D i s k u s s i o n



 Beitrag 0-68
Warum keine dem Menschen vergleichbare Spezies auf nur einem Planeten lange überleben kann

 
 

 
Warum der Mensch — wenn er an die Erde gebunden bleibt —
 
als hochentwickelte Zivilisation sicher keine 50.000 Jahre lang existieren kann

 
 
Gegenwärtig (2007), so schreibt Michio Kaku, entdecken die Astronomen pro Monat durchschnittlich 2 Planeten, die um eine Sonne in der Milchstraße kreisen.
Zudem wird schon lange versucht, im All Spuren anderer intelligenter Wesen zu finden — bisher allerdings vergeblich.
 
Wie hoch also könnte die Wahrscheinlichkeit sein, dass gleichzeitig zu uns z.B. in der Milchstraße eine wenigstens so hoch entwickelte Spezies wohnt?
 
Wo seriöse Wissenschaftler sich überlegen, wie viele nach unseren Maßstäben bewohnbare Planeten es in der Milchstraße geben könnte, kommen sie auf ein Zahl, die zwischen 10.000 und 100.000 liegt. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass dort gleichzeitig zu uns hochentwickeltes Leben existiert, muss als recht gering einge­schätzt werden, da man sich leicht überlegen kann, wie dramatisch gering die Chancen sind, dass eine an einen Planeten gebundene Zivilisation wesentlich mehr als einige zehntausend Jahre überlebt.
 
Da solches kaum möglich ist, müssten mit uns vergleichbare Zivilisationen sogar noch  zu etwa derselben Zeit wie wir entstanden  sein.
 
Hier die gesamte Argumentationskette dafür:
 
 
Erstens:
    Flüssiges Wasser scheint bei der Entstehung von Leben eine wesentliche Rolle zu spielen. Als universelles Lösemittel kann es eine ganz erstaunliche Zahl von Chemikalien auflösen und ist somit ideale Ursuppe, in der es zur Entwicklung komplexer Moleküle kommen kann.
     
    Zudem ist Wasser im Universum weit häufiger zu finden als jedes andere Lösungsmittel.

Zweitens:
    Kohlenstoff, so wissen wir, ist deswegen bei der Entstehung von Leben nahezu unentbehrlich, weil er 4 Bindungen besitzt, als gleich 4 Möglichkeiten, sich an andere Atome zu binden. Vor allem haben Kohlenstoffatome die Fähigkeit, sich zu langen Ketten zu vereinen, was Grundlage aller organischen Chemie ist. Kurz: Vor allem in Gegenwart von Kohlenstoff ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass sich Moleküle ungeheuerer Komplexität bilden (andere Elemente mit 4 Bindungen sind da längst nicht so ergiebig).
     
    Am anschaulichsten hat ein 1953 von Stanley Miller und Harol Urey durchgeführtes Experiment gezeigt, wie die Grundlagen lebender Wesen sponatn entstehen können:
     
    Sie gaben in eine Ammoniak-Lösung Methan und andere toxische Chemikalien, deren Vorhandensein im Früstadium der Erde sie vermuteten, füllten alles in einen Glaskolben und ließen durch den schwachen elektrischen Strom fließen.
     
    Nach nur einer Woche schon konnten sie im Kolben die Existenz von Aminosäuren nachweisen — den Vorläufern von Eiweißmolekülen.
     
    Damit war bewiesen: Leben  k a n n  spontan entstehen.
     
    In der Folgezeit hat man Aminosären selbst noch in Meteoriten und im Weltall treibenden Gaswolken gefunden.

Drittens:
    Grundlage sich selbst reproduzierenden Lebens sind DNS-Moleküle. Sich selbst vervielfältigende Moleküle sind in der Chemie extrem selten, und so muss man wohl mehrere hundert Millionen von Jahren warten, bis ein erstes solches Molekül durch Zufall zustande kommt. Dennoch: Könnten wir das Miller-Urey-Expirement über einen derart langen Zeitraum fortführen, würden wir vermutlich die Bildung DNS-ähnlicher Moleküle feststellen können.
     
    Vielleicht war ein Vulkanschlot irgendwo auf dem Meeresboden die Stelle, an der auf der Erde ein erstes DNS-Molekül entstand.
     
    Man weiß nicht, ob das DNS-Molekül das einzige ist, das sich auf Grundlage von Kohlenstoff vermehren kann. Die Wahrscheinlichkeit aber ist hoch, dass, sollten noch andere möglich sein, sie der DNS recht ähnlich sein würden.

 
Zur Entstehung von Leben also — so denkt man — sind notwendig:
  • flüssiges Wasser,
  • Kohlenstoffe
  • und irgend ein DNS-ähnliches Molekül, das sich vermehren kann.

