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Unsere Welt zu verstehen:  Entscheidung Emotionen



 Beitrag 0-67
 
 

 
Zu einer Entscheidung zu kommen,  k a n n  Emotionen erfordern

 
 
Wie in den Beiträgen 0-2 und 0-102 schon kurz diskutiert, liegt die Stärke menschlichen Denkens vor allem auch darin, dass es zu Denkschritten kommt, die durch Logik nicht erklärbar sind, wohl aber durch Gefühl und Emotionen (unser sog. Bauchgefühl, etwas das keinem Roboter beizubringen sein wird).
 
Wie sich das Fehlen nicht-logischer, aber dennoch vernünftiger Entscheidungswege — das Fehlen von Emotionen und dem vagen   G e f ü h l , etwas könne richtig bzw. falsch sein — auswirken kann, zeigen Krankheitsfälle gewisser Art:
 


Michio Kaku (Die Physik des Unmöglichen, S. 161):
 
Menschen mit einer ganz bestimmten Hirnverletzung haben die Fähigkeit verloren, Gefühle zu erleben, obgleich sie weiter logisch denken können:
 
Der Neurologe Antonio Damasio (vom College of Medicine an der University of Iowa) hat Patienten mit dieser Art von Hirnverletzung untersucht und kam dabei zum Schluss, dass sie "zu wissen, aber nicht zu fühlen" scheinen.
 
    Er fand, dass solche Personen schon bei den kleinsten zu treffenden Entscheidungen wie gelähmt erscheinen: Da ihnen Emotionen fehlen, diskutieren sie endlos über Optionen, können sich aber lange nicht für die eine oder andere entscheiden. Sie verfallen in lähmende Unentschlossenheit. Einer der Patienten von Damasio z.B. benötigte eine halbe Stunde allein dafür, sich für den nächsten Termin bei Dr. Damasio zu entscheiden.

 
Wissenschaftler glauben, dass Gefühle im limbischen System verarbeitet werden, das tief im Zentrum unseres Gehirns verborgen liegt. Es bewirkt, dass wir manchmal so eine bestimmte "Ahnung" haben, die nicht begründbar ist, dann aber eben doch zu unserer Entscheidung führt.
 
Wenn wir z.B. einkaufen gehen fällen wir unbewusst Tausende von Werturteilen über nahezu alles, was wir sehen: Wir finden dies hier zu teuer, jenes zu billig und noch anderes zu bunt, zu dämlich oder genau richtig.
 
Für Menschen mit der oben erwähnten Hirnverletzung kann das Einkaufen deswegen zum Albtraum werden, da alles den gleichen Wert zu haben scheint.
 
Wenn Roboter immer intelligenter werden und irgendwann eine von ihrem Programmierer nicht vorgedachte Wahl zu treffen hätten, könnte sich bei ihnen eine ganz ähnlich Entscheidungsunfähigkeit einstellen.
 
Die Situation erinnert an die Parabel vom Esel, der zwischen zwei Haufen Heu sitzt und verhungert, da er sich nicht entscheiden kann, von welchem Haufen er fressen möchte.
 
Dies veranlasste Rosalind Picard (vom MIT Media Lab) festzustellen:
Sie [ Roboter und KI-Systeme ] haben kein  G e f ü h l  für die wichtigen Dinge. Das ist einer ihrer größten Mängel, Computer  k a p i e r e n  es einfach nicht.
 


 
Wie aber soll man einem Roboter Gefühle und Emotionen geben? Wir wissen es nicht. 
 
Roboter sind zudem auch noch auf eine ganz andere Art absolut unfähig so zu denken, wie jedes Kind das schon recht bald kann:



Marvin Minsky vom MIT, Mitbegründer der KI, bringt es auf den Punkt:
 
Die Geschichte der KI ist schon komisch: Ihre ersten Leistungen waren wunderbare Dinge. KI der ersten Stunde konnte logische Beweise führen oder z.B. auch selbständig Lösungen für Differentialgleichungen finden.
 
Aber dann haben wir versucht, Maschinen zu konstruieren, die Antworten auf Fragen geben sollten, bei denen es einfach um Geschichten aus einem Lesebuch der ersten Klasse ging. Bis heute aber gibt es keine Maschine, die das kann.
 



Michio Kaku (S. 158):
 
Manche Forscher glauben, man müsse Software beibringen, zu lernen, wie ein Kind lernt:
 
Beobachten, dabei Information sammeln, sie als Erfahrung abspeichern, Eltern, Lehrer und Bücher um Rat fragen, aber nicht zuletzt auch immer wieder eigene Ideen auszuprobieren.
 
Auch ein Koch etwa richtet sich nach Rezepten, versucht aber auch immer wieder, davon abzuweichen, um so etwas Auszuprobieren, an das vor ihm noch nie jemand gedacht hat.
 

Problem dabei ist nur:
 
 
Software fehlt das notwendige  G e f ü h l , unter oft Milliarden denkbarer Abweichungen von einer Regel,
 
vor allem solche auszuprobieren, für die die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu absolutem Unsinn führen, gering ist.

 
Dies ist der Grund dafür, dass KI in den Fällen als intelligent erscheint, in denen es dem Computer — seiner extremen Schnelligkeit wegen — möglich ist, wirklich ALLE Alternativen auszuprobieren.
 
Dass die Zahl möglicher Alternativen aber derart klein ist, kommt nicht wirklich oft vor.

 


aus  Notizen  zu:

Intelligenz – echte und künstliche


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