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 Beitrag 0-276
 
 

 
Zur Metaphysik des Niels Bohr

 
 
Niels Bohr — Mitbegründer der Quantenphysik — liebte besonders den Schluss von Schillers Gedicht » Spruch des Konfuzius «, der da lautet:
 
 
» Nur die Fülle führt zur Klarheit, und im Abgrund wohnt die Wahrheit. «

 
 
Bohr erklärte wie folgt, warum der diesen Spruch so treffend findet:


Niels Bohr (1952, wie Heisenberg sich erinnert):
 
Die Fülle ist hier die Fülle der Erfahrung, aber auch die Fülle der Begriffe, die wir verwenden, um quantenphysikalische Phänomene zu beschreiben und zu deuten:
 
Nur dadurch, dass man über die merkwürdigen Beziehungen zwischen den formalen Gesetzen der Quantentheorie und den beobachteten Phänomenen immer wieder mit verschiedenen Begriffen spricht, sie von allen Seiten beleuchtet, ihre scheinbaren inneren Widersprüche sich bewusst macht, kann die Änderung in der Struktur des Denkens bewirkt werden, die Voraussetzung für ein Verständnis der Quantentheorie ist.
 
Es wird doch z.B. immer wieder gesagt, dass die Quantentheorie unbefriedingend sei, weil sie nur gestattet, Quanten anhand der sich doch eigentlich ausschließenden Begriffen » Welle « und » Teilchen « zu beschreiben.
 
Und so ist die Quantentheorie Beispiel dafür, dass man einen Sachverhalt in völliger Klarheit verstanden haben kann und gleichzeitig doch weiß, dass man nur in Bildern und Gleichnissen von ihm reden kann.
 
Die Bilder und Gleichnisse sind — im Fall der Quantentheorie — klassische Begriffe wie etwa » Welle « und » Korpuskel «. Sie passen nicht genau und widersprechen einander. Und trotzdem kann man, da man bei der Beschreibung der Phänomene im Raum der natürlichen Sprache bleiben muss, sich nur mit diesen Bildern dem wahren Sachverhalt nähern.
 
Wahrscheinlich ist es bei anderen Problemen der Philosopie ganz ähnlich:
 
Wir sind gezwungen, in Bildern und Gleichnissen zu sprechen, die nicht genau das treffen, was wir meinen. Wir können gelegentlich sogar Widersprüche nicht vermeiden, aber wir können uns doch mit diesen Bildern dem wirklichen Sachverhalt nähern: Der Wahrheit, die im Abgrund wohnt [wie im unendlich tiefen Trichter eines Schwarzen Lochs].
 


 
Quelle: Werner Heisenberg: Der Teil und das Ganze (1969), S. 284-285.


 


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