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Was für Stringtheorie spricht

 
 
Hier einige Argumente, die zeigen, dass es Sinn macht, die Stringtheorie weiter zu erforschen:

     
  • Dass Experimentalphysik keine Wege kennt, Ergebnisse der Stringtheorie zu falsifizieren, scheint nicht mehr richtig zu sein: Siehe etwa A first chance to test String Theory (2014).
     
  • Per Stringtheorie gelang es erstmals, die thermodynamische Entropie eines Schwarzen Lochs auf mikroskopische Weise zu berechnen: einfach durch Abzählen der ihm möglichen Quantenzustände. Diese Rechnung reproduzierte exakt die Formel von Bekenstein und Hawking, welche den Zusammenhang zwischen der Entropie des Lochs und der Größe der Fläche seines Ereignishorizonts beschreibt.
     
    Quelle: Dieter Lüst: Quantenfische, DTV 2014, S. 244
     
  • Stringtheorie ist die erste Theorie, welche die Gravitationskraft als zwingend gegebenen und zudem noch als quantisiert postuliert: Geschlossene Strings führen zwangsläufig auf die Gravitationskraft.
     
    Quelle: Dieter Lüst: Quantenfische, DTV 2014, S. 257
     
  • Weitere Erkenntnisse, die erst die Stringtheorie gebracht haben soll, nennt Wikipedia: Wertung der Stringtheorie.

 
 
Wer nicht selbst Stringtheoretiker ist, der sollte solchen Erfolgsmeldungen allerdings auch ein wenig skeptisch gegenüber stehen, da sie meist — bei genauerem Hinsehen — mit Einschränkungen versehen sind (die oft verschwiegen werden). Hier ein Beispiel:


    von Baeyer schreibt
     
    1996 fanden Stringtheoretiker eine Herleitung der Bekensteinschen Formel aus statistischen Überlegungen: Sie ermittelten die Anzahl der Möglichkeiten, mit denen sich ein bestimmtes » mathematisches Objekt « in ihrer Theorie ungestraft umordnen lässt und sahen, dass der Logarithmus dieser Zahl gerade der Entropie von Bekenstein entspricht.
     
    Vorsicht aber: Obgleich das von ihnen untersuchte Modell viele Eigenschaften eines Schwarzen Lochs hat, besitzt es leider nicht all seine Eigenschaften. Insbesondere ist dieses Modell bei Null Grad Kelvin eingefroren und beschreibt daher mit Sicherheit kein echtes Schwarzes Loch mit seiner Hawking-Strahlung.
     
    Seither werden im Rahmen der Stringtheorie kompliziertere Modelle untersucht, sog. Gedanken Black Holes . Die Erfolge ermutigen, doch Bekenstein warnt zur Vorsicht: Wenn Sie einen Penny verloren haben und jemand anders findet einen, dann muss das nicht notwendig derselbe sein.
     


 
Klar gesagt werden muss aber auch:

    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (2015) ist die Stringtheorie noch keine abgeschlossene, voll akzeptierte physikalische Theorie.
    Selbst eine über die Störungstheorie hinausgehende Formulierung ist noch nicht erarbeitet.
     
    Ihre Calabi-Yau-Räume implizieren neue Feldkräfte, die erst nachzuweisen wären.


 


aus Notizen zu:

Warum manche Kritiker der Stringtheorie mir blind erscheinen


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