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Unsere Welt zu verstehen:  Wolfgang



 Beitrag 0-404
 
 

 
C.G. Jung und Wolfgang Pauli

 
 
Wolfgang Pauli — Quantenphysiker und Nobelpreisträger (1900-1958) — und Carl Gustav Jung — nach Freud der bekannteste Phsychoanalytiker seiner Zeit (1875-1961) — waren recht unkonventionelle Denker, die eine 26-jährige intensive Diskussion über Weltharmonie, Traumdeutung und die Bedeutung innerer Bilder miteinander verband.
     
  • Im Jahre 1921 erschien in der "Encyklopädie der Mathematischen Wissenschaften" der Aufsatz "Relativitätstheorie" des damals erst 21-jährigen Studenten Wolfgang Pauli, der als Gesamtdarstellung der Speziellen und Allgemeinen Relativitätstheorie angelegt war und in dieser Funktion sofort eine bis heute vielzitierte Standardreferenz wurde. Auf frische und kritische Art diskutiert Pauli besonders die Grundlagen dieser Theorien, auf denen unser Verständnis von Raum und Zeit auf allen Skalen der heutigen Physik beruht, angefangen von den Elementarteilchen bis zur Kosmologie. Dadurch ist Paulis Artikel auch heute noch eine wertvolle Bereicherung für Studierende und Experten gleichermaßen. Einsteins Rat, daß diesen Artikel jeder zu Rate ziehen sollte, "der sich in prinzipiellen Fragen authentisch orientieren will", kann auch heute noch uneingeschränkt weitergegeben werden.
     
    Als Quantenphysiker machte Pauli 3 Entdeckungen, die unser Verständnis der Welt wesentlich bereichert haben: Das Ausschließungsprinzip, das Neutrino und die CPT-Symmetrie.
     
    Von Kollegen wurde Pauli später » das Gewissen der Physik « genannt, da er die Arbeit anderer oft durch beissende Kritik und kritische Einschätzung gefördert und verbessert hat. Werner Heisenberg etwa hat, wie er selbst sagt, nie etwas veröffentlich, ohne dass er vorher Pauli um schonungslose Kritik seiner Arbeit gebeten hätte. Das gute Verhältnis der beiden zerbrach erst, als sie — schon gegen Ende ihrer Laufbahn — sich beim Versuch, die sog. Feinstrukturkonstante 1/137 herzuleiten, in eine Sackgasse verrannten, was dazu führte, dass Pauli sich bei einem Vortrag in den USA vor vielen Fachleuten ziemlich blamiert hat. Hier erst hat sein sonst untrüglicher, messerscharfer Verstand versagt.
     
  • Jung war ein Pionier der Erforschung des menschlichen Geistes, der in seine Methodik sog. » analytischer « Psychoanalyse auch Ansätze aus Alchemie, Mystik und fernöstlichen Religionen mit einbezog und sich daher schon bald von Freud und seinen Anhängern entfremdet hat.
     
    Psychoanalytikern und der Öffentlichkeit ist Jungs Name heute zwar noch bekannt, aber was er eigentlich dachte und versucht hat, ist weniger bekannt als der Mensch Jung selbst. Viele Jahre lang strafte ihn die psychoanalytische Gemeinde mit Verachtung für sein Interesse an einem Gedankengut, das sie als das Okkulte bezeichnete. Insbesondere aus dem Kreis der Schüler von Freud musste Jung Prügel einstecken.
     
    Dass Jung später von der New-Age-Bewegung vereinnahmt wurde, war ebenso wenig hilfreich wie seine vermeintliche — aber nicht wirkliche — Sympathie für die Nazis.
     
    Heute gibt es erneut Interesse an der Beziehung zwischen Jung und Freud: Man versucht Jungs Werk im Rahmen der Kultur seiner Zeit zu verstehen. Hierfür sichten Gelehrte seinen unveröffentlichten Nachlass und bereiten viel davon zur Veröffentlichung vor.

Inzwischen behaupten mehr und mehr Wissenschaftler, Psychologen und Neuropsychologen, dass das Verständnis von Geist und Bewusstsein geradezu nach einem Ansatz schreie, der die Fachbereiche überschreitet. Selbst einige wenige Physiker — Roger Penrose oder Thomas Görnitz sind gute Beispiele — arbeiten am Versuch, solche Ansätze zu finden.
 
Damals aber (1931-1958), als solch fachübergreifende Diskussion in Form intensiver Gespräche zwischen Pauli und Jung zum ersten Mal stattfand, mussten die beiden dies für sich behalten aus der Furcht heraus, sich sonst in ihrem jeweiligen Kollegenkreis lächerlich zu machen. Entsprechend vorsichtig formuliert ist ihr einziges, gemeinsam herausgegebenes Buch Naturerklärung und Psyche = [2]. Es enthält
Arthur I. Miller stellt fest: » Für Pauli, den Physiker, liefen hier alle Fäden seiner Arbeit zusammen — seine Vorträge über Kepler und Fludd, seine Träume und Gespräche mit Jung und auch sein Briefwechsel mit Fierz: ein Thema, über das er 25 Jahre lang nachgedacht hatte. «
 
 
Quelle: Arthur I. Miller: 137: C. G. Jung, Wolfgang Pauli und die Suche nach der kosmischen Zahl, (2009, deutsch 2011)

 
 
Dass sich der Physiker Pauli — noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts — intensiv mit dem Gedankengut der Alchemie auseinandersetzt, mag zunächst merkwürdig erscheinen, wird aber verständlich, wenn man berücksichtigt, dass eine der Fragen, denen er nachging, war (in seinen eigenen Worten): » Werden wir auf höherer Ebene den alten psychophysischen Einheitsraum der Alchemie realisieren können, durch Schaffung einer einheitlichen begrifflichen Grundlage für die naturwissenschaftliche Erfassung des Physischen wie des Psychischen? «

 


aus  Notizen  zu:

Synchronicity und der Pauli-Effekt


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