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Unsere Welt zu verstehen:  Intelligenz Fähigkeiten



 Beitrag 0-2
 
 

 
Was Intelligenz von künstlicher Intelligenz (KI) unterscheidet

 
 
Unter Intelligenz versteht man einen Mechanismus, der eine Entwicklung zielgerichteter macht als wenn sie nur durch Zufall getrieben stattfände.
 
Man spricht von künstlicher Intelligenz (KI), wenn jener Mechanismus von Menschen geschaffen und durch ein Regelwerk gesteuert wird, dessen Sinn zu hinterfragen er selbst nicht in der Lage ist.
 
Man baut KI-Systeme, damit sie
  • Information, die in gegebener Information implizit vorhanden ist, schnell und möglichst umfassend explizit machen (Automatisierung logischer Schlußfolgerung durch sog. Expertensysteme)
  • oder auf eingehende neue Information ähnlich sinnvoll reagieren wie ein Mensch das tun würde (Ersetzen menschlicher Arbeitskraft durch Industrieroboter).
Der wesentliche Unterschied zwischen echter Intelligenz und KI besteht in
  • der gegebenen bzw. fehlenden Fähigkeit, kreativ zu sein,
  • aber auch darin, dass künstliche Systeme kaum ermüden: Sie sind Werkzeug, das der Mensch sich schuf, den Aktionsradius seines Denkens und Handelns zu erweitern; Ihn voll ersetzen können sie nicht.

 
 
David Deutsch drückt es ganz konkret so aus:

David Deutsch
 
Understanding is one of the higher functions of the human mind and brain, and a unique one.
 
Many other physical systems, such as animals' brains, computers, and other machines, can assimilate facts and act upon them.
 
But at present we know of nothing that is capable of understanding an explanation — or of wanting one in the first place — other than a human mind. Every discovery of a new explanation, and every act of grasping an existing explanation, depends on the uniquely human faculty of creative thought.
 

Quelle: David Deutsch: The Fabric of Reality, Penguin Books 1997, page 11.

 
 
Ob der Erkenntnissfähigkeit menschlicher Intelligenz prinzipielle Grenzen gesetzt sind, wissen wir nicht.
 
Künstliche Intelligenz aber kann keinesfalls jede durch uns Menschen entscheidbare Frage beantworten. Kurt Gödels Beweisführung für seinen Unvollständigkeitssatz nämlich zeigt: Zu jeder KI, die mindestens die Arithmetik natürlicher Zahlen kennt, gibt es Aussagen über die Fähigkeiten dieser KI, die menschliche Intelligenz als wahr erkennen kann, obgleich jene KI selbst sie ganz grundsätzlich nicht betrachten (oder gar als wahr oder falsch einstufen) kann.
 
Anders ausgedrückt: Gödel hat bewiesen, dass
  • menschliche Intelligenz die jeder KI übertrifft
  • und der Mensch selbst noch die  F ä h i g k e i t e n  künstlicher Intelligenz umfassender erforschen kann als das ihr selbst möglich ist.

 
Man überlegt sich auch: Selbst wenn wir einen Computer hätten, der niemals aufhört zu rechnen und niemals an Speichergrenzen stößt, wäre kein Algorithmus denkbar, der mit Hilfe dieses Computers alle Aussagen über ganze Zahlen als wahr oder falsch zu erkennen in der Lage wäre (oder im Zuge unendlich langer Rechnung auch nur betrachten könnte). Dies einzusehen, reicht es, nachzuweisen, dass die Menge jener Aussagen überabzählbar groß ist. Wir wüssten dann nämlich, dass es keine Möglichkeit geben kann, sie alle aufzulisten — auch dann nicht, wenn diese Liste unendlich lang werden dürfte.
 
 
 
Hallo Uwe,
 
dem eben Gesagten entsprechend hat man deine Fragen aus Beitrag 2120-1 zu beantworten wie folgt:
  • KI-Systeme können bestenfalls selbstlernend, aber niemals selbstbegreifend sein.
  • Sie können weder emotionsartige Zustände annehmen, noch irgend einem Wahn verfallen.
  • Der Unterschied zwischen kreativer und nicht kreativer Intelligenz ist ihnen nicht beizubringen.
  • Ob sie aus Software oder Hardware bestehen, können sie von sich aus nicht entscheiden.
  • KI kann weder Gefühle noch eigenen Willen haben: Sie ist nur Mechanismus.

 
Aber natürlich können KI-Systeme miteinander kommunizieren (was letztlich bedeutet, dass sich mehrere davon zu einem größeren zusammenfügen). Wo sie sich gegenseitig modifizieren oder gar zerstören, können sie das — wenn überhaupt — nur als Versagen ihrer selbst wahrnehmen.
 
