welt-verstehen/Raitesadosrire+Realität+Verstand+Konstruiertes+Subjektives

Unsere Welt zu verstehen:



 Beitrag 0-35
 
 

Schon Platons Höhlengleichnis hat versucht, zu erklären:

 
 
Realität ist etwas durch unseren Verstand Konstruiertes (etwas Subjektives).
 
Erst Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene: das tatsächlich Wirkende.

 
 
 
Realität ist keineswegs immer Wirklichkeit
 
Quelle: Christoph Hubig, FG Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur

 
 
 
Beispiele dafür, dass die Realität — als ein durch unser Gehirn gemaltes Bild der Wirklichkeit — hin und wieder ganz schön weit vom Wirklichen entfernt sein kann, finden sich im Video Realität ist oft nur Illusion.
 
 
 
Realität entsteht durch erst  I n t e r p r e t a t i o n  und dann  E x t r a p o l a t i o n  von Information,
 
die unsere Sinne empfangen und dem Gehirn zuleiten.

 
 
Sie ist nicht selten stark subjektiv geprägt, da wir oft nur erkennen, was wir erwarten.

 
Man kann es auch so ausdrücken:

 
Aller Sinn, den wir der Welt unterstellen, entsteht in uns selbst.
 
Die Wirklichkeit ist wie eine weiße Leinwand.
Wir bemalen sie selbst, und das so entstandene Bild ist die Realität, in der wir leben.

 
 
 
Warnung:
 
Leider benutzen selbst Wissenschaftler ein und dieselben Begriffe nicht immer in ein und derselben Bedeutung. Und so kommt es, dass, was oben » Realität « bzw. » Wirklichkeit « genannt wird, von Helmut Hille als » geistige Wirklichkeit « bzw. » außergeistige Realität « bezeichnet wird.
 
Selbst Philosophen (z.B. hier) verwenden oft das Wort "Wirklichkeit", wo sie über Realität sprechen. Das kann, wie etwa bei Markus Gabriel, recht verwirrend sein.
 
Solch unterschiedlicher Sprachgebrauch hat zur Folge, dass man schon wirklich sehr genau zuhören muss, um zu wissen, was Anton Zeilinger meint, wenn er sagt, Wirklichkeit und Information seien dasselbe, es sei aber Wirklichkeit doch nicht einfach  n u r  Information [siehe die Diskussion im Video "Information und Wirklichkeit" ab Minute 31:00 bis zum Schluss].
 
Insbesondere ist nicht klar, ob Helmut Hille Zeilinger richtig versteht.
 
Zeilinger jedenfalls denkt wie Niels Bohr, der ebenfalls unterschied zwischen
  • dem, was die Natur ist (und wie sie funktioniert)
  • dem, wie sie sich uns zeigt (Information im Sinne Zeilingers) und
  • dem, was unser Gehirn aus dieser Information macht: Unsere Realität.

 
Interessante Ergänzung:
 
Was für eine Person zur Realität wird, lässt sich sogar manipulieren. Dies zeigt ein Ergebnis Schweizer Neurologen aus 2002: Sie konnten bei einer Patientin gezielt sog. Out-of-Body-Erfahrungen hervorgerufen.
 
 
 
Hier noch eine ganz besonders interessante Frage:

 
 
Ist Geist der Wirklichkeit zuzurechnen?

 
Wenn Biologen — oder gelegentlich auch Quantenphysiker — von » Geist « sprechen, meinen sie damit etwas, das es definitiv gibt, das aber doch durch keinerlei Messgerät erfasst werden kann. Hieraus folgt: Auch Geist könnte einfach nur etwas durch unseren Verstand Konstruiertes sein.
 
Mathematische Gesetzmäßigkeiten aber sind eindeutig der  W i r k l i c h k e i t  (und NUR ihr) zuzuordnen: Sie nämlich existierten schon lange bevor es in unserem Universum Menschen oder andere biologische Wesen gab.
 
