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Unsere Welt zu verstehen:  Bojowald



 Beitrag 0-56
 
 

 
Was Bojowald über das Wesen der Zeit sagt


Martin Bojowald ( 2012, S. 262-267 seines Buches "Zurück vor den Urknall" ):
 

Das mathematische Bild der Zeit ist hilfreich, aber  i d e a l i s i e r t .
 
Eine solche Zeit nämlich wird nicht beobachtet; was wir stattdessen sehen, sind Änderungen von Materiekonfigurationen wie des Standes der Sonne relativ zur Erde oder des Zeigers der Uhr relativ zum Ziffernblatt.
 
Uhren jeder Art sind aus Materie aufgebaut und unterliegen dem Einfluss durch andere Materie.
 
Man spricht von einer guten Uhr, wenn der Einfluss anderer Materie darauf gering ist. Doch schwachen Einfluss gibt es immer, womit das Bild einer von der Materie vollkommen unabhängigen Zeit idealisiert ist.
 
Es wird immer nur Materie beobachtet, nie aber Zeit direkt. Dies ist vor allem in der Kosmologie bedeutsam, denn während sich unter den heutigen Bedingungen auf der Erde leicht brauchbare Uhren herstellen lassen, kann es in den frühen Phasen des Universums Situationen geben, in denen wegen extrem hoher Dichte unausweichlich ein starker Einfluss zwischen allen Materiebestandteilen vorherrscht. In solchen Fällen kann man als Maß für die Zeit höchstens kosmologische Größen nutzen wie etwa das sich ändernde Volumen des Universums.
 



 


aus  Notizen  zu:

Sich verzweigende Zeit und die Ticks der kosmischen Uhr


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