Kurz: KI-Systeme sind durch Regelsysteme gesteuerte Mechanismen zur Fortschreibung des Zustandes physischer Objekte (mindestens ihres Speicherinhaltes). Sinn ergibt sich daraus erst in den Augen kreativer Intelligenz. Sie kann solche Systeme zur Erarbeitung von Wissen einsetzen, aber z.B. auch zum Finden, Zerstören, Bauen oder Abändern anderer Systeme. KI ist für kreative Intelligenzen in etwa das, was ein Auto, ein Schiff, oder ein Flugzeug für einen Reisenden ist: Stets nur für gewisse Abschnitte des beabsichtigten Weges brauchbar, wird solches Werkzeug Distanzen verkürzen, die zu überwinden sonst nicht gelänge (und schon gar nicht in vergleichbar kurzer Zeit). Mit anderen Worten: Künstliche Intelligenz (KI) vergrößert die Reichweite kreativer Intelligenz, kann aber stets nur schon vorgedachte Wege gehen: KI ist einfach nur Software.
 
 
Natürlich stellt sich dann die Frage, welche Art von Software man als KI bezeichnet. Die Antwort darauf:
 
Je genauer die Aufgaben spezifiziert sein müssen, die der Anwender seinem Software-System gibt, desto weniger wird man es als KI bezeichen.
  • Software, die nicht KI ist, wären z.B. ein Texteditor, ein Buchhaltungssystem, ein Flugbuchungssystem oder ein Portal für Online-Shopping. Sie alle erwarten ständig neue Eingaben und erledigen vor allem Anweisungen, deren Ergebnis nicht wesentlich umfangreicher ist als die Eingabe selbst.
  • Ganz anders KI-Software: Sie erledigt eher Aufgaben des Typs: Berechne (oder erledige) einfach alles, was unter dieser oder jener einschränkenden Randbedingung überhaupt berechenbar ist (bzw. automatisch erledigt werden kann). Die Intelligenz von KI besteht darin, gegebenes Wissen über berechenbare Schlussfolgerungen in beliebig vielen Schritten erweitern zu können. Einmal aktiviert arbeitet sie typischerweise bis alle ihr zur Verfügung gestellten Ressourcen verbraucht sind. Auf diese Weise wird so ein System, die ihm gestellte Aufgabe zwar nie ganz erledigen, aber doch recht häufig Ergebnisse liefern, die sehr wertvoll sind, obgleich sie nicht selten gar nicht vorhersehbar waren.

Gruß, grtgrt
 
 
 
PS: Völlig richtig (und ganz selbstverständlich) scheint mir, dass kreative Intelligenz nicht notwendig menschliche Intelligenz sein muss:

Uwe aus 2120-77
 
Wenn ich mir einen Vogel anschaue, dann hat der doch schon relativ intelligente Züge in seiner Lebensweise. Irgend ein Programm muss ihm ja mitteilen, dass er für die Aufzucht seiner Brut ein Nest braucht, also muss er rechtzeitig passendes Baumaterial dafür suchen und es geschickt an einem passenden Ort verbauen. Können wir ausschließen, dass das vollkommen frei von Intelligenz passiert? Oder Krähen, die Nüsse auf die Fahrbahn werfen, damit sie von den darüberfahrenden Autos geknackt werden...
 
Ich glaube schon, dass auch Tiere eine Intelligenz besitzen, denn sie verständigen sich untereinander und wie ich von meinem Hund weiß, können sie sogar träumen. Bei meinem Schäferhund kommt es hin und wieder vor, dass er im Schlaf heult oder zuckt. Das bedeutet doch, dass er auch Situationen des Alltags speichert und verarbeitet.
 
Selbst bei Pflanzen kann man Verhaltensweisen beobachten, die auf ein gewisses Maß an Intelligenz oder gar Bewusstsein hindeuten. Der Schutz vor Fressfeinden zum Beispiel oder die Kommunikation zwischen einzelnen Pflanzen.
 
Wenn ich darüber nachdenke, dann braucht eine KI wirklich nur eine Initialzündung in Form eines genialen Algorithmuses und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es ähnlich (keinesfalls analog!) der Evolution des Menschen auch bei Computern zu spontanen Systemfehlern kommen könnte, die entweder zum Absturz führen, oder aber auch zur Verbesserung...
 


 
Uwe hat völlig recht:
 
Auch Systemversagen kann zu einer Situation führen, die rein zufällig sinnvoller ist als die, die das System — seinem Regelsystem entsprechend — eigentlich hätte herstellen sollen. Solches Fehlverhalten könnte zu einer Entdeckung führen, die man sonst niemals gemacht hätte. Da die dann entstandene Situation aber eine ist, auf die das Regelsystem überhaupt nicht mehr vorbereitet ist, wird KI — wenn sie keine zufälligen Ergebnisse toleriert — an dieser Stelle zusammenbrechen.
 
