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Unsere Welt zu verstehen:  Einstein Philosophie



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Einstein und die Philosophie

 
 
Wert und Problematik der Philosopie — und des Arbeitens der Philosophen — hat meiner Ansicht nach besonders treffend Einstein erkannt:


Einstein zur Philosophie (Zitate):
 
Ist nicht die ganze Philosopie wie in Honig geschrieben? Es schaut wunderbar aus, wenn man es betrachtet, aber wenn man ein zweites Mal hinschaut, ist alles weg.
 
Die Philosophie gleicht einer Mutter, die alle übrigen Wissenschaften geboren und ausgestattet hat. Man darf sie in ihrer Nacktheit und Armut daher nicht geringschätzen, sondern muss hoffen, dass etwas von ihrem Don-Quixote-Ideal auch in ihren Kindern lebendig bleibe, damit sie nicht in Banausentum verkommen.
 
... Oft und gewiss nicht ohne Berechtigung ist gesagt worden, dass der Naturwissenschaftler ein schlechter Philosoph sei. Warum also sollte es nicht auch für den Physiker das Richtigste sein, das Philosophieren den Philosophen zu überlassen?
 
... In einer Zeit, in welcher die Physiker über ein festes, nicht angezweifeltes System von Fundamentalbegriffen zu verfügen glaubten, mag dies wohl so gewesen sein, nicht aber in einer Zeit, in welcher das Fundament der Physik problematisch geworden ist, wie gegenwärtig [1936].
 
In solcher Zeit des durch die Erfahrung erzwungenen Suchens nach einer neuen, solideren Basis kann der Physiker die kritische Betrachtung der Grundlagen nicht einfach der Philosophie überlassen, weil nur er selbst am besten weiß und fühlt, wo ihn der Schuh drückt.
 


Einstein — obgleich stets ein besonders pragmatisch denkender und handelnder Physiker — nahm die Philosophie ernst:
     
  • Schon als 13-jähriger las er Kants Kritk der reinen Vernunft.
     
  • Früh schon befasste er sich eingehend mit den Werken von Ernst Mach und Henri Poincaré.
     
  • Während seiner Zeit in Berlin war Einstein Mitglied eines Philosophenkreises, in dem eifrig diskutiert und gelesen wurde. Noch Jahre später rezipierte er mit Begeisterung Spinoza.
     
  • Auch wies Einstein mehrfach darauf hin, dass Philosophie eingefahrene Vorurteile zu erkennen, wenn nicht sogar zu überwinden hilft.

 
 
Einstein über Wissenschaft und Kunst

 
Auf Bitte eines Zeitschriftenherausgebers zur Modernen Kunst schrieb Einstein:


Einstein (Jan 1921):
 
Wo die Welt aufhört, Schauplatz des persönlichen Hoffens, Wünschens und Wollens zu sein, wo wir uns ihr als freie Geschöpfe bewundernd, fragend, schauend gegenüberstellen, da treten wir ins Reich der Kunst und Wissenschaft ein.
     
  • Wird das Geschaute und Erlebte in der Sprache der Logik nachgebildet, so treiben wir Wissenschaft,
     
  • wird es durch Formen vermittelt, deren Zusammenhänge dem bewussten Denken unzugänglich, doch intuitiv als sinnvoll erkannt sind, so treiben wir Kunst.

Beiden gemeinsam ist die liebevolle Hingabe an das Überpersönliche, Willensferne.
 


 
Quelle: Rüdiger Vaas: Jenseits von Einsteins Universum (2016), S. 411-427.


 


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