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Unsere Welt zu verstehen:



 Beitrag 0-162
 
 

 
Wie definiert die Natur Leben und Intelligenz?



Mathias Bröckers, 1998 :
 
Mit der Frage » Was ist Leben? « verhält es sich wie mit der Frage » Was ist Intelligenz? « — je genauer man hinschaut, desto ungenauer fällt die Antwort aus.
     
  • Das Lexikon definiert die Dinge als lebendig, die wachsen, funktioniern und sich fortpflanzen. Aber auch Kristalle verfügen über diese Eigenschaften — sollte man sie deswegen als Leben einstufen?
     
  • Genauere Versuche, Leben als solches zu charakterisieren, beziehen die Fähigkeit zur Reaktion und Stoffwechsel mit ein — aber was ist mit dem 2000 Jahre alten Samen der Lotusblume, der erfolgreich ausgesät und gezüchtet wurde? War er während dieser 2000 Jahre tot oder lebendig? Oder was gilt für die Pilz-Spore, die Jahrmillionen durchs All schwebte und plötzlich, wenn Umgebung und Temperatur stimmen, zu wachsen beginnt?

Anfang der 80-er Jahre schlugen Gerald Feinberg (ein Physiker) und Robert Shapiro (ein Biochemiker) vor, das Problem einer präzisen Definition von Leben dadurch zu lösen, dass man die Unterscheidung zwischen Leben und Nichtleben aufgebe, weil   Leben nicht als isoliertes Einzelphänomen erkennbar  sei, sondern nir in Wechsewirkung mit einer Umgebung.
 
Sie gelangten zur Meinung, dass Leben stehe und falle mit dem Ausmaß der Ordnung, zu der Teile sinnvoll zusammengefügt sind und in ihrer Beziehung zueinander Information kodieren.
 
 
Es scheint, als ob die Frage » Was ist Leben? « ebenso wie die Frage » Was ist Intelligenz? « auf ein und dieselbe Antwort hinauslaufen: auf
 
die Fähigkeit zur Selbstorganisation.

 
Das Paradox der Selbstorganisation aber ist:
 
 
Je eigenständiger und kreativer ein Selbst ist, desto fester ist seine Einbindung in den Infomationszyklus des Ganzen —
 
und desto weniger kann es auf jenes Ganze als notwendiger Umgebung seiner selbst verzichten.

 
Kein Wunder also, dass James Lovelock zu seiner Gaia-Theorie gelangte, nach der die gesamte Erde als Lebewesen begriffen werden muss.
 
Die Erde lebt — und das auch ohne uns. Gaia, so Lovelock, ist weder die gütige, alles verzeihende Mutter, noch eine zarte zerbrechliche Jungfrau, die einer brutalen Menscheit hilflos ausgeliefert ist. Sie ist vielmehr streng und hart: Denen, die die Regeln einhalten, verschafft sie ein stets warmes, angenehmes Zuhause. Unbarmherzig aber vernichtet sie jene, die zu weit gehen. Ihr unbewusstes Ziel ist ein Planet, der Leben fördert. Steht der Mensch diesem Ziel entgegen, wird er eleminiert werden.
 
Gaias Grundgesetz und die erste Regel aller Selbstregulierung scheint zu sein: Alle Parasiten streben danach, zu Symbioten zu werden.
 


 
 
Interessant in diesem Zusammenhang ist das Beispiel der Schleimpilze.
 
Es sind dies einzellige Lebewesen, die in ihrer Lebensweise an Tiere und Pilze gleichermaßen erinnern, aber zu keiner der beiden Gruppen gehören.



Mathias Bröckers, 1998 :
 
Der sog. Schleimpilz ist kein Pilz, sondern ein amöben-ähnliches, einzelliges Lebewesen, das in verwesender Vegetation auf Waldböden vorkommt.
 
Es pflanzt sich durch einfache Zellteilung fort und kann sich so auch über größere Gebiete ausbreiten.
 
