D i s k u s s i o n


 Beitrag 0-160
Der Urknall: Wo selbst die Wissenschaft an Wunder glaubt

 
 

 
Selbst die Wissenschaft glaubt an Wunder

 


Terrence McKenna ( in: Denken am Rande des Undenkbaren ):
 
Die ungeheuere Unwahrscheinlichkeit, auf der die moderne Wissenschft beruht, — ohne dass sie jedoch bereit wäre, sie zur Diskussion zu stellen, — ist die Annahme, das Universum sei in einem einzigen Moment dem Nichts entsprungen.
 
Wenn man das glauben kann, dann dürfte es kaum etwas geben, was man nicht glauben könnte.
 



Augustinus ( 354-430, ein Kirchenlehrer ):
 
Wunder geschehen nicht im Gegensatz zur Natur,
 
sondern nur im Gegensatz zu dem, was wir von der Natur wissen.

 


 
Wie man sieht, vertauschen Wissenschaft und Religion schon manchmal ihre Rollen.
 
 
Quelle: Mathias Bröckers: Das sogenannte Übernatürliche, Eichborn 1998


 

 Beitrag 0-161
Der Mensch — Wird er die nächste planetarische Katastrophe verursachen?

 
 

 
Der Mensch — Saatkorn der nächsten planetarischen Katastrophe?

 


Mathias Bröckers, 1998 :
 
Vor etwa 65 Millionen Jahren hat eine Naturkatastrophe — wahrscheinlich der Einschlag eines großen Metereoiten — nicht nur sämtliche Saurier, die damals mächtigsten Bewohner der Erde, sondern in der Folgezeit auch zwei Drittel aller damals existierenden Lebewesen vernichtet.
 
Heute — so haben Wissenschaftler errechnet — hat die Massenausrottung von Arten ein ebenso großes Tempo erreicht wie nach jenem kosmischen Unfall in der Kreidezeit.
 
Doch dieses Mal heißt die Katastrophe » Mensch « :

 
Nach dem jahrhundertelangen Irrglauben, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei, die Welt beherrsche und sich auf aufsteigendem Ast befinde, kommt uns heute mehr und mehr der Verdacht, dass wir auf dem besten Wege sind, den Ast, auf dem wir — als Gattung — sitzen, abzuschneiden.
 


 
 
Quelle: Mathias Bröckers: Das sogenannte Übernatürliche, Eichborn 1998


 

 Beitrag 0-173
Zu naive Nutzung der Möglichkeiten des Internets gefährdet unsere Gesellschaft

 
 

 
Das Internet in Kombination mit der Unkontrollierbarkeit einiger seiner Pioniere

ist auf dem besten Weg

hin zu lückenloser Überwachung und Ausbeutung fast aller

 
 
Eines sollte uns allen völlig klar sein:
 
Je mehr wir übers Internet vernetzte Software nutzen — vor allem auch in Geräten, die wir ständig mit uns tragen — desto mehr geben wir den derzeit weltweit mächtigsten Unternehmen auch Gelegenheit, uns und andere auszuspionieren:
 
Das fängt an beim Herzschrittmacher und endet mit modernen Autos — oder mit Brillen wie Google Glass oder mit Fernsehgeräten, die protokollieren, welchen Teil welcher Sendungen wir uns wann angesehen haben — mit Maschinen also,
     
  • die uns vordergründig zwar dienen,
     
  • die uns aber in ganz unglaublich hohem Maße auch höchst effektiv ausspionieren, indem sie Daten über uns und unser Verhalten sammeln.

So unkontrolliert, wie diese Daten heute vermarktbar sind, erreichen sie letzlich jeden, den sie interessieren, kurz: jeden, der uns in irgend einer Weise — wie offen oder versteckt auch immer — zu beeinflussen oder auszunutzen sucht: Werbeagenturen, Versicherungen, Spionage-Organisationen, Terroristen ...
 
 
Kombiniert mit der Free-Sharing-Kultur und unserem eigenen Drang, mit anderen frei zu kommunizieren — z.B. Bilder von uns und unserer Umgebung unüberlegt ins Netz zu stellen — machen wir selbst das Internet zu einen Mechanismus, der mehr und mehr Potential ansammelt, unsere ganze Gesellschaft so umkrempeln zu können, dass dann nur noch ganz wenige von uns Macht über das eigene Schicksal haben werden.
 
