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Unsere Welt zu verstehen:  Markus Gabriels "Forschung"



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Über Markus Gabriels vermeintliche Glanzleistung

 
 
Im folgenden sei erklärt, warum ich Markus Gabriels bekannteste These (nach der die Welt nicht existiert) für einen exzellenten Marketing-Trick halte — aber ganz sicher nicht für eine wissenschaftliche Glanzleistung.
 
Die Argumentation, mit der er operiert, ist logisch unhaltbar und schon rein handwerklich von ganz unglaublich schlechter Qualität. Warum sie an Hochschulen unwidersprochen bleibt, ja offenbar sogar mit offenem Munde bestaunt wird, ist mir absolut unerklärlich, denn:

     
    Wenn ein Philosoph behauptet, zeigen zu können, dass es die Welt nicht gibt (wie in [de] und [en] geschehen), so sollte man sich zunächst fragen, welchen Existenzbegriff er zugrundelegt, und wie logisch er in dieser Sache argumentiert.
     
    Was aber, wenn sich dann, wie im vorliegenden Fall im Zuge solcher Prüfung sehr deutlich zeigt, dass dieser Herr – obgleich Inhaber eines Lehrstuhls für Erkenntnistheorie – noch nicht einmal wohldefinierten Existenzbegriff vorzuweisen hat?
     
    Was soll man davon halten, dass einer seiner US-amerikanischer Kollegen (John Searle) ihn trotz solch gravierender handwerklicher Fehler als "Deutschlands derzeit besten Philosophen" einordnet?
     
    Und was erst soll man sich denken, wenn man dann zudem noch feststellt, dass nun schon über ein ganzes Jahrzehnt hinweg unter den zahlreichen Hochschullehrern für Philosophie im deutschsprachigen Raum anscheinend nur ein einziger – der Österreicher Peter Strasser – Gabriels handwerklich völlig unakzeptable Argumentation als das erkannt hat, was sie ist: pseudologisches Geschwätz ("ontologisches Laraifari", wie Strasser es nennt).

 
Kann angesichts solcher Tatsachen die Mehrzahl der Hochschullehrer für Philosophie noch als kompetent angesehen werden – oder ist man nur zu feige, Unsinn zu nennen, was Unsinn ist?
 
In welchem Umfang Sinn macht, was Gabriel an Hochschulen ebenso wie in aller Öffentlichkeit uns als wichtiges Forschungsergebnis zu verkaufen versucht, möge jeder selbst beurteilen anhand seiner Antrittsvorlesung, in der er argumentiert:

     
    Die Welt, als das allumfassende Ganze, ist nicht auflistbar. Daraus, so Gabriel, könne man erkennen, dass sie gar nicht existiert.
     
    Diese These, so verprach Gabriel 2011, werde er zum Kern des Forschungsprogramms an seinem Lehrstuhl machen (!).
     
    Ist es nicht erstaunlich, was Hochschulphilosophie heute mit einem Lehrstuhl für Erkenntnisphilosophie belohnt?
     
    Wen wundert es da noch, dass so mancher, der – z.B. als Naturwissenschaftler – gewohnt ist, logisch zu denken, nicht mehr bereit ist, Philosophie als wertvoll einzustufen? Gabriel versucht zwar noch, Logik dort anzuwenden, wo sie anwendbar ist, merkt aber nicht, dass er sie – rein schon vom Handwerklichen her – deutlich weniger gut beherrscht als Naturwissenschaftler, vor allem auch Mathematiker. Wieso also begibt er sich dann in seiner Vorlesung auf mengentheoretisches Glatteis und rutscht auch prompt darauf aus (ohne es selbst zu merken)?
     
    Details dazu hierzu hier.

 
Mein Eindruck ist: Gabriel sieht seine Aufgabe darin, Meinungen zu produzieren, mit denen er sich profilieren kann. Ob sie wirklich Sinn machen und hin zu Wahrheit führen, scheint ihm zweit- oder gar drittrangig zu sein. Er weiß, dass man von ihm erwartet, sie zu begründen, seine Begründungen aber sind wenig durchdacht und versuchen, uns gelegentlich für dumm zu verkaufen. Nennenswerte Qualität kann ich darin nur selten erkennen. Er hört sich gerne reden, anderen zuzuhören ist nicht seine Stärke. An mir jedenfalls, redet er vorbei.
 
