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Unsere Welt zu verstehen:  Beispiele Erfahrung



 Beitrag 0-524
 
 

 
Beispiele archetypischer Erfahrung

im Sinne von Carl Gustav Jungs Tiefenpsychologie

 
 
Unter archetypischem Wissen (kurz: Archetypen) versteht man nach Jung in unserem Unterbewusstsein — im Urgrund unserer Psyche — schlummernde Gedanken, die wahrscheinlich auf dem langen Weg der Evolution hin zu uns entstanden sind und nun immer weiter vererbt, uns gelegentlich bewusst werden, ohne dass wir in einem solchen Fall sagen könnten, woher wir dieses deutlich gefühlte, aber wenig greifbare Wissen denn nun eigentlich haben.
 
Als das vielleicht schönste Beispiel dieser Art sehe ich die Tatsache, dass der griechische Philosoph Parmenides etwa 500 v.Chr. schreiben konnte:
 
 
» Die Welt, in der wir zu leben glauben, ist die vermeintliche Welt der Sinneswahrnehmungen:
 
Die Welt ist nur Meinung. «

 
 
Es gibt inzwischen viele Beobachtungen der Wissenschaft, z.B. auch der Quantenphysik, die beweisen, dass Parmenides hiermit recht hatte. Wie aber konnte er selbst zu dieser Meinung kommen, da es all diese Beobachtungen damals ja noch gar nicht gab?
 
Die Atomtheorie von Leukipp, präzisiert durch seinen Schüler Demokrit (auch etwa 500 v.Chr.), ist ein ähnlich merkwürdiger Fall. Durch Wissenschaft bestätigt wurde sie erst um 1900, und wie wir heute wissen, sind die damals entdeckten Atome noch keineswegs die kleinsten "Teilchen", aus denen alles aus Energie Bestehende sich zusammensetzt. Die Tatsache aber, dass es sie als nicht weiter teilbar gibt — wie wir heute wissen als QuBits — ist unbestreitbar richtig im Modell der Quantenphysik.
 
 
Nochmals also:
 
Woher hat unsere Psyche archetypisches Urwissen?

 
 
Die Antwort scheint naheliegend: Es könnte sich ergeben haben als Summe unglaublich vieler kleiner, über viele Generationen hinweg gesammelter Beobachtungen, die vor allem das Unterbewusstsein der Gehirne unserer Vorfahren gemacht haben dürfte — ursprünglich sogar ohne sie in Worte fassen zukönnen.
 
Die Mehrzahl dieser Beobachtungen dürften von sehr flüchtiger Natur gewesen sein — gut vergleichbar mit z.B. der, die jemand macht, wenn er, in einem Boot auf ruhigem Meer treibend, eigentlich an gar nichts denkend, aus den Augenwinkeln heraus irgendwo ganz kurz den Rücken eines großen Fisches auftauchen und wieder verschwinden sieht noch bevor er genauer hinsehen kann. Je häufiger ihm das passiert, desto konkreter wird die Vorstellung werden, zu der sein bewusstes, aber auch sein unterbewusstes Denken die Beobachtung extrapoliert und Sinn machend konkretisiert.
 
 
In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, ob nicht auch die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes (wie christliche Kirchen sie kennen) auf eben diese Weise entstanden sein könnte aus der den Menschen irgendwie über ihre lange Entwicklungsgeschichte hinweg bewusst werdenenden Tatsache, dass es genau 3 Dinge zu geben scheint, die schon immer existieren:
     
  • die Welt,
     
  • Geist darin
     
  • und Energie, die ständiges Geschehen bewirkt (und so auch Zeit generiert).

 
Moderne Physik würde konkreter sprechen von
     
  • mathematischen Gesetzen (als immer und überall regierender Geist),
     
  • der Energie des Vakuums (als Grundstoff all dessen, was physikalisch existiert) und
     
  • und Quantenfluktuation (als ein immer und überall aktiver Prozess, der tatsächlich nie aufhört, Neues zu schaffen — aber nichts, was seinem Zustand nach ewig Bestand hat).

Durch religiös orientiertes Philosophieren könnte daraus geworden sein die Idee von Gottes Dreifaltigkeit:
     
  • dem Vater (als dem Schöpfer von Allem),
     
  • dem Sohn (als demjenigen, der des Vaters Willen umsetzt und verkündet) und
     
  • dem Heiligen Geist (der unser Denken leitet, uns belebt und so bewirkt, dass alles, was ist, sich fortentwickelt).

Mir gefällt diese Idee besonders gut, da sie uns klar macht, was Religion eigentlich ist: Sie ist nicht mehr und nicht weniger als
 
 
Eine uns die unbekannte Wirklichkeit interpretierende,
 
durch viele von uns als hilfreich erkannte, sinngebene Ausmalung unserer Realität.

 
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So gesehen ist jede Religion ihrem Zweck nach gut vergleichbar mit physikalischen Modellen unserer Welt: Was jene im Bereich der Naturwissenschft sind, sind Religionen im Bereich der Philosophie.
 
Was diese beiden großen Modell-Familien (= Bilder unserer Welt) unterscheidet, ist einzig und allein die Qualität der "Farbe", aus der sie bestehen: starke Überzeugung einerseits bzw. durch logisches Schließen gewonnene Erkenntnis andererseits.
 
Im übrigen sei erinnert an Steven Hawkings Aussage:
 
 
Wir haben kein modell-unabhängiges Verständnis der Wirklichkeit (!).

 
 
Und so müssen wir uns auch nicht darüber wundern, dass Gottes Existenz weder beweisbar, noch widerlegbar ist.
 
Was aber wenn der Menscheit Wissen um ihn archetypische Qualität hat?


 


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