D i s k u s s i o n



 Beitrag 0-Jung.A
Was Carl Gustav Jung und Wolfgang Pauli als wichtige Schnittstelle zwischen Körper und Geist sahen

 
 

 
Archetypen — wie Jung und Pauli sie verstanden

 
 
Die neurophysiologische Verankerung mystischer Erlebnisformen lässt sich als Archetypus verstehen: als "unbewusste physische Strukturdominante" (Jung).
 
Sie ist latent vorhanden und wird nur unter besonderen Bedingungen ins Licht bewussten Erlebens gehoben.
 
Wie Jung sagt, gehören urtümliche Bilder, die Niederschlag der Archetypen sind, "der Menscheit überhaupt und können autochthon in jedem Kopf wiederentstehen unbekümmert von Zeit und Ort. Es bedarf nur der günstigen Umstände für deren Wiedererwachen."
 
 
An Darwins Evolutionstheorie orientierte Psychologen verstehen das meist so, dass es sich um Verhaltensmuster handelt, die sich ebenso als überlebensfördernd entwickelt haben wie Sprungmuskeln, Sehvermögen oder Sprache.
 
 
Carl Gustav Jung aber meint mehr: Er sieht den archetypischen Grund jener Bilder in rational nicht erklärbarer Weise in der Natur verwurzelt.
 
Im Gespräch mit Pauli — der dem Platonismus zuneigte — räumte Jung ein, dass Archetypen
  • einerseits Ideen im Platonischen Sinne darstellen,
     
  • andererseits aber direkt mit physiologischen Vorgängen verknüpft sind, sinnhafte Eigenschaften alles Stofflichen repräsentieren und zudem noch Arrangeure für Sychronizitäten sind.

 
Wolfgang Pauli geht bewusst noch weiter und sieht in Archetypen zudem noch der Naturwissenschaft zugrundeliegende, nicht kausal verstehbare Voraussetzungen:
    "Vorstufe des Denkens ist ein malendes Schauen dieser Bilder, deren Ursprung nicht in erster Linie auf Sinneswahrnehmungen zurückgeführt werden kann."

Pauli führt weiter aus:
    "Das Ordnende und Regulierende muss jenseits der Unterscheidung zwischen 'physisch' und 'psychisch' gestellt werden — so wie Platons 'Ideen' etwas von Begriffen und auch etwas von 'Naturkräften' haben (sie erzeugen von sich aus Wirkungen).
     
    Ich bin sehr dafür, dieses Ordnende und Regulierende » Archetypen « zu nennen; es wäre dann aber zulässig, sie als phsychische Inhalte zu definieren. ...
     
    Die Naturgesetze der Körperwelt wären dann die physikalische Manifestation der Archetypen."

 
So gesehen sind Archetypen nicht Produkt, sondern Voraussetzung für komplexe naturgesetzlich geregelte Prozesse.
 
 
Dies geht noch über die Grundannahme von Conway Morris hinaus, nach der in der Konvergenz nicht-kausale Voraussetzungen für so manch evolutionären Prozess sichtbar werden.


Günter Ewald in Gehirn, Seele und Computer (2006):
 
Wenn wir vom » universalen Geist « sprechen, dann sinnvollerweise als einem Gestaltungsprinzip, das in Archetypen, in Synchronizität, in Konvergenz, aber auch in den Naturgesetzen konkret wird.
 
Universaler Geist ist aber nicht nur Idee, sondern auch handelndes Prinzip, das materielles und immaterielles Geschehen begründet.
 
 
Dies ist nicht als Definition zu verstehen, sondern als sprachliche Umschreibung von rational nicht Fassbarem.
 
Im religiösen Gottesbegriff wird er personalisiert.
 


