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Unsere Welt zu verstehen:  Universum Begriff



 Beitrag 0-472
 
 

 
Universum — ein heute mehrdeutiger Begriff



Paul Davies (2006):
 
Die Zeit, in der man unter dem Universum noch den ganzen Kosmos verstand, ist lange vorbei. Heute gilt:
     
  • Das beobachtbare Universum ist der durch Menschen einsehbare Teil des Weltalls.
     
    Noch um 1900 herum war das kaum mehr als unsere Milchstraße mit einigen ihrer nächsten Nachbarn. Heute aber ist beobachtbar schon fast das ganze prinzipiel beobachtbare Universum:
     
  • Das prinzipiell beobachtbare Universum ist ein — seinem Radius nach — ständig größer werdender Teil des Weltalls: ein kugelförmiger Bereich, dessen Mittelpunkt die Erde ist. Sein Inhalt besteht aus allen Lichtquellen, deren Licht uns eben jetzt erreicht. Wir beobachten sie in dem Zustand, in dem sie waren, als sie jenes Licht abgestrahlt hatten.
     
  • Das gesamte Universum, als die Region des Weltalls, die gleiche Qualität hat wie das Innere unseres Beobachtungshorizonts.
     
  • Taschen-Universen: Man versteht darunter weit von einander entfernter Regionen des Weltalls, die von deutlich unterschiedlicher Qualität sind (in dem Sinne, dass dort sogar noch andere Naturgesetze gelten könnten — auch solche, die bologisches Leben ausschließen.
     
  • Das Multiversum: Das gesamte Weltall, welches man dann aber nicht mehr als von überall gleicher Qualität annehmen kann.

 


 
Der Theorie ewiger Inflation zufolge muss man sich den physikalischen Kosmos vorstellen als eine unendlich große Menge brodelnder Energie, in der sich — wie in kochendem Wasser — ständig Blasen bilden: die sog. Taschen-Universen. Heisenbergs Unschärfe-Relation zufolge ist die Länge des Zeitraums der Existenz einer solchen Blase umgekehrt proportional zur Menge der sie darstellenden Energie.
 
Wie Paul Davies in seinem Buch auf Seite 114 berichtet, sagt die Inflationstheorie voraus, dass die Größe einer typischen Blase weit über die Größe des beobachtbaren Universums hinausgeht: um einen Faktor, der — als ganze Zahl geschrieben — grob 10 Milliarden Dezimalstellen hat. Mit anderen Worten:
 
 
    Der durch Menschen beobachtbare Teil des Weltalls könnte Teil eines Taschenuniversums sein,
     
    welches deart groß ist, dass sein Volumen dividiert durch das Volumen unseres Universums eine Zahl ergibt,
     
    die vor dem Komma so um die 10 Milliarden (!) Dezimalstellen hat.

 
Wenn diese Rechnung grob richtig ist, würde das bedeuten, dass unser Universum im Vergleich zum Taschenuniversum, in dem es sich als kleine Region befindet, um viele Größenordnungen kleiner wäre als ein Atomkern verglichen mit dem gesamten durch Menschen beobachtbaren Universum.
 
 
Wie Davies in Fußnote 29 betont, hat man zudem zu berücksichtigen, dass nach Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie große Entfernungen ebenso wie große Zeitabschnitte von stets relativer Größe sind. Mit anderen Worten: Wer von großen Distanzen spricht, muss immer die Situation des Betrachters mit in Betracht ziehen: Die Blase, in der er selbst sich befindet, wird ihm unendlich groß erscheinen, selbst wenn sie von außen her betrachtet nur endlich groß sein sollte.
 
 
 
Quelle: Paul Davis: Der kosmische Volltreffer, Campus 2008, S. 53-54
 
Ausgaben dieses Buches in englischer Sprache sind
The Cosmic Jackpot. Why our Universe is just right for for life (2007) und The Goldilocks Enigma: Why is the universe just right for life? (2006)


 


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