Unsere Welt zu verstehen:



 Beitrag 0-273
 
 

 
Was Religion von Naturwissenschaft unterscheidet

 
 
Auf der Solvay-Konferenz 1927 — so erinnert sich Heisenberg — wurde er einmal von gleichaltrigen Kollegen gefragt:
 
Es gibt doch Äußerungen von Planck über das Verhältnis von Religion und Naturwissenschaft, in denen er die Ansicht vertritt, dass es keinen Widerspruch zwischen beiden gebe — sie also sehr wohl miteinander vergleichbar seinen.
 
Heisenberg erinnert sich, darauf in etwa wie folgt geantwortet zu haben:


Werner Heisenberg:
 
Ich vermute, dass für Planck Religion und Naturwissenschaft deswegen vereinbar sind, weil sie, wie er voraussetzt, sich auf ganz verschiedene Bereiche der Wirklichkeit beziehen:
     
  • Die Naturwissenschaft handelt von der objektiven materiellen Welt. Sie stellt uns vor die Aufgabe, richtige Aussagen über die objektive Wirklichkeit zu machen und ihre Zusammenhänge zu verstehen.
     
  • Die Religion aber handelt von der Welt der Werte. Hier wird von dem gesprochen, was sein soll, was wir tun sollen, nicht von dem, was ist.

 
In der Naturwissenschaft geht es um richtig oder falsch,
 
in der Religion aber um gut oder böse, um wertvoll oder wertlos.

 
 
Die Naturwissenschaft ist die Grundlage des technisch zweckmäßigen Handelns, die Religion aber die Grundlage der Ethik.

 


 
Quelle: Werner Heisenberg: Der Teil und das Ganze (1969), S. 116-117.


 


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Religion


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