Wie sich diese Gefahr — bisher von nur wenigen wirklich wahrgenommen — konkretisiert und schnell vergrößert, wird anhand von Beispielen und seit 1995 schon eingetretenen gesellschaftlichen Entwicklungen dargestellt im überaus lesenswerten Buch
 
 
Andrew Keen: Das digitale Debakel — warum das Internet gescheitert ist und wie wir es retten können (2015)
 
Die Originalausgabe erschien 2015 unter dem Titel The Internet is Not the Answer (Atlantic Books Ltd., London)

 
 
Keen will aufrütteln. Er fordert seine Zuhörer auf, endlich darüber nachzudenken, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen.
 
Keen erklärt uns, was es heißt, wenn wir bei Amazon ein Buch bestellen oder Uber nutzen statt ein klassisches Taxi. Er behauptet nicht, dass das Internet "böse" sei, will uns aber klar machen, dass es Entwicklungen zulässt, die uns zum Verhängnis werden müssen, wenn wir nicht versuchen, die Technologie zu kontrollieren (oder wenn solche Kontrolle noch lange auf sich warten lässt, da zu viele von uns noch nicht verstehen, wie gefährlich das Netz seiner bislang  u n k o n t r o l l i e r t e n Entwicklung wegen  schon geworden ist — und so auch gesellschaftlichen Schaden verursacht.
 
Keen sucht uns anhand recht überzeugender Beispiele klar zu machen, dass die Naivität, in der die meisten von uns heute die Möglichkeiten des Internets nutzen, für den Großteil der Gesellschaft äußerst gefährlich zu werden droht, auf jeden Fall aber zu Machtlosigkeit und Verelendung vieler führen muss.

 

 Beitrag 0-258
Zu wenig Ausbildung macht arbeitslos — und das immer schneller

 
 

 
Automatisierung durch Roboter
 
beseitigt mehr und mehr Arbeitsplätze in Entwicklungsländern

 
 
While outsourcing used to be the most financially sensible choice for companies operating in countries with no labor cost advantage, that role has been taken over by automation. Companies like Nike have closed some of their factories in China in favor of automation, and they subsequently saw their profits rise (for Nike, by 16 percent during its 2013 fiscal year).
 
This doesn’t bode well for low-skilled workers who depend on these jobs to live.
 
 
Sources:

 

  Beitrag 1909-3
Die an grenzenloser Gier nach Geld erstickenden Banker

 
 
Cybertine,

dein Beitrag 1909-1 spricht mir aus der Seele.

ABER: Man müsste die Tatsachen, die darin erwähnt werden, in der Öffentlichkeit wesentlich mehr diskutieren und thematisieren.

Dass das nicht passiert, ist aber eindeutig auch unsere eigene Schuld. Wer von uns sog. "mündigen Bürgern" macht sich denn die Mühe, mal den Bundestagsabgeordneten zu besuchen, der unseren Wahlkreis vertritt, und dem klar zu machen, dass wir von ihm erwarten, diese Probleme WIRKLICH zu thematisieren?

Erster Schritt, ihn zu überzeugen, müsste wohl sein, Beispiele zu finden, die er ohne viel Nachdenken auch sofort verstehen und hinsichtlich juristischer und gesellschaftspolitischer Brisanz auch sofort richtig einzuordnen versteht.


Hier ein Beispiel:

Vor einigen Monaten las ich in der Zeitung, dass Banken, die an der Londoner Börse am Hochfrequenzhandel beteiligt sind, viel Geld dafür bezahlen, dass die Leitungen, die ihren Computer mit dem der Börse verbinden, möglichst kurz sind. Die Großbanken kämpfen da um jeden Meter! Warum ist das so?

