Unsere Welt zu verstehen:



 Beitrag 0-438
 
 

 
Die Urknalltheorie — vorgezeichnet durch George Lemaître

 
 
Schon 1917 war Einstein durch Rechenergebnisse von Friedmann, de Sitter und Lemaître darauf aufmerksam gemacht worden, dass seine Feldgleichungen ein nicht-statisches Universum beschreiben.
 
Einstein — der damals noch fest davon überzeugt war, das Universum müsse statisch sein — hat deswegen seiner Gleichung eine sog. kosmologische Konstante hinzugefügt in der irrigen Meinung, hierdurch nicht-statische Lösungen ausschließen zu können.
 
Erst 1930 — nachdem zunächst Slipher und dann Hubble mit seinem Mitarbeiter Humanson die Rotverschiebung extragalaktischer Nebel entdeckt und anhand von 46 Beispielen genau quantifiziert hatten, sah sich Einstein gezwungen, zu akzeptieren, dass die Raumzeit tatsächlich nicht statisch sein könnte — eben ganz so, wie seine Feldgleichung das mit oder ohne kosmologische Konstante schon immer voraussagt hatten.
 
Erst jetzt sah Einstein ein, dass er — statt eine kosmologische Konstante zu erfinden — besser gleich seinen Gleichungen hätte glauben sollen.
 
 
Lemaître hatte inzwischen die Idee des expandierenden Universums entwickelt und hierbei nicht übersehen, dass, wer dieses Modell einmal akzeptiert hat, natürlich auch fragen müsse, warum das Weltall expandiert und was sich an Erkenntnissen ergeben kann, wenn man die Entwicklung des Universums in die Vergangenheit hinein zurückverfolgt.
 
Schnell wurde klar, dass Friedmanns und Lemaîtres Modelle darauf hindeuten, dass die Raumzeit aus einem einzigen kleinen Etwas entstanden sein könnte: aus einen Uratom (einer Art "Urei", wie Lemaître sich ausgedrückt hat).
 
Dieses Urei — so Lemaître — müsse gemäß den Gesetzen der eben erst entdeckten Quantenphysik zerfallen sein und könnte so alle Materie erzeugt haben, die sich seit jenem Zerfall im Universum findet.
 
Es war dies ein einfaches, hypothetisches und schon beinahe biblisch anmutendes Modell, aber Lemaître gab sich größte Mühe, die Religion aus seinem Vorschlag herauszuhalten. Er veröffentlichte in Nature eine kurze Arbeit mit dem Titel » Der Beginn der Welt aus der Sicht der Quantentheorie «.
 
Lemaître schrieb:
 
» Wenn die Welt mit einem einzigen Quantum begonnen hat, dann haben die Begriffe von Raum und Zeit keinerlei Bedeutung; diese erhalten sie vernünftigerweise erst, wenn sich das ursprüngliche Quantum geteilt hat. Sollte dieser Vorschlag zutreffen, dann lag der Beginn der Welt noch etwas vor dem Beginn von Raum und Zeit. «

 
 
Historische Notiz:
 
Lemaîtres Theorie konnte sich erst durchsetzen, nachdem sich für die später entstandene, zunächst deutlich plausiblere Steady State Theory keinerlei Argumente mehr finden liesen.

 


aus Notizen zu:

Zum Urknall


Impressum