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Unsere Welt zu verstehen:



 Beitrag 0-430
 
 

 
Ethische Grundsätze im Wandel der Zeiten

 
 
Max Tegmark macht sich in seinem Buch Leben 3.0 — Mensch sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz (2017) Gedanken darüber, dass die Geschichte ethische Grundsätze zwei ganz unterschiedlicher Kategorien kennt:


Tegmark schrieb:
 
Noch Kant behauptete, er könne aus sog. "ersten Prinzipien" Schlüsse ziehen, mit denen man heute eher nicht einverstanden ist — dass nämlich
     
  • Masturbation schlimmer sei als Selbstmord,
     
  • Homosexualität verabscheuenswürdig,
     
  • das Töten unehelicher Kinder in Ordnung gehe
     
  • und dass Ehefrauen, Bedienstete und Kinder, ähnlich wie Objekte, Eigentum seien.

 
Wenn wir in die Zukunft schauen, in der das Leben potentiell im ganzen Kosmos und über Jahrmilliarden hinweg gedeihen könnte — vielleicht auch künstlich erzeugtes Leben (sich ihrer selbst bewusste KI etwa) — dann stellt sich die Frage, auf welches Minimum ethischer Prinzipien man sich dazu einigen könnte.
 
An diesem Gespräch sollten wir uns alle beteiligen.
 
Ich fand es faszinierend, die ethischen Ansichten vieler Denker über viele Jahre hinweg hörend und lesend zu verfolgen, und so, wie ich es sehe, lassen sich die Punkte, denen sie [ heute ] den Vorzug geben, in 4 Prinzipien zusammenfassen:
     
  • Utilitarismus: Positive, bewusste Erfahrungen — für Menschen, Tiere und künstliche Intelligenzen — sollten maximiert, Leid aber minimiert werden.
     
  • Vielfalt: Eine abwechslungsreiche Vielfalt positiver Erfahrungen ist besser als viele Wiederholungen genau gleicher Erfahrungen, selbst wenn letztere sich als diejenigen erwiesen haben, die positiver nicht sein könnten.
     
  • Autonomie: Bewusste Wesen und Gesellschaften sollten die Freiheit haben, ihre eigenen Ziele zu verfolgen, sofern diese nicht mit einem übergeordneten Prinzip in Konflikt geraten.
     
  • Vermächtnis: Vereinbarkeit mit Szenarien, die die meisten Menschen heute als glücklich erachten würden, und Unverträglichkeit mit Szenarien, die so gut wie alle Menschen heute als furchtbar einstufen würden.

 
Was das Gute betrifft, so trifft man in den meisten Kulturen auf die sog. goldene Regel » Man sollte andere behandeln, wie man selbst wünscht, von anderen behandelt zu werden «.
 
Eine andere Regel, die in zahlreichen Jahrhunderten hoch gehalten wurde, war die Betonung auf das Schöne, Gute und Wahre, auf die man bei Bhagavad Gita ebenso wie bei Platon und Sokrates trifft, aber auch im Motto heute noch renommierter Institute: Das Institute for Advanced Study in Princeton etwa hat zum Motto Wahrheit und Schönheit, während die Harvard University immerhin noch auf Veritas (= Wahrheit) setzt.
 


 
Das Prinzip Don't be evil wird wenigstens noch in Google's corporate code of conduct explizit erwähnt, auch wenn andere Unternehmen — Großbanken etwa — weit davon entfernt scheinen, sich solches Ziel zu setzen.

 


aus  Notizen  zu:

Zur nicht verhinderbaren Wandlung unserer Gesellschaft


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