D i s k u s s i o n



 Beitrag 0-387
Das heute (noch) vorherrschende Weltbild ist eine Sackgasse

 
 

 
Unser makroskopisch orientiertes Weltmodell ist eine Sackgasse

 
 
Unter dem sog. klassischen Weltmodell (auch das materialistische genannt) versteht man die um 1900 als unumstößlich richtig eingestufte Aussage, dass alles in unserer Welt determinisch verlaufe. Erst die dann aufkommende Quantenphysik — die Physik des Allerkleinsten — hat uns eines Besseren belehrt.
 
Richtig ist auf jeden Fall, dass physikalische Prozesse in makroskopischer Hinsicht deutlich deterministischer ablaufen als auf Ebene der Quantenphysik, wo — wie man inzwischen weiß — wirklicher Zufall eine ganz zentrale Rolle spielt.
 
Welche philosophischen Konsequenzen aber hat das denn nun?
 


Günter Ewald ( in Gehirn, Seele und Computer (2006) S. 109-110, nicht ganz wörtlich ):
 
Als mit Gehirn und Geist ausgestattete Wesen stehen wir zwischen
     
  • der Unermesslichkeit des Kosmos im Großen — den Billionen von Sternen — und
     
  • der Unermesslichkeit unseres inneren Kosmos — den Billionen von Synapsen unter unserer Schädeldecke.

Beide vermitteln uns beides gleichermaßen: die Kleinheit und die Größe des Menschen.
 
Dies geschieht bereits auf materieller Ebene, die zu verstehen uns Relativitätstheorie und Quantenphysik geholfen haben. Der Kosmos — so zeigt sich da — ist nicht einfach nur ein Behälter, in dem sich Staubwolken kleiner Kügelchen, Atome genannt, zu Gestirnen verklumpen um dann auf mindestens einem Planeten exotische Maschinen wie etwa unser Gehirn hervorzubringen.
 
 
Was da wirklich existiert und abläuft zeigt sich allerdings nur dem physikalisch geschulten Geist — und selbst ihm nur in noch schwer zu deutenden Umrissen.
 
Dennoch:
 
Beim Verstehen der ganz großen Körper und Zusammenhänge sind wir die letzten Jahrzehnte schon recht weit gekommen: Begriffe wie Urknall, Schwarzes Loch oder Baby-Universum kennt heute fast jeder.
 
 
Beim Verstehen des ganz Kleinen aber stehen wir vor großen Hindernissen, die das sog. klassische Denken vor uns aufgebaut hat.
 
Quantenphysikalische Einsichten, welche zunehmend mehr Forschern nach ihrem Ausscheiden aus dem "aktiven Dienst" zu reflektieren und zu deuten versuchen, werden von Vielen immer noch ignoriert oder gar als "zu esoterisch" bekämpft.
 
Penrose und Hameroff sind einsame Propheten, die auf Kommendes hinweisen, aber noch viel zu wenig Gehör finden.
 
Der Ausbruch aus der Vorstellung eines geschlossenen Hirnsystems ebenso wie einem ultradarwinistischen Lebensverständnisses geschieht möglicherweise erst aufgrund methodischer Probleme.
 
Konvergenz der Evolution wie Conway Morris sie beobachtet und herausarbeitet, und auf die — in ganz anderen Worten und mit ganz anderen Beispieln — auch Rupert Sheldrake hinweist —, werden noch lange nicht erst genommen, und daraus resultierende philosopische Überzeugungen werden noch allzu oft als wissenschaftsfremdes, esoterische "Geschwurbel" eingestuft.
 
Einzig und allein Carl Gustav Jung (als renommierter Psychoanalytiker) und Wolfgang Pauli (in seiner 26-jährigen Diskussion mit Jung über Synchronicity und Archetypen) haben — bisher leider nur unter Phsychologen und ihnen nahestendenen Medizinern — erste Schranken des klassischen Denkens niedergerissen.
 
Öffnung ist somit das gemeinsame Kennzeichen eines eben erst keimenden Verstehens des äußeren wie auch des inneren Kosmos ( Universum und Gehirn als die nur schwerpunktmäßig lokalisierte Wohnung von Geist ).
 


 

 
Gibt es etwas, das hinausreicht über alles, was Physik zu modellieren versteht?

 
 
Wer nicht bei allzu naiven Religionsvorstellungen stehen bleiben möchte, muss sich diese Frage stellen ohne jede Furcht, dann der "Esoterik" verdächtigt zu werden (wie es Hans-Peter Dürr — völlig zu Unrecht — ja leider passiert ist).
 
Sich auf solch unerforschtes, für uns aber wichtiges Gebiet zu wagen ist mehr als nur Spekulation: Es ist uns dämmerndes, noch viel zu ungenaues Wissen, welches sich hinter einem gedanklichen Stoppschild findet, das so manch etablierter Wissenschaftler dem suchenden Denken anderer entgegenzuhalten versucht.
 
Unbestechliche Denker aber drängt eine in ihnen entstehende Überzeugung, die legitim ist, solange zwei Bedingungen erfüllt bleiben:
     
  • Sie darf wissenschaftlichen Erkenntnissen, die man selbst als gesichert ansieht, nicht widersprechen,
     
  • und sie muss ihren Überzeugungscharakter offen legen, darf also nicht in Form von "Erleuchtung" oder auf Basis nur pseudowissenschaftlicher Argumentation daher kommen.

 
Sogar religiöse Aussagen über Transzendentes können auf diese Weise in große Nähe zur Wirklichkeit rücken, mindestens aber kritisch-wissenschaftlich reflektiert werden.

 
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