Sobald die Nahrung in seiner Umgebung erschöpft ist, geschieht etwas Außergewöhnliches: Die einzelnen Schleimpilze beginnen sich nach innen zu bewegen, rücken zusammen und verklumpen sich schließlich zu einem komplexen Organismus. Wie eine Art Schnecke kriecht dieses Wesen dann in ein neues Nahrungsgebiet und verwandelt sich dort erneut: Es errichtet einen Stengel, an dessen Spitze sich ein Fruchtkörper bildet, von dem sich in großer Zahl Sporen lösen und im Waldboden eine neue Kolonie bilden.
 
Woher aber » weiß « der individuelle Schleimpilz, wann es Zeit ist, seine Individualität aufzugeben und einen kollektiven Organismus zu bilden?
 
Die einfache Teilung, derer er sich zur Fortpflanzung bedient, zeigt, dass wir es bis heute mit einer seit den Frühzeiten des Lebens praktisch unveränderten Art zu tun haben — mit einer Art, die Selbstorganisation perfekt beherrscht, Leben darstellt und — ansatzweise wenigstens — sogar Intelligenz aufweist, da sie ja offensichtlich intelligent handelt.
 


Welches Regelsystem mag denn nun bewirken, dass es zu solcher Selbstorganisation, Leben und sogar Intelligenz kommt?
 
Statt von Selbstorganisation ( Autopoiesis = Selbsterschaffung & Selbsterhaltung ) spricht man oft auch von » Emergenz « (d.h. dem sich Herausbilden neuer Eigenschaften, die allein der Summe aller Teile zukommen, ohne dass man wüsste, wie einzele Teile zum Entstehen jener Eigenschaften beitragen).
 
Lies auch, was Joachim Sohns dazu erklärt.
 
 
Ursache von Emergenz scheinen sog. » dissipative Strukturen « zu sein. Es sind dies ganz erstaunlich häufig durch die Natur geschaffene Strukturen, die äußerst unwahrscheinliche Zustände darstellen. Obgleich höchst instabil, bleiben sie oft — dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik zum Trotz — über längere Zeit hinweg erhalten.
 
Ilya Prigogine (sprich "Prigoschin"), der sie 1967 entdeckt und beschrieben hat, erhielt hierfür 1977 den Nobelpreis für Chemie.
 
Was dissipative Strukturen aufrecht erhält ist ein ständiger Energie- und Materialdurchfluss. Ihre Entstehung und Entwicklung läßt sich mathematisch erfassen.
 
 
Note: Beispiele dissipativer Strukturen und ihrer nahezu unglaublichen Wirkung scheinen vor Prigogine schon andere gekannt, ja sogar gezielt genutzt zu haben. Dies gilt mit Sicherheit für Viktor Schauberger, der diese Kenntnis — wegen der er zunächst verlacht worden war — zum Bau besonders effektiver Holzschwemmanlagen genutzt hat (erst durch sie gelang es, auch noch das Holz von Bäumen, die in schwierigen Gebirgslagen wuchsen, erfolgreich und kostengünstig zu Tal zu bringen).
 
Man lese hierzu:
     
  • Callum Coates: Living Energies — Viktor Schaubergers brilliant work with natural energy (1996),
     
  • Michel Schiff: Das Gedächtnis des Wassers — Homöopathie und ein spektakulärer Fall von Wissenschaftszensur (1997),
     
  • Hans Kronberger und Siegbert Lattacher: Auf der Spur des Wasserrätsels (1995),
     
  • Richard Milton: Verbotene Wissenschaft (1994), ab Seite 39.
     
  • Wikipedia: dissipativ, Dissipation
     
  • Wikipedia: Energie = Exergie + Anergie. Unumkehrbar sind genau die Prozesse, die Exergie in Anergie wandeln.

 
 
Quelle: Mathias Bröckers: Das sogenannte Übernatürliche, Eichborn 1998


 


aus  Notizen  zu:

Was genau sollten wir unter » Leben « verstehen?


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