Unsere Welt zu verstehen:



 Beitrag 0-377
 
 

 
Wer argumentiert, wie die Skeptiker-Bewegung es sich angewöhnt hat,

macht sich als Wissenschaftler unmöglich

 
 
Mitglieder der Skeptiker-Bewegung sehen sich als selbsternannte Hüter der Wahrheit.
 
Sie haben nicht gelernt zu unterscheiden, was persönliche Überzeugung einerseits und wissenschaftliches Ergebnis andererseits ist.
 
Diesen Unterschied zu kennen ist für Wissenschaftler aber unabdingbar: Schließlich argumentieren sie ja an der Grenze aller wissenschaftlichen Erkenntnis. Ihre zentrale Aufgabe ist das Hinausschieben dieser Grenze unter der Nebenbedingung, dass nichts, was Wissenschaft als erwiesen einstuft, falsch sein darf.
 
 
 
Liebe Ute,
 
Deine Beiträge auf guteFrage.net legen mir nahe, dass du ein wirklich guter, kompetenter Physiker und Astrophysiker bist: Du kennst die derzeitige Lehrmeinung ganz genau.
 
Viele deiner Antworten auf meine Beiträge legen mir aber auch nahe, dass dir zum Wissenschaftler wenigstens noch die Fähigkeit — und vielleicht auch der Wille? — fehlt, absolut objektiv zu denken: Du verwechselst deine eigene Überzeugung und die derzeit vorherrschende   »  M e i n u n g  «   wichtiger Personen allzu oft mit dem, was Wissenschaft schon beweisen konnte.
 
 
Die Geschichte der Wissenschaften kennt zahlreiche Fälle, in denen sich die damals vorherrschende Lehrmeinung später als ganz gewaltiger Irrtum erwies.
 
Bekanntes Beispiel — gerade erst mal 100 Jahre alt — ist die von Fachleuten zunächst als "mit Sicherheit falsch" eingestufte Theorie des Kontinentaldrifts.
 
Sie sollte warnendes Beispiel sein für dich und die Skeptikerbewegung.

 
 
Warum ignorierst du solche Beispiele?
 
 
Ohne Beweis kann selbst die feste Überzeugung fast aller noch falsch sein.

 
 
Max Planck gilt als Inbegriff eines objektiv denkenden Wissenschaftlers. Er kam zu einem Ergebnis, an das er selbst nicht so recht glauben wollte. Einzig und allein die Tatsache, dass es ihm logisch einwandfrei hergeleitet erschien, hat ihn bewogen, es zu veröffentlichen. Wie wir heute wissen, hat es die Physik — und nicht nur sie — weit dramatischer, weit schneller und deutlich nachhaltiger vorangebracht, als jedes andere wissenschaftliche Ergebnis zuvor. Daher:
 
Sich als Wissenschaftler Max Planck zum Vorbild zu nehmen macht deutlich mehr Sinn als Richard Dawkins zu folgen. Zu argumentieren wie er ist eines ehrlichen Denkers nicht würdig.
 
 
 
Kein Argument anderer für eine Theorie als überzeugend einzustufen, widerlegt sie noch lange nicht.


 


aus Notizen zu:

Etwas Wissenschaftstheorie


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