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Unsere Welt zu verstehen:



 Beitrag 0-325
 
 

 
Wie wir Menschen den Begriff » Gott « verstehen sollten

 
 
Für Menschen war und ist der Begriff » Gott « (im Singular oder im Plural gebraucht) immer schon Platzhalter für alles, was aus menschlicher Sicht
     
  • einfach nicht zu verstehen
     
  • aber dennoch nicht wegzudenken

ist. Wo immer Menschen nach einer Ursache gesucht haben, die einfach nicht zu finden war, haben sie von » Gott « gesprochen als demjenigen, den sie dann als diese Ursache sehen konnten.
 
Die Einsicht, dass sie hier auf etwas Unverständliches gestoßen waren, haben mindestens die Autoren der Bibel schon gehabt. Dies zeigt sich daran, dass sie Gott das Wort in den Mund legen » Du sollst dir kein Bild von mir machen «, was zu lesen ist als: Es macht keinen Sinn, Gott seinem wirklichen Wesen nach verstehen zu wollen: Was immer man sich da vorstellt, wird allzu naiv sein.
 
 
Damit ist klar: Selbst der Gott der Bibel ist etwas durch Menschen Konstruiertes — was aber nicht bedeuten muss, dass dieses durch Menschen konstruierte Gottes-Konzept nicht doch korrespondieren könnte zu einem Teil der uns — ja ganz prinzipiell unbekannten — Wirklichkeit.
 
Eben deswegen wäre es falsch, die Aussagen der Bibel — oder vergleichbarer Texte von Propheten oder Religionsgründern — allzu wörtlich zu nehmen. Sie sind nur Versuch, zu beschreiben, was sich menschlichem Bewusstsein aufdrängt und sehr wahrscheinlich mit der Quelle unseres Bewusstsein zu tun hat.
 
 
Die Bibel ist einzuordnen als der bisher ernsthafteste und erfolgreichste Versuch, den Wert dessen zu begreifen, was unser Gewissen uns an Wertvorstellungen menschliches Zusammenleben betreffend signalisiert.
 
Und tatsächlich: Mindestens die Tatsache, dass jeder Mensch — wie deutlich oder schemenhaft auch immer — über ein » Gewissen « (d.h. einen Sinn für Gut und Böse) verfügt, ist Teil dessen, was wir einfach nicht verstehen, von unserem Menschsein aber auch nicht wegdenken können. Der Wert, der einem Menschen am Ende seines Lebens zuzusprechen sein wird, scheint direkt proportional zur Deutlichkeit, mit der er seinem Gewissen erlaubt hat, mit ihm zu sprechen.
 
Da wir nicht wissen und wohl auch nie wissen werden, woher die Stimme unseres Gewissens kommt, müssen wir es — so wie wir » Gott « oben definiert haben — als Stimme Gottes begreifen.
 
Unser Gewissen scheint der Teil unseres Bewusstseins zu sein, mit dem wir sogar dort noch weiter nach Wahrheit suchen können, wo Physik und mathematische Logik versagen.
 
 
 
Über das hier Gesagte hinaus, kann jeder von uns vorgehen, wie die Autoren der Bibel: Sie haben versucht, den unbegreifbaren » Gott « zu einem Teil ihrer Welt zu machen, indem sie über ihn nachdachten. Wenn auch wir uns auf eben diese Weise schließlich doch ein Bild von Gott machen, wird das nicht weiter schlimm sein, solange uns präsent bleibt, wie entsetzlich unvollkommen dieses Bild stets und immer sein wird — einfach deswegen, weil Gott ja schon per definitionem das Unbegreifbare darstellt.
 
Da diese unsere Gottesbilder dann aber so unvollkommen sind, muss es uns nicht erstaunen, dass es kaum zwei Menschen mit exakt dem gleichen Gottesverständnis gibt. Insbesondere wird gelten: Je abstrakter jemand zu denken versteht, desto abstrakter wird sein Gottesbegriff sein.

 
 
 
Gebhard Greiter (2017)


 


aus  Notizen  zu:

Die logisch problemloseste Definition des Gottesbegriffs


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