Alles Existierende scheint letztlich Energie in unterschiedlichster Form zu sein, diese Form allerdings wandelt sich — gesteuert durch mathematische Gesetze — ständig (ebenso wie die Form der Wellen im Ozean sich ständig wandelt).
 
FRAGE also: Besteht Wirklichkeit vielleicht NUR aus Energie und mathematischen Gesetzen?
 
Görnitz argumentiert: Alles Reale ist einfach nur Bedeutung. Die Wirklichkeit ist Geist.
 
 
Quantenphysiker sagen gelegentlich, alles in der Welt sei durch Information durch Form erzwingende Information mathematischer Art — gesteuerte Energie. Die Form aber ist ständig im Fluss.
 
 
Wäre Geist der Wirklichkeit zuzurechnen, könnte auch Energie nur Realität sein.
 
Im umgekehrten Fall aber wäre Geist nur Teil unseres Bildes der Wirklichkeit, der Energie also.
 
Das wiederum kann man nicht so recht glauben, obgleich es doch so scheint, als ob Bewusstsein – von Geist kaum zu unterscheiden – aus Energie emergiert.

 
 
 
Dem Unterschied zwischen Wirklichkeit und Realität entsprechend unterscheidet man in philosphischen Debatten zwischen
     
  • Ontologie = dem, was existiert, was Tatsache ist und was unabhängig von unseren Vorstellungen ist ... in seiner Widerständigkeit ist das Wirkliche das negative Extrem des Wissens, weil es das Unerklärliche, Unkorrigierbare ist, aber auch das positive Extrem des Seins, weil es das ist, was existiert, was besteht und sich jeder Interpretation widersetzt ... [ so erklärt Maurizio Ferraris ab Seite 52 in: Markus Gabriel: Der Neue Realismus ].
     
  • Epistemologie = dem, was wir wahrnehmen, was wir glauben zu wissen und was abhängig von unseren Vorstellungen sein kann. Wahrnehmung zeigt uns die Dinge nicht immer, wie sie wirklich sind. Dann etwa, wenn uns ein teilweise ins Wasser gesteckter Stock als geknickt erscheint: Obgleich wir wissen, dass er nicht geknickt ist, können wir nicht anders, als ihn geknickt sehen.
     
  • Unter dem sog. Neuen Realismus versteht man eine philosophische Debatte, welche — unter eben diesem Namen — Markus Gabriel und Maurizio Ferraris
    am 23. Juni 2011 (um 13:30, wie sie schreiben) bei einem gemeinsamen Mittagessen in Neapel losgetreten haben. Gabriel hat sie zum Aushängeschild für sich selbst und zum Startpunkt seiner Karriere als Inhaber eines Lehrstuhls für Erkenntnistheorie gemacht. Seine Bücher verkaufen sich gut, da er sich paukenschlag­artig schnell bekannt gemacht hat und immer noch hausieren geht mit seiner — auf mich etwas eulenspiegelhaft wirkenden — These, dass alles existiere, nur die Welt als Ganzes existiere nicht.
     
    Daher sein Buch » Warum es die Welt nicht gibt «. Seine Argumentation, diese These zu begründen, erinnert mich — im Buch wie auch vorher schon in seiner Antrittsvorlesung — an eine im 19. Jahrhundert in satirischen Zeitschriften gerne abgegruckte Geschichte über den bauernschlauen Schalk Till Eulenspiegel, von dem die Sage geht, dass er die Ratsherren einer beschaulichen Kleinstadt davon überzeugt haben soll, dass ihr neu geplantes Rathaus keine Fenster benötige, da man Licht ja in Kübeln hineintragen könne. Jene Ratsherren hätten ihn — dankbar und reich belohnt — seine Reise fortsetzen lassen ...


 


aus  Notizen  zu:

Wie real ist die Welt um uns herum?


Impressum