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Unsere Welt zu verstehen:



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Freier Wille — es gibt kein stichhaltiges Argument dagegen

 
 
Es gibt nur wenige Wissenschaftler, die ernsthaft versucht haben, eine begründbare Antort auf die Frage zu finden, ob er Mensch freien Willen hat.
 
Kant war sogar der Meinung, dass die Existenz von Willensfreiheit keiner empirischen Prüfung zugänglich sei.
 
 
Der derzeit umfassendste Antwort der Wissenschaften dokumentieren Thomas & Brigitte Görnitz auf den Seiten 345-348 ihres Buches Der kreative Kosmos (2002) wie folgt:

Görnitz:
 
Wir haben soeben dargelegt, dass es aus unserer Sicht keinen naturwissenschaftlichen Grund gibt, die Freiheit unseres bewussten Willens leugnen zu müssen.
 
Nun meinen aber einige andere Forscher, dem widersprechen zu müssen in Hinblick auf Experimente die B. Libet 1983 und 1985 durchgeführt hat und deren Ergebnisse 1999 von Haggard und Eimer bestätigt haben.
 
 
Eine gute Zusammenfassung all dessen findet sich in Roth: Denken, Fühlen, Handeln Suhrkamp (2001):

Roth:
 
Diese Versuche waren i.W. so organisiert, dass die Versuchspersonen gebeten wurden, innerhalb einer Zeitspanne von etwa 3 sec spontan eine Fingerbewegung durchzuführen und siech zu merken, in welchem Moment genau sie den Entschluß hierfür fassten.
 
Libet, der sich so Bestätigung für seine Meinung, der Mensch hätte freien Wollen, erhoffte, sah sich bitter enttäuscht, als klar wurde, dass das Bereitschaftspotential im Gehirn für die Krümmung des Fingers sich schon etwa 500 msec vor dem Zeitpunkt aufzubauen begann, den der Proband als Zeitpunkt seines Entschlusses angab.
 
Da Haggard und Eimer Jahre später mit ihren Versuchen zum selben Ergebnis kamen, scheint gezeigt, dass das Gefühl, etwas zu wollen, sich erst kurze Zeit nach dem lateralisierten Bereitschaftspotential entwickelt, und dass seine erste Komponente — das symmetrische Bereitschaftspotential — sich schon weit  v o r  dem » Willensentschluss « aufbaut. Dieser Willensakt tritt in der tat erst auf, nachdem das Gehirn bereits entschieden hat, welche Bewegung ausgeführt werden soll.
 
Es gibt viele weitere Erkenntnisse aus der handlungspsychologie, die uns nahelegen, dass das Gefühl, eine Bewegung zu wollen, erst auftritt, nachdem sie bereits eingeleitet ist..
 
Resümee: Die hier [in Roths Buch] vorgestellten Forschungsergebnisse zeigen, dass die beiden Komponenten des Phänomens » Willensfreiheit «, nämlich
     
  • etwas frei zu wollen (zu beabsichtigen, zu planen) und
     
  • etwas in einem freien Willensakt aktuell zu verursachen

eine Täuschung sind: Das erstere Gefühl tritt auf durch zuschreibung bzw. Aneignung von unbewussten Handlungsmotiven, die aus dem limbischen System stammen, das letztere Gefühl tritt auf, nachdem das Gehirn längst entschieden hat, was es in nächsten Augenblick tun wird.
 


In Funk, R.H.W.: Zeit — Facetten eines Phänomes, Wiss. Zeitschr. der TU Dresden 49 (2000), ab Seie 4, wird jedoch argumentiert, dass die durch Libet entdeckte Vordatierung der Daten durch das Bewusstsein, welches wesentlich langsamer arbeitet als die Reflexe, dafür sorgt, dass sie und des Menschen bewusstes Denken nicht in Widerspruch geraten.
 
Funk ist der Meinung, dass die durch Roth skizzierte Interpretation diese Arbeitsweise des Gehirns nicht genügend in Rechnung stellt und
 
eine Widerlegung der Willensfreiheit somit nicht gegeben sei.

 
Wir — Thomas und Brigitte Görnitz — haben ebenfalls deutlich gemacht, dass zu einer pessimistischen Interpretation dessen, was Libet fand, keine Notwendigkeit besteht:
 
Wenn ich in meinem Gehirn ein Signal erzeugte, dass ich handeln will, wer, wenn nicht ich, kann es verursacht haben?
 
Wo sollte der Unterschied zwischen mir und meiner Hirnrinde und meinem limbischen System festzumachen sein?

 


Die letzte Aussage scheint mir wesentlich, denn sie bedeutet:
 
Libets Entdeckung hat einfach nur gezeigt, in welchen Schritten unser Gehirn einen Beschluss, den nur wir selbst gefasst haben können, in Aktion und einen etwas verzögerten Bericht darüber umsetzt.
 
 
Gebhard Greiter, 2016

 


aus  Notizen  zu:

Freier Wille — auf Quantenebene sicher NICHT zu verstehen (oder doch?)


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