Nun: Der Hochfrequenzhandel ist d a s Werkzeug der Banker, mit dem sie Geld abschöpfen. Er erlaubt ihnen, buchstäblich JEDE Kursschwankung auszunützen, um Geld zu machen. Nicht selten erzeugen sie diese Kursschwankungen gezielt sogar selbst — und das auch noch über sog. Leerkäufe (das sind solche, wo sie für Aktien, die sie kaufen, keine Zahlung zu leisten brauchen, wenn sie nur hinreichend schnell — nur Bruchteile von Sekunden später — das betreffende Aktienpaket wieder abstoßen. Was bei ihnen hängen bleibt, ist, bei den großen Summen, um die es da geht, nicht selten ein schöner Batzen Geld: Geld, um das sie so andere Aktionäre erleichtert haben.

Genau betrachtet manipulieren sie so den Kurs der betreffenden Aktie. Manipulation ist das deswegen, weil nur börsen-zugelassene Händler möglich ist, so zu handeln: Die Markteilnehmer, welche durch jene Banker an der Börse vertreten werden, stehen außen vor, da ihnen schon vom System her nicht möglich ist, auch nur annäherend so schnell auf Kursschwankung zu reagieren. Da der Gewinn, den die Banker aus einer solchen Transaktion herausschinden, den Wert der gehandelten Aktie reduziert, bin ich der Meinung, dass das als Diebstahl zu werten ist:

Schließlich zweigen sie so ja Geld für sich oder ihre Bank ab, welches eigentlich dem die Aktie ausgebenden Unternehmen und seinen Aktionären gehört (!):
den Aktionären, um genau zu sein, die dem Unternehmen ihr Geld lange genug zur Verfügung stellen, damit es damit auch arbeiten kann.


Warum nur wird das weder durch den Gesetzgeber noch durch Juristen so gesehen?

Nur wenn wenigstens ein hohes Gericht hier wirklich mal auf Diebstahl erkennen sollte, könnte sich da was ändern. Ansonsten bleibt nur das Hoffen auf den Gesetzgeber — der aber scheint zu dumm, zu gleichgültig, oder durch zu viele Leute vertreten, die das Unrecht schlichtweg nicht als Unrecht sehen wollen, da sie sonst auf Zuwendungen seitens der Lobbyisten verzichten müssten.

Ist leider so!


Nebenbei: Ein Gesetz, das Ganze zu verhindern, könnte schlicht und einfach lauten:

Leergeschäfte sind verboten,
und wer Aktien kauft (bzw. verkauft) darf Aktien desselben Unternehmens frühestens 24 Std. später verkaufen (bzw. kaufen).


Leider müsste dieses Gesetz weltweite Gültigkeit haben (da es sonst wirkungslos wäre). Die aber ist nicht erreichbar.

Damit können wir wohl doch nur darauf hoffen, dass irgendwann auch hochrangige Juristen einsehen, dass das, was hier passiert, hart an Diebstahl grenzt und deswegen entschiedener gesellschaftlicher Ächtung bedarf.

Träumen wir weiter ...
 
 

  Beitrag 1909-4
-

 
 
Grtgrt aus 1909-3:
 
... darauf hoffen, dass irgendwann auch hochrangige Juristen einsehen, dass das, was hier passiert, hart an Diebstahl grenzt und deswegen entschiedener gesellschaftlicher Ächtung bedarf.

Träumen wir weiter ...
 

In der Süddeutschen Zeitung (16/17. Feb. 2013) bespricht ein Anreas Zielcke Frank Schirrmachers Buch "Ego", welches – wie er sagt – "uns das Grausen lehrt". So wird da etwa festgestellt:


Inzwischen beträgt die Haltezeit von Aktien an der Wall Street im Mittel sage und schreibe 22 Sekunden.

Es ist noch nicht lange her, da waren es im Schnitt mehr als 4 Jahre.


Und Zielcke fährt fort:

Zitat:
 
... bei dieser Gelegenheit zerbröselt der Hochgeschwindigkeitshandel eines der Fundamente der Rechtsordnung: ausgerechnet das unternehmerische Eigentum.

... Eine verantwortliche Rolle des Miteigentümers eines Unternehmens – die ja der Aktienbesitz darstellt – ist damit hinfällig. Wer, wenn nicht die Eigentümer, tragen dann die Verantwortung?
 

