Unsere Welt zu verstehen:



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Positivisten und Realisten (in der Physik)

 
 
Wie Positivismus in der Physik zu verstehen sei, hat Max Planck 1930 einmal so zusammengefasst:
 
Für Positivisten » ist die Aufgabe der physikalischen Wissenschaft erschöpfend gekennzeichnet, wenn man sagt, dass sie darin bestünde, im die Summe vorliegender Naturbeobachtungen einen möglichst genauen und einfachen gesetzlichen Zusammenhang zu bringen «.
 
Jede Frage, so Planck, die der Positivist überhaupt als sinnvoll zulässt, muss durch Beobachtung beantwortbar sein.

 
Seinen deutlichsten Ausdruck hat der Positivismus in der Denkökonomie des Ernst Mach gefunden, in der es bei der Naturbeschreibung nur daraum geht, die Erscheinungen möglichst ökonomisch zu beschreiben: Positivisten sind keine Entdecker, sondern Erfinder ökonomischer Beschreibung.
 
Planck war sich mit Physikern wie Einstein, Schrödinger und Pauli darin einig, dass die große Gefahr des Positivismus seine Unfruchtbarkeit sei.
 
Einstein, der Mach verehrt hat, hat das sehr genau erkannt. Er schrieb 1917 an Besso: » Über das Machsche Rösslein schimpfe ich nicht ... Aber es könnte nichts Lebendiges gebären, sondern nur schädliches Gewürm ausrotten. «
 
Über Quantengravitation und Quantenkosmologie würde ein Positivist heute gar nicht nachdenlen. Er versagt sich dadurch aber von vornherein die Möglichkeit, in Neuland vorzustoßen.
 
 
Deswegen kam es schnell zur Gegenposition des Realismus :
 
Planck bezeichnete ihn als die Hypothese, dass
 
unsere Erlebnisse nicht selbst die physikalische Welt ausmachen, sondern nur Kunde geben von der wirklichen Welt.

 
Natürlich fordert auch der Realist, dass all seine Aussagen in Einklang mit Experimenten und tatsächlich gemachten Beobachtungen stehen. Hierin also stimmt er mit dem Positivisten überein. Darüber hinaus aber gibt es für ihn die Möglichkeit, freier Setzung und freier Spekulation:


Albert Einstein und Leopold Infeld in Die Evolution der Physik :
 
Physikalische Begriffe sind freie Schöpfungen des Geistes und ergeben sich nicht etwa – wie man recht leicht zu glauben geneigt ist – zwangsläufig aus den Verhältnissen der Außenwelt.
 


Erst der Grad der Sicherheit, mit der diese intuitive Verknüpfung vorgenommen werden kann, unterscheide — so Einstein in Autobiographisches — leeres Spekulieren von wissenschaftlicher Wahrheit.
 
Fassen wir zusammen:
 
Positivisten verstehen sich als Beschreiber der Naturgesetze,
 
Realisten aber wollen auch Entdecker sein.


 


aus Notizen zu:

Objekt vs Modell (in der Physik)


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