Wie groß aber ist die Chance, dass solches Leben lange genug ungestört genug bleibt, sich auf den Stand zu entwickeln, den der Mensch bisher erreicht hat?
Und wie lange darüber hinaus könnte es dann noch — auf diesem Niveau — existieren?
 
Dies Frage zu beantworten, muss man sich vor Augen führen, wie stabil lebenserhaltende Umweltbedingungen auf Planeten denn eigentlich sind:
 
 
Erstens:
    Mit Hilfe heute möglicher Simulationsprograme ließ sich beweisen, dass nur die Gegenwart mindestens eines Planeten von der Größe Jupiters garantieren kann, dass der Raum zwischen den Planten einer Sonne kontinuierlich von großen umherfliegenden Trümmern gesäubert wird: Wenn es Jupiter nicht gäbe, würde unsere Erde von Kometen und Meteoriten nur so bombardiert. Dann aber gäbe es hier kein Leben, da höherentwickelte Lebewesen — kaum entstanden — durch Umweltkatastrophen sofort wieder ausgerottet worden wären. Konkreter: Der Astronom Wetherill schätzt, dass ohne die Gegenwart von Jupiter und Saturn die Erde etwa 1000-mal häufiger Zusammenstöße mit Astereoiden erlitten hätte, und im Durchschnitt wohl so alle 10.000 Jahre ein Einschlag passiert wäre, der dem entspricht, von dem wir glauben, dass er vor 65 Mio Jahren die Spezies der Dinosaurier ausgelöscht hat.

Zweitens:
    Dass die Erde einen großer Mond umkreist, ist ein großes Glück für uns, denn ohne ihn — so lässt sich zeigen — wäre die Lage der Erdachse wahrscheinlich instabil geworden: Sie kännte dann, so hat der Astronom Jacques Lasker errechnet, ständig zwischen 0 und 54 Grad schwanken, was extreme Wetterbedingungen zur Folge hätte — solche, die wir nicht ertragen könnten.

Drittens:
    Erst in jüngster Zeit gefundene Indizien legen nahe, dass das Leben auf der Erde schon mehrmals kurz vor seiner Auslöschung stand. So war unser Planet vor etwa 2 Milliarden Jahren vollständig mit Eis bedeckt, so dass da nur höchst primitives Leben eine Chance zum Existieren hatte. Zu anderen Zeiten aber haben wohl vor allem gewaltige Vulkanausbrüche schon vorhandenes Leben nahezu wieder ausgelöscht.
     
    Mindestens einmal in der Vergangenheit scheint insbesondere das damals schon entstandene menschliche Leben nahezu ausgerottet worden sein.
     
    Wie nämlich neueste Ergebnisse der DNS-Forschung zeigen, sind Menschen genetisch kaum voneinander zu unterscheiden — bei Tieren ist das ganz anders: dort können sich einzelnen Exemplare einer Art genetisch ganz erheblich unterscheiden. Hiervon ausgehend denkt man heute, dass es vor etwa 100.000 Jahren vermutlich nur wenige Hundert, maximal wenige Tausend Menschen gab, andere ausgerottet waren, und der moderne Mensch wirklich nur von diesen ganz wenigen Exemplaren, die damals überlebt haben, abstammt.
     
    Die regelmäßige Wiederkehr von Eiszeiten etwa könnte gut der Grund dafür gewesen sein, dass es zu solchen » Engpässen « in der Geschichte der Menschheit kam.

Konsequenz aus all dem:

 
Je höher entwickelt eine Lebensform ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit,
 
dass sie Ereignisse nicht überlebt, die wir als Naturkatastrophen sehen.

 
 
Sehr niedrige Lebensformen allerdings — Mikroben und dazu Vergleichbares — könnten die meisten Umweltveränderungen überstehen.

 
 
Die letzte Eiszeit auf der Erde endete vor 10.000 Jahren. Die nächste kommt vielleicht in 20.000 — und wird dann ganz Nordamerika sowie alles, was dem Äquator
nicht näher liegt, mit einer mehrere Hundert Meter dicken Eisschicht bedecken.
 
Lange vorher allerdings könnten wir uns durch ein Zerstören unserer Umwelt oder die Folgen eines dritten Weltkrieges sehr gut auch selbst schon zu einer auf Dauer nicht mehr überlebensfähigen Spezies gemacht haben ...
 
Spätestens in 5. Mrd. Jahren aber, das ist sicher, wird unsere Sonne explodieren und alles Leben auf der Erde auslöschen.

 
 
Quelle genannter Fakten:
  • M. Kaku: Die Physik des Unmöglichen, Rowohlt 2008, Seite 170-201


 

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