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 Beitrag 0-439
 
 

 
Entdeckung und erste Leistung der Radioastronomie

 
 
Radiowellen verhalten sich wie die Wellen sichtbaren Lichts, haben aber bis zu 1 Milliarde mal größere Wellenlänge:
     
  • Sichtbares Licht hat Wellenlängen kleinar als ein Millionstel Meter.
     
  • Radiowellen aber haben Wellenlängen von einem Millimeter bis hin zu Hunderten von Metern.

Jansky hat entdeckt, dass aus der Milchstraße außerordentlich viele Radiowellen kommen, und zwar ununterbrochen: weit mehr als die Sonne sichtbares Licht ausstrahlt.
 
In einem 1933 veröffentlichten Aufsatz » Elektrische Strömungen offenbar extraterrestrischen Ursprungs « zählte Jansky systematisch sämtliche mögliche Quellen für das Rauschen auf und zeichnete auf einer Karte ein, woher die Radioquellen kamen.
 
Er eröffnete hiermit eine andere Batrachtungsweise des Kosmos — eine, für die keine riesigen Teleskope auf den Gipfeln hoher Berge notwendig waren — sondern nur Maschendraht, Stahl und einige Schüsseln in offenem Gelände.
 
Janskys Entdeckung wurde damals weitgehend ignoriert. Als er den Bell Laboratories den Bau einer neuen, verbesserten Antenne vorschlug, wurde er abgewiesen. Da er selbst und seine Firma kein Interesse an Astronomie hatten, beschäftigte er sich von da an mit anderen Dingen.
 
Früchte trug seine Entdeckung erst, als ein eigenwilliger Rundfunkingenieur und Hobbyastronom aus Illinois — Grote Reber — in der Zeitschrift Pupular Astronomy von Janskys Entdeckung erfuhr und dann anfing, in seinem Garten entsprechende Antennen zu bauen. Seine Antenne hatte eine Schüssel mit einem Durchmesser von neuen Metern und einem Metallgerüst davor, das die reflektierten Wellen empfangen sollte. Das war das erste richtige Radioteleskop und den heutigen schon stark ähnlich. [here]
 
Mit seiner Hilfe schickte Reber sich an, eine genauere Karte der Radiowellenstrahlung der Milchstraße anzufertigen. Er publizierte sie 1940 unter dem Titel » Kosmisches Rauschen « im Astrophysical Journal.
 
 
Mit diesem Aufsatz öffnete sich für Astronomen ein neues Fenster zum Weltall.
 
Der Funkamateur und Elektroingenieur Martin Ryle hat es in ständigem Streitgespräch mit Fred Hoyle zum Ausgangspunkt der heute so wichtigen Radioastronomie fortentwickelt.

 
Im Februar 1961 legte er die dann schon 4-te Version seines Katalogs der Radioquellen der Royal Astronomical Society vor (sog. 4C-Katalog, das C steht für Cambridge). Er argumentierte, seine Ergebnisse ließen sich mit Hoyles Steady State Modell nicht vereinbaren: Es gebe viel zu wenige helle Quellen in Relation zu den schwachen.
 
 
 
Historische Notiz:
 
Die Auseinandersetzung zwischen Hoyle und Ryle mag, da ihr Zentrum in Cambridge lag, als nebensächliche Ablenkung vom Siegeszug der allgemeinen Relativität und dem Urknallmodell erscheinen. Außerhalb des Vereinigten Königreichs interessierte sich nämlich kaum jemand für Hoyles Modell.
 
Damaligen Besuchern in Cambridge fiel die vergiftete Atmosphäre zwischen Ryle und der Gruppe um Hoyle auf (entsprechende Kommantare zeigen das).
 
Andererseits brachte diese Rivalität beträchtlichen wissenschaftlichen Fortschritt mit sich. Fred Hoyle sollte später als einer der größten Astronomen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gefeiert werden — nicht zuletzt deswegen, weil er eine brilliante Theorie zum Ursprung der Elemente in Sternen entwickelte. Die Tatsache, dass er 1983 nicht mit zum Kreis der Nobelpreisträger für Physik gehörte, führen manche auf seinen Charakter als Einzelgänger zurück und vor allem auf sein beharrliches Festhalten am Steady State Modell.
 
 
 
Quelle: Pedro G. Ferreira: Die perfekte Theorie (2014), S. 114-120


 


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Zum Urknall


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