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Unsere Welt zu verstehen:  Gottesbild Dreifaltigkeit



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Das christliche Gottesbild

hinsichtlich der Lehre von der » Dreifaltigkeit « Gottes

 
 
Ohne es so zu nennen, begegnet uns die Dreifaltigkeit des christlichen Gottes schon im Alten Testament: Er tritt dort auf als Vater, als Wort und als Geist.
 
Erst im Johannes-Evangelium — im neuen Testament also und dem Evangelium, das als letztes niedergeschrieben wurde — liest man "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt."
 
Erst von da an also spricht man von Gott in drei "Personen" (da man ja nun "das Wort" umgedeutet hatte in Jesus Christus als den Verkünder und Erklärer des Wortes).
 
Von Anfang an aber hat der Begriff "Person" zu Missverständnissen geführt, die im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder diskutiert wurden — stets mit dem Resultat, dass die führenden Theologen der Meinung waren, man dürfe den Begriff der "Person" hier nicht wörtlich nehmen.
 
Das Wort "Person" (lateinisch persona) entstand aus dem Verb personare (= durchdringen, durchtönen). In Karthago nämlich — dem heutigen Tunis — war es üblich, dass Schauspieler dort im selben Stück mehr als nur eine Rolle wahrzunehmen hatten. Um dem Zuschauer klar zu machen, in welcher Rolle sie gerade sprachen, haben die Schauspieler sich Masken vors Gesicht gehalten, jene Rolle deutlich zu machen. Ihre Stimme durchtönte dann die Maske (durchtönen = personare), weswegen man die Maske dann als "persona" bezeichnete — als die Rolle, in der der Schauspieler sprach.
 
Nun hat aber der Begriff persona (= Person) in den folgenden Jahrhunderten — vor allem in der Zeit, als man die Menschenwürde und die Menschenrechte entdeckte — mehr und mehr ganz andere Bedeutung bekommen.
 
Daran sollte denken, wer heute hört oder sagt, dass der christliche Gott in drei "Personen" existiere. Es sind weiterhin nur Rollen gemeint, bzw. die Tatsache, dass Gottes Wesen zu komplex und zu geheimnisvoll erscheint, um mit einem einzigen Begriff treffend genug umschreibbar zu sein.
 
 
Die beiden herausragendsten Theologen des 20. Jahrhunderts — Karl Rahner auf katholischer und Karl Barth auf evangelischer Seite haben beide — übereinstimmend und mit großem Nachdruck — festgestellt: Die Anwendung des modernen Begriffs der "Person" auf Gott führt unweigerlich zum Missverständnis, dass statt eines Gottes deren drei existieren. Das ewige Wort aber bleibt das Wort des Vaters. Ebenso bleibt der Heilige Geist der Geist des Vaters ("Geist", so schreibt Vorgrimler, ist etwas, das verstehen und wollen kann).
 
Barth und Rahner sagen übereinstimmend: Versteht man Wort und Geist als Personen im modernen Sinne, macht man aus dem einen Gott unweigerlich drei Götzen.
 
 
Quelle: Herbert Vorgrimler: Gott. Vater, Sohn und Heiliger Geist — Was Christen glauben (2015), S. 103-110


 


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