D i s k u s s i o n


  Beitrag 1973-5
Über Arschkriecher und wenig kompetente Germanisten

 
 
Früher hat man in der Politik Reden für die Bürger (und potentiellen Wähler) gehalten.

Heute hält man sie für die "Bürgerinnen und Bürger" sowie für die "Wählerinnen und Wähler".

Der Grund dafür:
  • Zum einen wollen die Politiker damit den Bürgerinnen und potentiellen Wählerinnen in den Arsch kriechen,
  • und zum anderen haben sie offenbar vergessen, dass die Bezeichnungen "Bürger" und "Wähler" Rollenbezeichnungen sind (und daher auf Mann und Frau gleichermaßen anwendbar).

Natürlich ist auch "Arzt" zunächst nur eine Berufs- (also Rollen- ) Bezeichnung. Andererseits muss man hier sagen: Wenn uns jemand bittet, ihm einen kompetenten Arzt zu nennen, könnte er schon daran interessiert sein, ob der männlich oder weiblich ist (Arzt oder Ärztin).

Leider interessieren die meisten Benutzer der deutschen Sprache solche Feinheiten heute nicht mehr.

Kein Wunder, denn selbst Germanisten haben uns ja erst vor einigen Jahren mit ihrer dämlichen Rechtschreibreform bewiesen, dass sie die Feinheiten der deutschen Sprache eben NICHT mehr verstehen. Schande über sie!

 

  Beitrag 1942-10
Über den (sehr) hohen Stellenwert perfekter Sprachbeherrschung

 
 
Gregor Lämmer aus 1942-9:
 
Die Sprache richtig zu beherrschen, ist eine Kunst, derer nur wenige fähig sind. Trotz aller Mängel der Sprache kann ein genialer Mensch mit der Sprache mehr ausdrücken, als in ihr enthalten ist.

Hierbei denke ich an Nicolás Gómez Dávila, der dies sehr trefflich ausgedrückt hat in dem Satz:

Unnütz, jemandem einen Gedanken erklären zu wollen, dem eine Anspielung nicht genügt.

An alle:

Was Gregor hier sagt, spricht mir aus der Seele.

Leider wissen heute zunehmend weniger Deutsche den Wert perfekter Sprachbeherrschung zu schätzen.


Das gilt leider auch für Germanisten, wie sie mit ihrer misslungenen Rechtschreibreform selbst bewiesen haben — Schande über sie!

grtgrt
 

  Beitrag 1942-12
Wem eine Andeutung nicht genügt ...

 
E... aus 1942-11:
Über die mögliche Quelle vieler Missverständnisse ist es müßig zu spekulieren.

Hallo E...,

wie denkst Du denn über Nicolás Gómez Dávila in meinem Beitrag 1942-9?

Unnütz, jemandem einen Gedanken erklären zu wollen, dem eine Anspielung nicht genügt.

 

  Beitrag 1911-19
Über Sprachkultur

 
 
Harti aus 1911-18:
 
Ich bin im Laufe der Zeit zu der Überzeugung gekommen, dass es sich bei dem Ausdruck "Volk der Dichter und Denker" um eine Selbstüberschätzung handelt, die bei vielen Völkern in mehr weniger starker Ausprägung anzutreffen ist.

Solche Selbstüberschätzungen führen nicht selten zu Aggresivität gegenüber anderen Völkern.
 

Hallo Harti,

wenn ich den Ausdruck dahingehend verstünde, dass Dichter und Denker was Besseres seien als Menschen oder Völker mit anderem Schwerpunkt, dann wäre deine Kritik durchaus angebracht.

Ich aber möchte ihn verstanden wissen im Sinne von "wir Deutschen sind drauf und dran, etwas aufzugeben, das wir als wichtigen Fortschritt schon mal erreicht hatten".


