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Unsere Welt zu verstehen:  Wissenschaft Religion



 Beitrag 0-302
 
 

 
Was Wissenschaft über Religion zu sagen weiß

 
 
Einige Gelehrte behaupten, schon in den ersten Anfängen des Judentums habe man Gott vorrangig als zukünftiges Sein betrachtet. Dies ginge zurück auf die Stelle in der Bibel, in der Gott aus dem brennenden Dornbusch zu Moses sprach und der ihn nach seinem Namen fragte. Die in Hebräisch formulierte Antwort Gottes soll gelautet haben: » Ehyeh Asher ehyeh. « (wörtlich ins Deutsche übersetzt: ICH WERDE SEIN, DER ICH SEIN WERDE) und weiter: » So sollst du zu den Iraeliten sagen: Der ICH WERDE SEIN hat mich zu euch gesandt. «
 
Der deutsch-jüdische Philosoph Ernst Bloch ebenso wie der katholische Schweizer Theologe Hans Küng wiesen beide darauf hin, dass dies die korrekte Übersetzung darstellt und der Gott Mose somit als "End- und Omega-Gott" aufzufassen sei.
 
Heutige Theologen neigen zur Ansicht, die Physik könne sich nur mit endlich absehbarer Realität befassen, während die endgültige Realität — sollen wir sagen die Wirklichkeit? — ihrem Wesen nach unendlich sei (vergleichbar dem Grenzwert einer konvergenten unendlichen Reihe von Zahlen).
 
 
Frank J. Tipler ist einer der ganz wenigen Physiker, die dies nicht gelten lassen wollen und glauben, dass die Physik sich durchaus ebenfalls mit dem Unendlichen — d.h. dem Grenzwert von allem, was absehbar ist, befassen könne.
 
Die Mehrzahl zeitgenössischer Naturwissenschaftler aber möchte sich auf so eine Diskussion gar nicht erst einlassen, wie sich recht deutlich daran zeigt, dass das Council of the US National Academy of Sciences in einer Resolution vom 25.8.1981 festhielt:

 
 
» Religion und Wissenschaft sind getrennte, einander ausschließende Bereiche des menschlichen Denkens,
 
deren Darstellung in ein und demselben Zusammenhang zu einem falschen Verständnis
 
sowohl der wissenschaftlichen Theorie als auch des religiösen Glaubens führt. «

 
 
Tipler unterstellt Wissenschaftlern, die sich zu dieser Aussage bekennen, sie würden Religion als Gefühlsduselei einordnen, die bei so manchem einfach nur Ausdruck seiner Furcht vor dem Tode sei. [ Meiner Ansicht nach geht Tipler mit diesem Vorwurf zu weit — es gibt ja schließlich auch tief religiöse Naturwissenschaftler, die aber dennoch nicht glauben, dass religiöse und naturwissenschaftliche Aussagen von vergleichbarer Qualität seien.]
 
 
Dennoch scheint mir, dass Tipler Recht haben könnte mit seiner Ansicht, dass auch dieser Beschluss der Akademie sich als eine Theorie erweisen könnte, die irgendwann — und dann auch aus gutem Grunde — aufgegeben werden muss.
 
Er weist ganz richtig darauf hin, dass Antworten, die die Wissenschaft gibt, immer nur wahrscheinlich wahr sind.
     
  • Das bekannteste Beispiel ist die heliozentrische Theorie des Sonnensystems: Erstmals in der Antike vom griechischen Astronomen Aristarchos von Samos entwickelt, wurde sie zu Beginn der christlichen Epoche zugunsten des geozentrischen Modells des Ptolemäus verworfen — bis Nikolaus Kopernikus (1543) sie dann doch wieder als die richtige erkannte.
     
  • Ein weiteres Beispiel liefert die Medizin des 19. Jahrhunderts: Sie hat eine ältere Theorie — wie man damals dachte für alle Zeiten — verworfen; eine Theorie der Entstehung von Entzündungen, deren Ächtung der Chirurgie in ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts massive Rückschläge beschert hat. Die postoperative Sterblichkeitsrate stieg sprunghaft an, nachdem man Ausbrennen der Wunden mit dem Brenneisen oder Desinfektion mit kochenden Flüssigkeiten als Irrweg erkannt zu haben glaubte. Erst Pasteur, Lister und andere griffen schließlich wieder auf die ältere, richtigere Theorie zurück.

 
Ob nun allerdings Tiplers Versuch, eine Physik der Unsterblichkeit zu begründen, Sinn macht, scheint mir mehr als fraglich: Immerhin denkt Tipler, seine — wie er glaubt rein physikalische — Theorie würde implizieren, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass Er, Gott, existiert (als Grenzwert der Evolution des Universums), wir einen freien Willen haben und Er uns ewiges Leben nach dem Tode schenken könne.
 
Sein Buch: Frank J. Tipler: The Physics of Immortality (1994), in Deutsch: Die Physik der Unsterblichkeit, DTV (1995).
 
 
Note: Tipler ist ein durchaus anerkannter Physiker und Kosmologe. Seine Vorhersagen über der Menschen Möglichkeit, das gesamte Universum zu besiedeln, scheinen mir dennoch mehr Science Fiction denn ernsthafte Wissenschaft. Er scheint theoretische Konstrukte wie die Von-Neumann-Sonde — eine von John v. Neumann erdachte, hypothetische Maschine, die jede andere Maschine, auch weitere von-Neumann-Sonden, ohne fremde Hilfe nur aus im All vorgefundenen Rohstoffen herstellen kann — für etwas noch im 21. Jahrhundert wirklich Realisierbares zu halten (und das sogar noch in Form von Nanotechnologie).
 
Diese Vision beschreibt er ab S. 73 der deutschen Ausgabe seines Buches.
 


 


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