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Unsere Welt zu verstehen:  Unterschied Wissenschaft



 Beitrag 0-423
 
 

 
Zum — eher nur kleinen — Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion

 
 
Fanatische Atheisten argumentieren gerne, wie dumm es sei, religiös zu sein.
 
Sie übersehen dabei ein Faktum, auf das John Barrow (preisgekrönter Mathematiker und Professor für Astronomie) hinweist:
 


John Barrows Argument (1995):
 
Immer wieder macht Barrow deutlich, daß die Naturwissenschaften — und darin unterscheiden sie sich gerade NICHT von Religion — auf Annahmen beruhen.
 
Diese sind mitunter so fest in unserem Weltbild verankert, daß sie uns schwerlich bewußt werden; das macht es so schwierig, sie zu überwinden, wenn sie sich als falsch herausstellen. Der erste Schritt zu einer solchen Überwindung ist, die Annahme explizit zu machen.
 
Meist war mit der Entwicklung einer erfolgreichen Theorie ein Sich-Lösen von einer bis dahin selbstverständlichen Weltanschauung verbunden. Die Erde verschwand aus dem Zentrum des Kosmos, dann gingen bei Albert Einstein die Uhren anders, und schließlich sind Elementarteilchen nicht mehr mit Sicherheit, sondern nur noch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit an einem bestimmten Punkt anzutreffen. Noch nicht gelungen ist den Physikern die Vereinheitlichung von Relativitätstheorie und Quantentheorie, wenn auch zur Zeit viel Hoffnung in die Theorie der Superstrings gesetzt wird. Von welchem Denken müssen wir uns diesmal lösen?
 
Barrow beschreibt, ohne sich in Spekulationen zu verlieren, wo man heute nach Lösungen sucht. Ebenso sorgfältig, wie er zu Beginn seines Buches die grund­legenden Annahmen der heutigen Naturwissenschaften auflistet, stellt er sie später eine nach der anderen in Frage.
     
  • Gibt es überhaupt Naturgesetze, oder ist es einfach nur menschlich, eine Ordnung zu sehen, wo keine ist, um sich im Chaos der Welt zurechtzufinden?
     
  • Macht es dann überhaupt noch Sinn, nach einer Vereinheitlichung zu fragen? Und warum scheint die Mathematik ein so hilfreiches Beschreibungsmittel zu sein?
     
  • Leben wir nur in einer von unendlich vielen Welten, in der zufällig die Bedingungen so sind, daß sie Leben ermöglichen, oder haben der Urknall (falls es ihn denn gab) oder die Geschichte des Kosmos unser Sein ermöglicht?
     
  • Was ist an den Grenzen von Raum und Zeit?

Barrow betont die axiomatische Grundlage der theoretischen Physik und hinterfrägt sie kritisch.
 
Wie viele andere Physiker erkannt haben, ist theoretische Physik nichts anderes als ein Interpretieren beobachtbaren Verhaltens der Natur im Lichte als gegeben angenommener, aber nicht überprüfbarer Annahmen über ihre Struktur.
 
 
Steven Hawking drückt es so aus: Wir haben kein modell-unabhängiges Verständnis von der Natur.

 
 
Letztlich also basiert alle Naturwissenschaft auf Annahmen, die wir — ebenso wie religiöse Grundannahmen — nicht beweisen können ( ja sogar als mit großer Sicherheit als allzu konkret anzusehen haben).
 


 
Quelle: Sabine Stöcker über John Barrows Buch: The World Within the World (1988)
 
In deutscher Übersetzung: Die Natur der Natur. Wissen an den Grenzen von Raum und Zeit


 


aus  Notizen  zu:

Wo auch Wissenschaft Religion ist


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