Dieser Überlegung wegen vermute ich, dass kreative Intelligenz eine Kombination aus Regelsystem und automatischer Zurückführung unerwarteter Ausnahme­situationen jeder Art auf durch das Regelsystem abgedeckte Situationen sein muss.
 
Die Wurzel von Kreativität wäre dann einfach nur absoluter Zufall — letztlich also Quantenfluktuation —
gepaart mit der Fähigkeit, gelegentlich auch Unerwartetes als Gewinn sehen zu können.

 
 
Auf jeden Fall ist auch unser sog.  B a u c h g e f ü h l  etwas, das menschliche Intelligenz von künstlicher unterscheidet:
 
Hans-m macht uns zu Recht darauf aufmerksam, dass natürliche Intelligenz:
  • neben einem Kopfgefühl
  • auch ein Bauchgefühl
kennt.
  • Alles was mit dem Kopfgefühl zusammenhängt ist das Rationale, Logische.
  • Alles was mit dem Bauchgefühl zu tun hat ist das Spontane (das oft auch Kreative), wofür wir — gerade weil es wenig mit Logik zu tun hat — manchmal keine Erklärung haben.
Eine KI kann — wie Gödel gezeigt hat — noch nicht mal all das lösen, was mit dem Kopfgefühl zu tun hat.
 
Solange KI nicht auch teilweise durch absoluten Zufall gesteuert arbeitet, kann sie ganz grundsätzlich nur Lösungswege gehen, die man ihr beigebracht hat. Nur kreative Intelligenz findet selbst dort noch Lösungen, wo es  k e i n e  vorgedachten Lösungswege gibt.
 
Hans-m nennt folgendes Beispiel:
     
 
Du bist mit deinem Sohn unterwegs. Er stürzt einen Abhang hinab (nur einige Meter, aber außerhalb deiner Reichweite).
Du hast kein Seil, ihn zu erreichen.
Was machst Du, welche Hilfsmittel stehen Dir zu Verfügung, ihm zu helfen? Du hast nur dein Fahrrad und Werkzeug.
Du könnstest z.B. die Schläuche deiner Fahrradreifen aneinanderknoten, und vielleicht auch noch das Ganze mit der Fahrradkette verlängern.
 
Könnte diese Lösung auch einer KI einfallen?

 
 
Siehe auch: Howard Gardener: Kreative Intelligenz: Was wir mit Mozart, Freud, Woolf und Gandhi gemeinsam haben, Piper 2002.
 
 
Siehe auch: Der grundlegenden Unterschied zwischen Mensch und Maschine — Gödel hat ihn aufgedeckt.
 
 
Fazit all dieser Überlegungen:
 
 
Solange KI so arbeitet, wie man das bisher als einzig denkbaren Weg kennt,
 
wird sie nie alle für den menschlichen Geist charakteristischen Fähigkeiten haben können.

 
 
Dies bedeutet aber nicht, dass KI-Forschern nicht irgendwann ein völlig neuer Ansatz einfallen könnte, mit dessen Hilfe es dann doch gelingt,
 
Roboter zu bauen, die menschliche Fähigkeiten in JEDER Hinsicht haben — den Menschen dann also komplett degradieren könnten.


 
 
Wie sich derzeit denkbare KI mehr und mehr in unserem Alltagsleben breit macht, wird recht treffend skizziert in Reportagen und Erfolgsmeldungen wie z.B.
Selbst hiervon noch weit entfernt sind:
 
 
Nebenbei:
    Googles selbstfahrende Fahrzeuge wurden im Herbst 2010 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Viele Autohersteller haben seitdem ebenfalls diverse Prototypen eigener Projekte präsentiert. So zeigte Daimler im Mai 2015 einen autonom fahrenden Lastwagen.
     
    Experten rechnen damit, dass selbstfahrende Autos schon 2020 regulär im Straßenverkehr auftauchen. Bis dahin müssten aber noch diverse rechtliche
    Fragen, Haftungsfragen vor allem, geklärt werden.
     
    Die selbstfahrenden Autos von Google sind in sechs Jahren in nur 11 kleinere Unfälle verwickelt worden. Aber nie sei das selbstfahrende Auto der Grund für den Zwischenfall gewesen.
     
    Googles Flotte von mehr als 20 Roboter-Wagen fuhr schon über 2,7 Millionen Kilometer (Stand: Mai 2015), hiervon 1,6 Millionen im autonomen Betrieb.
    Derzeit — Mitte 2015 — legen sie etwa 16.000 Kilometer pro Woche zurück.


 


aus  Notizen  zu:

Intelligenz – echte und künstliche


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