Und das ist keineswegs nur meine Meinung:

Vor kurzem las ich in der Süddeutschen einen Artikel, in dem berichtet wurde, dass die EU-Behörden zunehmend Probleme haben, gute Dolmetscher zu finden — und ganz besonders solche mit Muttersprache Deusch oder Englisch.
  • Was Englisch betrifft, erklärt man sich das aus der Tatsache, dass in England schon seit einiger Zeit das Erlernen wenigstens einer Fremdsprache in der Oberschule nicht mehr obligatorisch ist.
  • Was Deutsch betrifft, stellen die Verantwortlichen einfach nur fest, dass die Qualität der Übersetzungen ins Deutsche — und das seltsamerweise vor allem dann, wenn der Übersetzer Deutsch als Muttersprache hatte — besorgniserregend gesunken ist und schnell weiter zu sinken scheint.

Diese Beobachtung finde ich nun wirklich Besorgnis erregend.

Dass selbst Journalisten nicht mehr immer absolut sattelfest in Orthographie sind oder darin, welche grammatikalische Wendung denn nun eigentlich gut bzw. schon hart an der Grenze des noch Zulässigen ist, beobachtet man eigentlich erst in den letzten beiden Jahrzehnten.

Bisher war ich der Meinung, diese Entwicklung sei verursacht
  • vom Zunehmen des Telegramm-Stils, mit dem man heute (in SMS oder e-Mail) miteinander kommuniziert
  • und von der Tatsache, dass man selbst in der Schule Rechtschreib- und Ausdrucksfehler heute nur noch im Rahmen von Deutsch-Unterricht gezielt brandmarkt und mit in die Beurteilung einer schriftlichen Arbeit eingehen lässt.

Was die EU-Behörden nun aber beobachten, zeigt mir, dass diese Erklärung zu kurz greift (denn im Telegramm-Stil kommunizieren heute nicht nur Deutsche miteinander).

Was aber ist dann die wirkliche Ursache für den Verfall von Sprachkultur bei uns in Deutschland? Ich weiß es nicht — und das erschreckt mich noch mehr.

Beste Grüße,
grtgrt
 

  Beitrag 1911-22
Unsere Sprache als stumpfes oder als scharfes Messer

 
 
Bauhof aus 1911-20:
Außerdem wird man Anton Zeilinger wohl kaum als einen der Mitschuldigen an der Verhunzung der deutschen Sprache ansehen können, nur weil er den quantenmechanischen Zufall "objektiv" statt "absolut" nennt.

Bauhof,

Ich stimme dir da voll zu: Wer nicht gleich das treffendste Wort findet, verhunzt noch lange nicht unsere Sprache.

Wie aus diesem deinem Satz aber hervorgeht, scheinst du Zeilingers objektiv mit meinem absolut zu verwechseln. Das aber ist falsch, denn objektiver Zufall im Sinne von Zeilinger ist physikalischer Zufall im Sinne von Beitrag 1911-1.

Du siehst also: Man kann unsere Sprache benutzen wie ein stumpfes Messer, aber auch wie ein scharfes.

Man sollte das nicht vergessen, und man sollte auf keinen Fall verlernen, auch mit scharfen Messern umzugehen.

Beste Grüße,
grtgrt
 

  Beitrag 1911-23
Absolutsheitsaussagen sind eher verdächtig (also besonders zu reflektieren)

 
Hallo Eugen Bauhof und Grtgrt,

damit ihr nicht den Eindruck habt, es handele sich bei Äußerungen zu den Begriffsinhalten um reine Wortgefechte oder Rechthaberei, will ich meine Ansicht kurz begründen.

Die von mir so genannten "Abolutheitsaussagen" über die Wirklichkeit, wie sie in Ausdrücken wie absoluter Zufall, Ewigkeit, Unendlichkeit, u.s.w. zum Ausdruck kommen sind wissenschaftsfeindlich. Sie behindern Erkenntnis und haben in früheren Zeiten sogar dazu geführt, dass Wissenschaftler, die solche Absolutheitsvorstellungen infrage stellten, schwerste Folgen zu tragen hatten.
Wie schwierig es war, die absolute Vorstellung von Raum und Zeit aufzugeben, die als wissenschaftlich begründet galt, belegen die Erkenntnisse von Einstein.
Nach meiner Überzeugung ist es deshalb sinnvoll, Absolutheitsvorstellungen aufzudecken, egal ob sie aus der Religion oder aus der Wissenschaft selbst kommen.

MfG
Harti
 

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