Kurz: Gabriel ist extrem redegewandt, nutzt diese Fähigkeit aber nicht, um Qualität seiner Argumentation anzustreben. Er will beeindrucken — und das um jeden Preis.
 
Pseudologisches Geschwätz als Forschungsergebnis zu verkaufen, gelingt ihm mühelos. Offenbar, da er es gar nicht mehr als solches erkennt. Seine Kollegen – fast alle jedenfalls – scheint das sprachlos zu machen: Warum ordnen sie sich ihm scheinbar willenlos unter und tun so, als wäre alles vernünftig, was er uns als da so anzudrehen versucht? Dabei könnte es doch wirklich interessant werden, sobald sich jemand dazu aufraffen wollte, seine Herausforderung anzunehmen. Dafür aber scheinen sie sich, Strasser ausgenommen, zu fürchten. Vergessen wir sie!
 
Fazit also: Als Freund sorgfältigen Erwägens und ehrlicher Suche nach Wahrheit, wie z.B. Karl Jaspers es war, wird Gabriel wohl nicht in die Geschichte eingehen. Vielleicht werden auch andere ihn später als das erkennen, was er mir zu sein scheint: so eine Art Boris Johnson gegenwärtiger deutscher Philosophie.
 
Wen es interessiert, der lese auch meine Meinung über die Qualität von Gabriels sog. Neuem Realismus, von dem uns "der derzeit beste deutsche Philosoph" (so Searle) in seinem Buch über die Nichtexistenz der Welt — stolz wie ein Gockel auf dem Mist — sogar noch verkündet, bei welchem Mittagessen er ihn erdacht habe.
 
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Note: Als jemand, der Gabriels so unsagbar stümperhafte Erklärung seiner provokativen These, dass
  • erstens die Welt nicht existiere (alles andere schon)
     
  • und zweitens jeder von uns die Wirklichkeit so erkenne, wie sie tatsächlich ist (und nicht stets subjektiv gefärbt),
nur aus rein argumentationstechnischer Sicht heraus beurteilen kann, ist mir nicht klar, aus welchem Grund er seinen Neuen Realismus inzwischen in Neutralen Realismus umbenannt hat.
 
Ich hoffe aber, wir das als ersten Schritt hin zum Wunsch verstehen dürfen, in Zukunft bessere Argumente dafür zu liefern, warum es die Welt nicht gibt.
 
Bisher nämlich ist Gabriel uns ja immer noch eine klare Definition dafür schuldig, was man unter Existenz denn eigentlich zu verstehen habe. Einfach nur zu sagen, existent zu sein bedeute in einem Sinnfeld aufzutreten und die Welt existiere nicht, da, wer sie aufzulisten versucht, sie dadurch um ständig neue Tatsachen erweitert, überzeugt mich halt so ganz und gar nicht.
 
Da Gabriel behauptet, die Welt als Ganzes sei, da nicht auflistbar, der einzige Gegenstand unseres Denkens, der nicht existiert, könnten Mathematiker ihm vorhalten, dass, wäre seine Argumentation richtig, die Menge aller reellen Zahlen auflistbar sein müsste. Zudem könnte man ihn fragen, wie das denn mit der Menge aller ganzen Zahlen sei: Auch sie kann ja niemand komplett als Liste hinschreiben.
 
Mathematiker aber — so scheint mir — gibt es in Gabriels Welt gar nicht. Er sieht die Welt ja, wie er denkt, wie sie wirklich ist. Es bleibt an uns darüber zu rätseln, was er denn unter der wirklichen Welt versteht. Es ist ganz offensichtlich eine, wie sie sich nur ihm selbst zeigt. Ich jedenfalls mache mir ein anderes, weniger widersprüchliches, eher logisches Bild davon.
 
Neu war Gabriels Realismus — aber nur als beispiellos naive, unzulässige Vereinfachung. Den Namen Neutraler Realismus aber verdient er nicht: Kant würde sich im Grabe umdrehen ob solcher Verdrehung der Wahrheit.
 
Die Welt jedenfalls existiert, denn sie existiert wenigstens als ein Konzept, über das wir nachdenken.

 


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