 
Quelle: Günter Ewald: Gehirn, Geist und Computer (2006), S. 95-96


 

 Beitrag 0-C.G.Jung
Synchronicity (nach Jung) und der sog. Pauli-Effekt

 
 

 
» Synchronicity « nach Carl Gustav Jung

 
 
Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung (1875-1961) war einer der ersten, der sich wissenschaftlich mit dem Thema der unwahrscheinlichen Zufälle im Menschenleben auseinander gesetzt hat. Er prägte dafür den Ausdruck » Synchronizitäten ( = Synchronicity ) «.
 
 
Seine grundlegende Abhandlung darüber erschien 1952 und trägt den Titel Naturerklärung und Psyche — Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge.
 
Bis heute spielt diese Schrift für die Psychologie und einige esoterische Disziplinen eine große Rolle [ da ja Jung seinen Synchronizitätsbegriff in der Auseinandersetzung mit dem chinesischen I-Ging-Orakel und der Astrologie gewonnen hat. ]
 
Ausführlich diskutiert hat er ihn aber über insgesamt 26 Jahre hinweg auch mit Wolfgang Pauli (Quantenphysiker und Nobelpreisträger). Der Grund hierfür:
 
Pauli hatte schon früh an sich phsychokinetische Fähigkeiten — von Kollegen als » Pauli-Effekt « gefürchtet — entdeckt, die ihn verwirrten und im Zusammenhang mit seiner Scheidung sowie dem Tod seiner Mutter in eine innere Krise führten, die zu überwinden er sich bei Carl Gustav Jung zu einer Therapie anmeldete. Jung gab diese Anfrage an eine Praktikantin weiter, begann aber mit Pauli ein intensives Gespräch über die physikalischen und psychologischen Hintergründe von Paulis außer­gewöhnlichen Erfahrungen.
 
 
Jung verstand Synchronicity in erster Linie als Beziehung eines inneren Ereignisses mit einem zeitnah darauf folgenden äußeren Geschehen, welches
  • sinnhaft mit dem inneren Geschehen verbunden,
  • aber nicht physikalisch-kausal davon verursacht wird.

 
Pauli selbst erzählt:
    Als er einmal im Cafe Odeon in Zürich aus dem Fenster sah und ein vor dem Haus geparktes rotes Auto anstarrte, ging dieses plötzlich in Flammen auf und brannte aus. Für Pauli war das kein Zufall, sondern ein synchronistisches Ereignis.

 
Auch Jung selbst schien zeitweise eine psychokinetische Ausstrahlung gehabt zu haben — vor allem während seiner Zusammenarbeit mit Freud. In seiner Autobiographie Erinnerungen, Träume, Gedanken (1997) erzählt Jung:
 
    "Während Freud seine Argumente vorbrachte, hatte ich eine merkwürdige Empfindung. Es schien mir, als ob mein Zwerchfell aus Eisen bestünde und glühend würde — ein glühendes Zwerchfellgewölbe. Und in diesem Augenblick ertönte ein solcher Krach im Bücherschrank, der unmittelbar neben uns stand, daß wir beide furchtbar erschraken. Wir dachten, der Schrank fiele über uns zusammen. Genauso hatte es getönt. Ich sagte zu Freud: 'Das ist jetzt ein sog. katalytisches Exteriorisationsphänomen'.
     
    'Ach', sagter der, 'das ist ja leibhaftiger Unsinn'.
     
    'Aber nein', erwiderte ich, 'Sie irren, Herr Professor. Und zum Beweis, daß ich recht habe, sage ich nun voraus, daß es gleich nochmal einen Krach geben wird.'
     
    Und tatsächlich: Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, begann der gleiche Krach im Schrank!
     
    Ich weiß heute noch nicht, woher ich diese Sicherheit nahm. Aber ich wusste mit Bestimmtheit, dass das Krachen sich wiederholen würde.
     
    Freud hat mich nur entsetzt angeschaut."


 
 
Noch mehr über den Briefwechsel zwischen Pauli und Jung findet sich zusammengetragen durch Remo F. Roth.