des Biosystems durch ein Plus-Summen-Spiel in komplexen Verästelungen immer höher entwickelt hat.
 

 

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