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Unsere Welt zu verstehen:  Klassische Weltbeschreibung



 Beitrag 0-239
 
 

 
Klassische und quantenphysikalische Weltbeschreibung

 
 
Die Weltbeschreibung der klassischen Physik zerlegt die Welt in Objekte, die einzeln erkannt und untersucht werden können. und unter Wechselwirkung ihre Identität und Eigenexistenz behalten. Es wird damit möglich, zu betrachten, wie sich ihr Zustand über die Zeit inweg entwickelt.
 
Anders die Weltbeschreibung der Quantenphysik: Sie erkennt, dass Wechselwirkung den quantenphysikalischen Objekten — die man dort ja sämtlich als Pakete von Feldanregungen sieht — ihre Identität nimmt und sie in etwas aufgehen lässt, in dem sie so verschmelzen sind, dass sie danach nicht mehr als einzeln existent — als sich selbst bestimmte Form gebend — aufgefasst werden können.
 
Da der rein quantenphysikalische Zustand der Welt — als Wellenfunktion des Universums — keine durch ständige Veränderung uns nahe gelegte Zeit kennt, sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in ihr nicht wirklich vorhanden. Sie ist zeitlos, denn der Zeitparameter der Wellenfunktion ist dort nur eine Dimension im mathematischen Sinne.
 
Die Zeitlosigkeit des quantenphysikalischen Weltmodells führt zum seltsamen Phänomen von "delayed choice", der verzögerten Wahl, bei der jeder Kollaps der Wellenfunktion neu entscheidet, was als zuvor gewesen gilt, so dass ein Unterschied zwischen früher und später jeden Sinn verliert.
 
 
Das Verbleiben des Quantischen im Bereich der Möglichkeiten hat zur Folge, dass das Mitteilen und Erklären auch quantischer Zusammenhänge nur im Rahmen klassischer Physik möglich ist. Andererseits ist das Quantische Grundlage auch jeder quantischen Weltbeschreibung. Mit anderen Worten:
 
 
Für eine vollständige Erfassung des Weltgeschehens sind  b e i d e  Beschreibungen unverzichtbar.

 
 
Görnitz bezeichnet dies als die dynamische Schichtenstruktur unserer Welt und schreibt:

Görnitz (2002):
 
Die Schichtenstruktur ergibt sich, da sich die Welt weder voll deterministisch noch nur durch Zufall gesteuert entwickelt.
 
Da die menschliche Psyche ein Teil der Natur ist, wird auch sie sämtlichen Gesetzmäßigkeiten unterworfen sein, die für die Natur generell gelten. Und so wirkt auch in ihrem Bereich die dynamische Schichtenstruktur.
 
Phsychoanalytische Konzeptionen ebenso wie die Säuglingsforschung bestätigen diese Erwartung.
 
Freud etwa definiert eine ihm wichtige Unterscheidung in primär und sekundär prozesshaftes Denken. Im Sinne dieser Unterscheidung sind
     
  • die primären Prozesse jene, die unbewusst ablaufen und weder die klassische Logik noch die reale Zeitstruktur berücksichtigen.
     
  • Sekundärprozesshaftes Denken ist das streng rationale Denken, welches im sich selbst reflektierenden Bewusstsein mündet.

Freud war der Meinung, dass letzteres erst später ausgebildet werde, dass also nur das primärprozessartige Denken von Anfang an gegeben sei.
 
Heute denkt man, dass das eher nicht richtig ist und dass auch das primär prozessartige Denken sich mit der Zeit verändere.
 


Quelle: Thomas & Brigitte Görnitz: Der kreative Kosmos, Spektrum-Verlag (2002), S. 327-328

 
 
Da ständiger Kollaps der Wellenfunktion die quantenphysikalische Beschreibung unserer Welt laufend durch eine leicht abgeänderte Version ihrer selbst ersetzt, lässt sich das quantenphysikalische Weltbild mit einem Film vergleichen, dessen schnell aufeinander folgende Bilder (Frames, wie der Fachman sagt) die durch jeweils einen Kollaps der Wellenfunktion geschaffenen Fakten zeigen.
 
Die Weltbeschreibung der klassischen Physik entspricht dem, was der Betrachter dieses Filmes sieht und was er gerade noch registrieren kann.
 
Mathematisch gedacht könnte man jeden Frame F des Films — der einen faktisch gewordenen Zustand X zeigt — vergleichen mit dem Tangentenraum an eine differenzierbare Mannigfaltigkeit W, welche unsere Welt nicht nur als Ergebnis von Ereignis X, sondern über die gesamte Raumzeit hinweg modelliert.

 


aus  Notizen  zu:

Objekt vs Modell (in der Physik)


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