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Warum man in der Schule

auf elektronische Hilfsmittel verzichten sollte

 
 
Wie der Neurologe Manfred Spitzer in seinen Büchern nicht nur darlegt, sondern anhand einschlägiger Studien zahlreicher Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Ländern auch nachweist (er nimmt Bezug auf gut 500 Quellen aus wissenschaflichen Veröffentlichungen) wirken sich elektronische Hilfsmittel beim Lernen stark negativ auf Gehirnentwicklung und Lernleistung von Kindern aus, und das umso deutlicher, je jünger die Schüler sind.
 
Hier nur einige Beispiel, die das zeigen:
 
 
Kinder, die — statt Schreibschrift zu üben — nur noch lernen zu tippen, haben selbst noch im Alter von 10 und mehr Jahren enorme Schwierigkeiten, flüssig zu lesen.
 
Dies zeigt am deutlichsten eine Untersuchung aus China:

     
    Man hat dort die Lesefähigkeit von nahezu 6000 Schülern der Klassen 3, 4, und 5 anhand der gleichen Tests untersucht, wie zuvor schon einmal vor 20 Jahren und dann nochmals vor 10 Jahren. Während damals der Anteil der Schüler mit gravierenden Lesestörungen zwischen 2 und 8 Prozent lag, konnten bei der letzten Untersuchung mehr als 40 Prozent der Schüler aus Klasse 4 nicht mehr lesen. In Klasse 5 waren es sogar etwas mehr als die Hälfte.
     
    Die Ursache hierfür war, dass man in den Jahren vor der letzten Untersuchung das Schulsystem umgestellt hat von Handschrift auf Schreiben mit dem Computer, was — der komplizierten etwa 5000 chinesischen Schriftzeichen wegen — dann abläuft wie folgt:
     
    Chinesen verwenden ein ganz normale Tastatur und schreiben Lautschrift, als z.B. "li", worauf sich eine Liste von Wörtern öffnet, die alle wie "li" klingen. Aus dieser Liste wird dann per Mausklick das richtigte Wort als chinesisches Schriftzeichen ausgewählt. Diese Methode (genannt Pinyin) — mit der man dann tatsächlich schnell schreiben kann — wird seit einigen Jahren in chinesischen Grundschulen in der zweiten Hälfte von Klasse 3 erlernt.
     
    Nachteil dieses Verfahrens ist, dass wer nur noch auf diese Weise schreibt, die komplizierten chinesischen Schriftzeichen nicht mehr sicher unterscheiden kann und daher nicht nur die Fähigkeit, sie selbst zu schreiben, sondern auch die Fähigkeit, sie zu lesen mehr und mehr verliert. Dass man damit fast die Hälfte der Bevölkerung zu Analphabeten macht, scheint in seiner Bedeutung noch nicht erkannt worden zu sein.
     
    Im Zuge dieser Untersuchung hat sich auch gezeigt, dass diejenigen Schüler, welche zuhause noch gelegentlich mit der Hand chinesische Schriftzeichen malen, in den Klassen 4 und 5 noch eher des Lesens mächtig waren als jene, die nur noch mit dem Wordprozessor schrieben.

 
Wenn nun Kinder im Grundschulalter statt mit Schreibzeug und Farbstiften zu schreiben und zu zeichnen, stattdessen auf einem Tablet oder einer elektronischen Wandtafel Texte und Bilder zu erstellen oder gar nur abzurufen haben, wird mit Sicherheit ein ähnlicher Effekt eintreten: Einfach deswegen, weil man ja — das Beispiel der chinesischen Schriftzeichen zeigt es — nur das wirklich gut kennenlernt, mit dem man sich eingehend — also nicht nur flüchtig — zu befassen hat.
 
Elektronische Tafeln werden nun aber gerade mit dem Argument gefordert, dass sich mit ihrer Hilfe so schnell — oft per Knopfdruck — ein neues Tafelbild aufbauen lässt.
Zeit zum Überlegen und die Schüler mitzunehmen ist auf diese Weise dann aber immer weniger gegeben!
 
Wir sehen:
 
Die Nutzung elektronischer Hilfsmittel in den Schulen
 
führt zu eher nur flüchtigem Betrachten und Durchdenken dessen, was da elektronisch präsentiert wird.

 
Entsprechend weniger nachhaltig ist der Lernerfolg.


 


aus Notizen zu:

Was Bildungspolitiker nicht zur Kenntnis nehmen wollen


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