Unsere Welt zu verstehen:



 Beitrag 0-334
 
 

 
Wie entstand Leben in unserem Universum?

 
 
Obgleich Wissenschaftler der teleologischen (= auf ein Ziel hinsteuernden) Erklärung bei weitem am skeptischten gegenüberstehen, könnte genau sie die richtige sein: Es bliebe dann ja nämlich immer noch die Frage, welches Ziel genau die Natur sich gesetzt hat: Es könnte ja auch gut ein ganz abstraktes Ziel sein, etwa das, einfach JEDEN Attraktor anzusteuern — ganz gleich zu welchem Ergebnis das dann auch führt.
 
Menschen zu schaffen muss gar nicht das wirkliche Ziel gewesen sein (!).

 
 
Note: Systeme, die anfänglich weit außerhalb des Gleichgewichts sind, kommen oft nach gewisser Zeit in eine Phase, in der sie sich mehr und mehr stabilisieren, z.B. in dem sie nur noch regelmäßig schwingen (statt sich wie vorher in chaotisch erscheinender Weise zu bewegen). Jeden diesen vorläufigen Endzustände nennt man einen Attraktor.

 
Ziel der Evolution könnte also sehr gut sein, einfach nur in Systemen, die sich im Ungleichgwicht befinden, maximal viele stabile Teilsysteme zu schaffen.
 
Wenn man das so sieht, kann gegen teleologische Erklärung eigentlich nichts mehr eingewandt werden.

 
 
Tatsache ist:
 
Jedes Atom in unserem Körper hat eine lange Geschichte hinter sich: Es entstand in einem Prozess, in dem zunächst aus Strahlung Materie einfachster Struktur wurde: Wasserstoff und etwas Helium. Dann begann diese Materie sich zusammenzuballen zu mehr oder weniger dichten Gaswolken bis hin zu solch weit ausgedehnten, die Urzustand dessen waren, was wir heute Galaxienhaufen nennen. Darin wiederum kam es an vielen Stellen zu besonders starker lokaler Verdichtung, zu Gebilden also, die Vorläufer von Galaxien wurden. In ihnen wiederum entstanden Großsterne, die — unter dem Einfluß der Gravitation — immer dichter und heißer wurden: Sie wurden zu Backöfen, in denen sich nach und nach immer komplexere Atome bildeten bis hin zum Eisen. Wo immer so ein Stern dann in einer Supernova explodierte, entstanden auch Atome schwerer als Eisen (Gold und Uran etwa). Sie und auch alle anderen Atome wurden weit ins All hinausgeschleudert um sich dann irgendwann wieder zu Planeten zusammenzufinden.
 
Diese Geschichte zeigt, dass Neues nicht überall, sondern nur an bestimmten Orten unter besonders extremen Bedingungen entsteht: Überall dort, wo vorhandenes Gleichgewicht urplötzlich zerbricht in viele Teilsysteme, die sich dann selbst wieder — nun aber unabhängig voneinander — Gleichgewicht suchen.
 
Je mehr unterschiedliche Arten von Objekten nun aber entstanden sind, desto mehr können Ansammlungen solcher Objekte unterschiedlichste, mehr oder weniger stabile Konfigurationen schaffen, die neue, kompliziertere Attraktoren ermöglichen.
 
Nachdem einfachste einzellige Lebewesen recht früh in der Erdgeschichte entstanden waren, war eine Entwicklung von fast 3 Mrd. Jahren notwendig, bis mehrzellige Organismen existiert haben. Sie mussten sich noch Jahrmillionen weiterentwickeln bis dann schließlich Wesen mit Bewusststein entstanden: ein naturwissenschaftlich schwer fassbares Phänomen, das schließlich in der kulturellen Entwicklung der menschlichen Gesellschaft eine neue Dimension bekam.
 
 
Auch kulturelle Prozesse sind selbstregulierend und können sich selbst verstärken um Attraktoren zuzustreben.
 
Wissenschaft — insbesondere auch die Naturwissenschaft — ist ein sich selbst organisierender kultureller Prozess.


 


aus Notizen zu:

Was ist die Wurzel allen Lebens?


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