welt-verstehen/Wle+Willen

Unsere Welt zu verstehen:



 Beitrag 0-152
 
 

 
Was ist unsere Seele?

Hat wenigstens sie freien Willen?

 
 
Was Naturwissenschaftler unsere Psyche nennen, wird von religiösen Menschen auch als unsere Seele bezeichnet.
 
 
Wenn wir freien Willen haben, dann muss der ja wohl in unserer Seele verankert sein.
 
Mit dem freien Willen aber ist das so eine Sache, da ja noch nicht mal feststeht, wie der Mensch — von ersetzbaren Körperzellen mal abgesehen — sich manifestiert als etwas, das sich selbst erkennt und versuchen kann zu "wollen".
 
Man kann sich z.B. fragen, ob dieses Etwas im Menschen (das Willen haben kann) in seinem Gehirn sitzt oder doch eher — wie Christen denken — aus unserer Seele kommt.
 
 
Wo aber residiert des Menschen Seele? Wirklich nur in seinem Körper?
 
Die Naturwissenschaft kann uns diese Frage nicht beantworten, die christlichen Religionen aber beantworteten sie mit einem entschiedenen NEIN.
 
 
Interessant in diesem Zusammenhang ist:
 
Es gibt tatsächlich naturwissenschaftliche Beobachtungen, die auf die Möglichkeit hindeuten, dass nicht alles, was den Menschen ausmacht — und insbesondere seine Seele, sein "Ich" — keineswegs zwingend an seinen Körper gebunden ist.
     
  • Hans-Peter-Dürr vergleicht uns in unserer körperlichen Existenz mit Schaumkronen im Meer, da ja auch die Schaumkrone eine Welle am präsentesten macht, die Welle aber länger existiert als in der Form einer Schaumkrone (sprich: eines Körpers).
     
    Doch keine Welle ist von anderen Wellen klar abgrenzbar.
    Jede Welle verklingt schon nach kurzer Existenz wieder im Ozean, war also in ihrer Einzigartigkeit nur Form, die vorübergehend existiert hat.
     
    Nahegelegt wird ihm, dem Quantenphysiker, dieses Bild durch die Tatsache, dass der Körper jeden Menschens aus quantenphysikalischer Sicht heraus ein Paket von Kraftwellen ist, welches sich, sobald der Körper verwest, als Menge von Atomen mit anderen solcher Körper und anderen Gegenständen der Natur, auch mit Pflanzen natürlich, mischt und so seine Individualität aufzugeben scheint — eine Individualität, die sich letztlich nur als ganz bestimmte Anordnung jener Atome und Elementarteilchen ergeben hatte.
       
    • Wo aber ist dann unsere "Seele" geblieben? Gibt es sie noch?
       
    • War sie vielleicht auch nur Form (bzw. Anordnung)?
       
    • Und was würde das bedeuten?

     
  • Ein zweiter Wissenschaftler, dem der Verdacht kam, dass zumindest das Gedächtnis des Menschen (aber auch das anderer Lebewesen bis hin zu Pflanzen, ja sogar Kristallen) nicht in seinem Körper — im Gehirn — residiert, ist Rupert Sheldrake (ein Biologe und Verhaltensforscher).
     
    Er stützt seine Vermutung auf konkrete, gut nachprüfbare Beobachtungen (die natürlich noch keine Beweise sind, die mit seiner Vermutung aber durchaus kompatibel erscheinen und sogar daraus erklärbar würden): siehe Sheldrakes Theorie.
     
     
  • Auch die Tatsache, dass die Physiker sehr genau wissen, dass keineswegs schon alle Formen, in denen Energie in unserem Universum auftritt, entdeckt sind, könnte uns fragen lassen, ob nicht vielleicht auch Geist eine Erscheinungsform von Energie ist. Was aber müsste man denn dann als den "Willen" solcher Portionen von Geist/Energie begreifen?

 
Aber selbst wenn auch Geist eine Erscheinungsform von Energie wäre, oder wenn morphogenetische Felder im Sinne Sheldrakes wirklich existieren und so eine Art kollektives Gedächtnis aller Lebewesen beherbergen sollten, muss das noch lange nicht bedeuten, dass Teile davon unsere Seele darstellen.
 
Wäre unser Wille aber nicht Teil unserer Seele, wäre er letzlich nicht Teil von uns, sondern nur Teil der Dinge, derer wir uns bedienen.
 
Daher gilt:
 
So lange wir nicht klären können, was unsere Seele ist,
 
werden wir auch nicht wissen, in welchem Umfang uns freier Wille zugestanden ist.

 
 
Sicher scheint mir nur Folgendes:
 
Was wir als unseren Willen betrachten, besteht aus zwei Komponenten:
     
  • aus einem durch unsere  P s y c h e  erzeugten Willen
     
  • und aus etwas, das unser  G e h i r n  hervorbringt einzig und allein aufgrund von Signalen, die es aus dem Rest unseres Körpers empfängt.
     
    Letzteres ist ein uns von unserem Denkapparat aufgezwungener Willensanteil: etwas, das wir fälschlicher Weise mit für unseren Willen halten, das aber wohl kaum als  f r e i e r  Wille gelten kann.

Tröstlich und ganz besonders erstaunlich daran ist, dass die erste Komponente — die rein geistige — die zweite Komponente zu modifizieren, besser vielleicht: zu verstärken oder abzu­schwächen in der Lage ist (bei geistig gesunden Menschen jedenfalls).

 


aus  Notizen  zu:

Freier Wille — nur begrenzt?


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