 

  Beitrag 1909-7
Das Internet als Chance, sich gesellschaftlich Gehör zu verschaffen

 
 
Dass Lobbyisten Politiker möglichst oft zu treffen und zu sprechen suchen, wird sich nicht unterbinden lassen (man kann ja schlecht verlangen, dass Abgeordnete nur noch mit Abgeordneten sprechen, und sachkundig müssen sie sie ja auch machen dürfen).

Problem dabei ist nur, dass das notwendige Gegengewicht — das ebenso regelmäßige Anhören unabhängiger Experten, vor allem Wissenschaftler — nicht gegeben ist. Und dass, sobald man dieses Gleichgewicht per Gesetz herstellen wollte, jene Wissenschaftler schon im Vorfeld durch Geldspenden der Lobby ihrer Unabhängigkeit beraubt würden: es würde sich lediglich der Focus des Lobbyismus verschieben.

Insofern scheint die einzige Lösung darin zu bestehen, dass wirklich jeder Gruppe der Gesellschaft ermöglicht wird, ihre Stimme hinreichend deutlich zu erheben — eben unüberhörbar. Wirkungsvollster Weg hin zu diesem Ziel dürften Möglichkeiten sein, die uns erst das Internet eröffnet hat (und der feste Wille aller Betroffenen, sich auch wirklich zu äußern — schon daran scheitert es ja oft).

 

  Beitrag 1909-10
Die Diktatur der heute allgegenwärtigen Zielvereinbarung

 
 
Hans-m aus 1909-9:
Bekanntlich fängt Fisch vom Kopf her an zu stinken.

Nicht der kleine Mann bringt das Chaos und die ungerechtigkeit in Wirtschaft und Politik. Dafür hat er gar nicht die Macht.
Die Führungskräfte, egal ob in Politik oder Wirtschaft sind an der Misere schuld.


Das scheint mir eine zu einfache Sicht — die Wahrheit ist wohl eher,
  • dass es in allen Gesellschaftsschichten Gauner und Betrüger gibt und in allen Schichten nur wenige, die einsehen, dass soziale Verantwortung zu tragen wichtiger sein muss als der eigene Geldbeutel.
  • Dazu kommt, dass die heutige Arbeitswelt den Arbeitenden entmündigt, indem sie ihn — über variable Gehaltsanteile und entsprechende Zielvereinbarungen — zwingt, sein Handeln nach nur einem einzigen Gesichtspunkt auszurichten: Profitmaximierung  n u r  im jeweiligen Verantwortungsbereich der jeweiligen Person.

Das beginnt schon damit, dass Einkäufer großer Behörden oder Unternehmen sich deswegen gezwungen sehen, ganz grundsätzlich auf Festpreisprojekten zu bestehen auch dort noch, wo der Komplexität der vergebenen Aufgabe wegen jedem Fachmann klar sein muss, dass die Chancen, das Projekt erfolgreich zu machen, weit höher wären, wenn man stattdessen einen Dienstleistungsvertrag anstreben würde.

Und es endet damit, dass neuerdings sogar Banken kriminell werden:

Zitat von Titelseite der Süddeutechen Zeitung vom 16/17. März 2013:
 
Schwerer Betrugsverdacht gegen Banken

Geldinstitute und Händler sollen den deutschen Fiskus durch kriminelle Aktiengeschäfte um viele Milliarden Euro geprellt haben.
Staatsanwälte ermitteln in Hessen und Bayern.

 

Welch furchtbare Folgen zu einseitig gestaltete Zielvereinbarungen haben können, zeigt sich selbst bei Personen, denen im heutigen Wirschaftsleben SEHR viel Macht und Einfluss gegeben ist.

Beispiel: Jürgen Fritsche, Co-Chef der Deutschen Bank, soll es 2013 — vor dem Entwicklungsausschuss des Bundestages — explizit abgelehnt haben, die moralische Dimension als Argument in der Debatte um die Spekulation mit Preisen für Nahrungsmittel mit zu berücksichtigen.

Zeigt das nicht sehr deutlich, dass wir nicht mehr von menschlichen Wesen regiert werden sondern nur noch von Mechanismen, denen das Erfüllen einer Ziel­vereinbarung auf einem eng abgegrenzten Bereich das  A L L E R W I C H T I G S T E  ist?

Und wer von uns beugt sich diesem Trend nicht?

 

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