Unsere Welt zu verstehen:



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Womit sich Physiker beschäftigen



Hohnerkamp (2013):
 
Der berühmte US-amerikanische Festkörperphysiker und Nobelpreisträger Philip Warren Anderson beklagte 1994 dass es in der öffentlichen Aufmerksamkeit für physikalische Forschungsergebnisse ein großes Missverhältnis gäbe:

     
    Kosmologische Fragen sowie das Schicksal für Theorien fundamentaler Wechselwirkungen würden zuhauf in Büchern und Zeitschriften diskutiert, und publikumswirksam würde eine » Theorie für Alles « als Ziel propagiert.
     
    Dabei könnten sich höchstens 20% aller Physiker als Kosmologen oder Teilchenphysiker bezeichnen.
     
    Alle anderen seien mit praktischen Anwendungen der Physik beschäftigt oder mit Phänomenen, die zu komplex sind, um sie direkt aus den Gesetzen für die fundamentalen Kräfte bzw. Wechselwirkungen erklären zu können.

 
Das Studium der komplexen Systeme ist ein mindestens so großes Gebiet wie die beiden anderen, die sich als Elementarteilchenphysik mit den kleinsten bzw. als Kosmologie mit den größten Objekten unserer Welt beschäftigen.
 
Keineswegs nur die Physik fester Körper mit ihren ungewöhnlichen Materiezuständen (wie etwa Supraleitfähigkeit) gehört zu ihren Themen, sondern auch Phänomene wie Strukturbildung, Selbstreproduktion, Leben und Bewusstsein.
 
Hier beginnen die Grenzen zwischen den Fächern zu verschwimmen, wie sich ja auch schon an Namen wie » Physikalische Chemie « oder » Biochemie « zeigt.
 


Quelle: Josef Hohnerkamp: Was können wir wissen? (Springer, 2013), S. 71-78
 
Siehe auch, woran Physiker als Ingenieure arbeiten.


 


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