Unsere Welt zu verstehen:



 Beitrag 0-434
 
 

 
Warum es magnetische Monopole geben kann,

obgleich wir keine finden



John D. Barrow (2011):
 
Die von Alan Guth vorgeschlagene, heute allgemein akzeptierte Inflationstheorie liefert eine naheliegende Erklärung für gleich 3 Phänomene:
     
  • die erstaunliche Isoptropie und Flachheit des beobachtbaren Universums,
     
  • die Nähe seiner Expansionsrate zur kritischen Trennungslinie zwischen ewiger Expansion und späteren Big Crunch,
     
  • und das Fehlen einer gewaltigen Menge von Monopolen.

 
Magnetische Monopole können entstehen, wenn in verschiedene Richtungen weisende magnetische Kräfte in Konflikt geraten. Der Inflationstheorie nach aber war die Region, aus der unser sichtbares Universum entstand — heutiger Durchmesser 3 • 1027 cm — nur etwa 3 • 10-25 cm groß gewesen.
 
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine derart kleine Region frei von magnetischen Fehlanpassungen, d.h. frei von Monopolen ist, dürfte groß sein, selbst wenn sich in jedem Kubikzentimer des vor-inflationären Raumes Milliarden solch magnetischer Fehlstellen fanden.
 
 
Das hohe Maß an Glätte, das wir im Universum beobachten, scheint darauf zurückführbar, dass in einem inflationären Raum unser gesamtes sichtbares Universum das aufgeblähte Bild einer winzigen Fluktuation ist, die durch Photonen geglättet wurde, welche die Energieüberschüsse von heißeren hin zu kühleren Regionen transportierten.
 


 
Quelle: John D. Barrow: Das Buch der Universen (2011), S. 212-213

 
 
Historische Notiz: Die Inflationstheorie hat sich durchgesetzt während eines 2-wöchigen Wörkshops, der Juni/Juli 1982 in Cambridge stattfand. Eine erste Zusammenfassung seiner Ergebnisse gaben J.D. Barrow und M.S. Turner: » The inflationary universe. Birth, death and transfiguration « in: Nature 298 (1982), p. 801-805. Dieser Nature-Artikel wurde hand­schriftlich eingereicht und war schon 5 Tage später veröffentlicht.
 
Ausführlicher sind die Ergebnisse jenes Workshops beschrieben in G. Gibbons, S.W. Hawking und S.T.C. Siklos (Hrsg.): The Very Early Universe, Cambridge 1983.


 


aus Notizen zu:

Elektromagnetismus


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