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 Beitrag 0-329
 
 

 
Adalabert Pauldrachs erweiterte Higgs-Theorie

 
 
Kosmologen ebenso wie Elementarteilchenphysiker beschäftigen immer noch 3 ungelöste Fragen:
     
  • (1)   Woher kommt die in unserem Universum beobachtete Asymmetrie zwischer Materie und Antimaterie?
     
  • (2)   Aus was besteht Dunkle Materie?
     
  • (3)   Wie ist Dunkle Energie zu verstehen?

Einen sehr interessanten Ansatz, wenigstens (1) und (2) zu beantworten — wenn nicht auch einen Teil der Frage (3) — stellt eine erst kürzlich durch A.W.A. Pauldrach skizzierte Theorie dar: Siehe Kapitel 18 seines Buches Das Dunkle Universum (2. Auflage 2017).
 
 
Note: Der Springer-Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass bei Erscheinen des Buches für diese Idee noch keinen Peer-Review-Prozess durchlaufen war.
 
Interessant scheinen mir Pauldrachs Darlegungen dennoch, denn selten hat man als Nicht-Fachmann die Gelegenheit, Fachleute dabei zu beobachten, wie sie eine neu vorgeschlagene Theorie diskutieren, die sich wohl erst Jahrzehnte später als durch fast alle Physiker akzeptiert oder als unhaltbar erwiesen haben wird.
 
 
Hier nun die Grundidee:

     
    Im Gegensatz zum Standardmodell der Elementarteilchenphysik kann Pauldrch sich vorstellen, dass das Antiteilchen des Higgs-Bosons ein vom Higgs-Boson verschiedenes Teilchen ist mit einer noch unbekannten Ladung.
     
    Wenn das richtig sein sollte, kann man nicht ausschließen, dass ihre Kopplung an Materie zahlreiche Higgs-Bosonen daran gehindert hat, sich mit ihren Antiteilchen in Nichts aufzulösen. Eben diese — dann natürlich auch übrig gebliebenen — Anti-Higgs-Teilchen könnte die Teilchen sein, die Dunkle Materie darstellen (eine uns bislang rätselhafte Gravitationsquelle).
     
    Da das Higgs-Boson etwa 125 Mal so energiereich ist wie ein Nukleon, kämen auf 1 Higgs-Boson (ebenso wie auf 1 Anti-Higgs-Teilchen) etwa 25 Teilchen baryonischer Materie.
     
    Diese Teilchen konnten nach Inflationsende — als die gewöhnliche Materie entstand — nicht annihilieren, da ihre Partner als Higgs-Bosonen an die gewöhnliche Materie gebunden waren und so für den Annihilierungsprozess nicht mehr verfügbar waren. Ihrer falschen Ladung wegen konnten sie auch nicht anderweitig vernichtet werden, und so könnte es sehr gut sein, dass ihre mittlere Lebenserwartung deutlich länger ist als eine Hubble-Zeit, sprich: das Alter unseres Universums.
     
    Letztlich wären diese Anti-Higgs-Teilchen dann auch dafür verantwortlich, dass Sterne und ganze Galaxien entstehen konnten.

 
Fußnoten:
     
  • Higgs-Bosonen werden primär aus Fluktuationen der Quanten des Higgsfeldes gebildet. Sie stellen Anregungszustände des Feldes dar, die mit einem fest vorgegebenen Energiewert verbunden sind.
     
  • Um gewöhlicher Materie Masse zu verleihen, sind stets eine bestimmte Anzahl von Higgs-Bosonen wie mit Handschellen an gewöhnliche Materie gekoppelt. Dies betrifft natürlich — wie bei allen Quantenfluktuationen — nur den Mittelwert der Higgs-Bosonen: Die individuellen Teilchen kommen und gehen entsprechend ihrer Lebensdauer.
     
  • Pauldrach weist explizit darauf hin, dass seine Argumentation auf zwei Annahmen aufbaut, zu denen die Elementarteilchenphysiker noch nicht ja gesagt haben:
       
    • 1. dass Materieteilchen aufgrund ihrer eigenen Higgsladung nur an positive, aber nicht an negative Higgsladungen ankoppeln können, und
       
    • 2. dass an Materieteilchen gekoppelte Higgs-Bosenen — wegen eben dieser Kopplung — nicht zerfallen können (und so nur noch Annihilation mit einen Anti-Higgs sie beseitigen kann).


 


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